Christopher Hofer ist der neue Leiter der Bürgerdienste der Stadt Papenburg. Nach eigenen Angaben fühlte er sich dort von Anfang an gut aufgenommen. Nun möchte er vor allem eines: mehr Nähe zwischen den Bürgerdiensten und den Bürgerinnen und Bürgern schaffen.

Das klingt zunächst schlicht, ist im Verwaltungsalltag aber kein kleiner Anspruch. Bürgerdienste sind oft die erste Anlaufstelle, wenn Anträge gestellt, Bescheinigungen gebraucht oder Fragen geklärt werden müssen. Ein freundlicher Kontakt kann dabei viel ausmachen – manchmal reicht schon das Gefühl, nicht von Schalter zu Schalter weitergereicht zu werden.

Nähe und digitale Abläufe

Für Kommunalverwaltungen kommt diese Aufgabe in einer Zeit, in der sich vieles gleichzeitig verändert. Digitalisierung soll Prozesse schlanker, günstiger und effizienter machen. Zugleich entstehen neue Baustellen: Cybersicherheit, smarte Verwaltung, Smart City, das Onlinezugangsgesetz und der Einsatz Künstlicher Intelligenz gehören zu den großen Themen.

Mit jedem Digitalisierungsschritt wartet allerdings schon der nächste. Verwaltungen müssen nicht nur Technik anschaffen, sondern alltagstaugliche digitale Prozesse entwickeln. Laut einem nicht näher bezeichneten Beitrag befürworten 70 Prozent den Einsatz von KI bei der Antragsbearbeitung. Nürnberg nutzt KI unter anderem für Chatbots, die automatisierte Wohngeldprüfung und die Deutschland-App – wobei geeignete Abläufe entscheidend bleiben.

In Holzminden arbeitet seit April 2026 die RPA-Lösung „Emma“ standardisierte Verwaltungsaufgaben digital ab. Coburg setzt in der Ausländerbehörde eine KI-gestützte Assistenz ein, die komplexe Fallakten strukturiert und Verfahren laut Beitrag um mehr als 80 Prozent beschleunigt. Büttelborn informiert rund um die Uhr mit einem KI-Avatar von Bürgermeister Marcus Merkel. Wiesbaden nimmt als eine von sechs Städten an der Pilotphase der Deutschland-App des Bundes teil.

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Von Smart City bis Glasfaser

Auch außerhalb der klassischen Bürgerdienste wird digital geplant. Jena gehört zu den 73 vom Bund geförderten Smart-City-Modellprojekten. Hagen treibt als Modellstadt die digitale Transformation voran, um Stromverbrauch und CO₂-Emissionen zu senken. Die Gemeinde Schömberg organisiert ihren Baumbestand digital, während Gütersloh mit dem „Urban Stack“ eine offene Plattform zur Vernetzung kommunaler Daten und zur Unterstützung der Zusammenarbeit nutzt.

Mannheim und Aachen entwickeln im Förderprojekt MACspeeDZ ein digitales Planungsinstrument für Stadt- und Freiraumplanung zur Klimaanpassung. Digitale Zwillinge können dabei auch von Feuerwehren und anderen kommunalen Stellen genutzt werden. Selbst mittlere und kleine Städte können physische Stadtkomponenten virtuell abbilden – nicht nur die großen Zentren.

Der Smart City Index 2026 nennt einen neuen Spitzenreiter unter den deutschen Großstädten und beschreibt den zunehmenden Wettbewerb. Schon der Smart City Index 2025 zeigte, dass 76 Prozent der deutschen Städte digitale Energieplanung nutzen.

Parallel geht es um die Leitungen unter der Straße. Staatssekretär Thomas Jarzombek zog eine Halbzeitbilanz zum Glasfaserausbau und appellierte an Kommunen, den Ausbau zu unterstützen. Für den Glasfaserausbau werden verschiedene kommunale Kooperationsmodelle vorgestellt; auch die TKG-Novelle wird als relevant für den Ausbau vor Ort eingeordnet. Rellingen finanziert kostenlose Hausanschlüsse, um die Glasfaser-Nachverdichtung und die Netzauslastung zu fördern.

Offene Systeme, neue Angebote

Kommunen beschäftigen sich zunehmend mit Open-Source-Software und digitaler Souveränität. Dahinter steht auch der Wunsch, Abhängigkeiten von proprietärer US-Software zu reduzieren. Das ist weniger spektakulär als ein KI-Avatar, aber für den Verwaltungsbetrieb womöglich mindestens genauso wichtig.

Fünf Start-ups haben das Finale des Smart Country Startup Awards 2026 erreicht und sollen auf der Smart Country Convention präsentiert werden. Weitere Anzeigen behandeln digitale Finanzprozesse, Workplace Management, CAFM, kommunale Digitalisierung und Verwaltungssoftware. ProVitako bietet einen digitalen Marktplatz zur vergabekonformen Beschaffung von mehr als einer Million ITK-Artikeln an. (Anzeige)

Auch STERNBERG wirbt mit einem Komplettsystem für digitale Gremienarbeit, das KI-Funktionen und persönliche Betreuung verbindet. (Anzeige) Für Kommunen ist das eine praktische Seite des Wandels: Hinter großen Begriffen wie Smart City und digitaler Souveränität stehen am Ende Sitzungen, Anträge, Akten und Menschen, die eine verständliche Antwort brauchen.

Am 29.10.2026, dem heutigen Datum, reicht der Blick deshalb von Papenburg bis an die Uni Hamburg: Dort, wo Christopher Hofer mehr Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern schaffen will, entscheidet sich Digitalisierung nicht allein an Software und Leitungen. Entscheidend ist auch, ob jemand am Ende schneller durch einen Antrag kommt – oder wenigstens weiß, wer ihm weiterhilft.