Hamburger Wissenschaftseinrichtungen gründen gemeinsame ELLIS-Unit für KI-Forschung
Heute, am 30. Oktober 2026, ist die Nachricht an der Universität Hamburg kaum zu übersehen: Fünf Hamburger Wissenschaftseinrichtungen haben die ELLIS-Unit Hamburg gegründet. Am 29. Oktober 2026 wurde die Einheit in das europäische KI-Exzellenznetzwerk ELLIS aufgenommen – einen Tag später ist der Schritt also noch ganz frisch.
Beteiligt sind die Universität Hamburg (UHH), die Technische Universität Hamburg (TUHH), das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H). Gemeinsam wollen sie die Hamburger Forschung zu künstlicher Intelligenz enger verzahnen und international sichtbarer machen.
Von maschinellem Lernen bis Klimaforschung
ELLIS steht für „European Laboratory for Learning and Intelligent Systems“. Das Netzwerk wurde 2018 gegründet und verbindet führende KI-Forschungseinrichtungen in Europa, mit einem Schwerpunkt auf der Grundlagenforschung zum maschinellen Lernen. Durch Hamburg sowie neue Standorte an der Côte d’Azur, in Innsbruck, Irland und Norwegen wächst ELLIS nun auf 49 Units.
Das Forschungsprofil der Hamburger Unit reicht über fünf Bereiche: Grundlagen des maschinellen Lernens, kognitive und cyberphysische Systeme, Klimaforschung, Physik sowie biomedizinische Wissenschaften. Die beteiligten Einrichtungen bringen außerdem Erfahrung in Neurowissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Datenanalyse und Medizin ein. Das klingt nach einer ziemlich breiten Mischung – und genau darin liegt der Plan: Forschung zum maschinellen Lernen soll gebündelt und gestärkt werden, statt in einzelnen Arbeitsgruppen nebeneinanderher zu laufen.
Aufgebaut ist die Unit auf der Zusammenarbeit im PIER-PLUS-Handlungsfeld „Computing and Data Science“. Sie soll die Kooperation in der Metropolregion Hamburg vertiefen und den Austausch mit anderen ELLIS-Standorten sowie europäischen Forschungsprogrammen erweitern. Für Promovierende und Postdocs bedeutet die Mitgliedschaft Zugang zu internationalen Kooperationen, thematischen Forschungsprogrammen und speziellen Förderangeboten. Forschende sollen künftig enger mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa arbeiten können.
13 Principal Investigators, zwei wissenschaftliche Leiter
Die wissenschaftliche Leitung übernehmen Prof. Dr. Nihat Ay von der TUHH und Prof. Dr. Stefano Panzeri vom UKE. Koordiniert wird die Einheit von Dr. Katrin Schöning-Stierand vom Hub of Computing and Data Science der UHH.
Zum wissenschaftlichen Team gehören 13 Principal Investigators:
- UHH: Johanna Baehr, Chris Biemann, Gregor Kasieczka, Anne Lauscher, Nicolas Schuck und Frank Steinicke
- TUHH: Nihat Ay und Annika Eichler, die auch bei DESY tätig ist
- DESY: Martin Burger
- UKE: Stefano Panzeri, Cristina Becchio und Stefan Bonn
- HSU/UniBw H: Oliver Niggemann
Die neue Struktur soll nicht nur wissenschaftliche Kontakte erleichtern. Hamburg will damit auch für internationale Talente attraktiver werden und den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern. Zwischen Labor, Klinik, Universität und Forschungszentrum entstehen so hoffentlich kurze Wege – zumindest auf dem Papier; in Hamburg weiß man ja, dass schon die nächste Baustelle eine Route ordentlich verlängern kann.
Wissen soll aus den Instituten heraus
Für den Wissenstransfer in die Öffentlichkeit arbeiten das „ligeti zentrum“ und die Körber-Stiftung mit. Geplant sind eine ELLIS-Vortragsreihe und Veranstaltungen, die maschinelles Lernen über künstlerische Zugänge vermitteln. KI soll dabei nicht nur in Fachartikeln und Konferenzräumen auftauchen, sondern auch dort, wo Menschen ohne Forschungshintergrund neugierig werden können – bei Vorträgen, Gesprächen und vielleicht auf ungewohnten Bühnen.
Mit der Aufnahme in ELLIS bekommt Hamburg damit ein gemeinsames Dach für sehr unterschiedliche Forschungsfelder: von Klimadaten und Physik über kognitive und cyberphysische Systeme bis hin zu medizinischen Anwendungen. Die fünf Einrichtungen bringen ihre jeweiligen Stärken ein, während Promovierende und Postdocs stärker in europäische Netzwerke hineinwachsen können. Und irgendwo zwischen Rechenzentrum, Klinik und Hörsaal wird sich dann zeigen, wie gut diese Verbindung im Alltag funktioniert.
Quelle: https://www.n-tv.de/regionales/hamburg-und-schleswig-holstein/Hamburger-Wissenschaftseinrichtungen-treten-KI-Netzwerk-bei-id31477658.html
Weitere Informationen: https://idw-online.de/en/news879987
