Der Konflikt um die Sparpläne für die HafenCity Universität Hamburg (HCU) ist kurz vor der Sitzung des Wissenschaftsausschusses deutlich schärfer geworden. 32 Professorinnen und Professoren veröffentlichten einen Brandbrief, in dem sie vor massiven Einschnitten warnen. Nach ihrer Berechnung könnte die Universität insgesamt 55 Prozent ihres Budgets verlieren.

Die möglichen Folgen wären unmittelbar im Hochschulalltag zu spüren: Mehr als 20 Prozent der Stellen könnten wegfallen, rund 65 Beschäftigte wären betroffen. Auch der Studiengang „Technische Gebäudeausrüstung mit digitaler Infrastruktur“ mit 60 Studienplätzen könnte eingestellt werden. Für Studierende und Lehrende geht es damit nicht nur um Zahlen auf einem Haushaltspapier, sondern um konkrete Seminare, Betreuung und Forschungsprojekte.

Streit im Wissenschaftsausschuss

Seit Ende Juli gilt an der HCU laut Brandbrief ein Einstellungsstopp für unbefristete Stellen. Berufungsverfahren wurden ausgesetzt. Im Wissenschaftsausschuss entzündete sich zudem ein Streit an der Frage, wer angehört werden darf: CDU und Linke wollten auch Hochschulbeschäftigte zu Wort kommen lassen. SPD und Grüne lehnten das laut Artikel ab.

Die Opposition sprach von einem „Eklat“ und einem „Maulkorb“. Die Linke erklärte, Beschäftigten seien bei Wortmeldungen disziplinarrechtliche Konsequenzen angedroht worden. Eine angespannte Sitzung also, bei der es nicht bloß um Verfahrensfragen ging, sondern um die Frage, wie offen über die Zukunft der Universität gesprochen werden kann.

Weniger Geld, viele offene Fragen

Hinter dem Streit steht der Sparkurs des Hamburger Senats. Im Wissenschaftsetat sollen im Doppelhaushalt 2027/28 durchschnittlich rund 40 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Ausgelaufene Sonderfinanzierungen sollen nach Angaben der Wissenschaftsbehörde nicht automatisch fortgeführt werden.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das jährliche HCU-Budget soll dadurch von gut 29 Millionen Euro im Jahr 2027 auf rund 16 Millionen Euro im Jahr 2028 sinken. Einschließlich weiterer wegfallender Mittel errechnen die Professorinnen und Professoren einen Einschnitt von 55 Prozent. Hochschulgremien hatten bereits zuvor vor einer „existenziellen Krise“ gewarnt.

Die Wissenschaftsbehörde verweist dagegen auf Rücklagen der HCU und bezeichnet die Kürzung als einmalig. Nach Angaben der Professoren sind allerdings rund sieben Millionen Euro dieser Rücklagen für Mietzahlungen extern angemieteter Räume zweckgebunden. Für 2029 hat die Behörde bislang keine konkrete Höhe des HCU-Jahresbudgets genannt. Die Professoren warnen deshalb, dass nach der derzeitigen Finanzplanung ab 2029 ein hohes strukturelles Defizit entstehen werde.

Blumenthal verweist auf Investitionen

Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) erklärte, sie nehme die Sorgen aus der Wissenschaft ernst. Sie begründete den Sparkurs mit geringeren finanziellen Spielräumen und sagte, sie habe sich gegen pauschale Kürzungen nach dem „Rasenmäherprinzip“ entschieden.

Nach Blumenthals Darstellung sind die bis 2027 laufenden Zukunftsverträge für die Hochschulen sowie die Exzellenzstrategie ausfinanziert. Außerdem sollen rund 500 Millionen Euro aus dem Hamburger Investitionsbooster unter anderem in Forschungs- und Hochschulgebäude fließen. Das klingt nach großen Summen – an der HCU richtet sich der Blick trotzdem auf die Stellen, die jetzt zur Disposition stehen.

Die Professorinnen und Professoren kritisieren, dass die HCU stärker betroffen sei als andere staatliche Hochschulen Hamburgs. Sie fordern vom Senat eine Begründung für das Ausmaß der Kürzungen. Nach ihrer Darstellung gefährdet der Personalabbau unmittelbar Lehre, Betreuung und Forschungsprojekte.

Universität für Bau und Stadtentwicklung

Die HCU bündelt Disziplinen aus den Bereichen Bau und Stadtentwicklung. Gerade deshalb betonen die Professoren ihre Bedeutung für Hamburgs Klima- und Transformationsziele. Sie fordern, die geplante Kürzung mindestens zu halbieren oder auf das prozentuale Niveau der anderen Hamburger Hochschulen zu begrenzen.

Am Standort der Universität Hamburg wird der Konflikt mit Interesse verfolgt: Es geht um die finanzielle Ausstattung einer vergleichsweise kleinen Hochschule, aber auch um die Frage, welche Forschung und welche Ausbildung Hamburg für seine bauliche und ökologische Zukunft braucht. Der nächste harte Punkt liegt dabei schon auf dem Tisch – die Haushaltsentscheidungen für 2027 und 2028 und die bislang unbeantwortete Budgetfrage für 2029.