An der Universität Hamburg ging es vom 7. bis 9. Oktober 2026 um eine Frage, die gerade ziemlich nah an den Alltag rückt: Wie können Menschen angesichts gesellschaftlicher Krisen gemeinsam Zukunft gestalten? Die internationale Tagung „Possible Futures. Futures of Possibilities“ brachte dafür wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven zusammen.

Verantwortlich beteiligt war die Projektgruppe „Zukünfte, Utopien und Dystopien“ der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. Im Zentrum der Tagung stand nicht bloß die Frage, was irgendwann passieren könnte. Es ging auch darum, welche Zukünfte überhaupt vorstellbar sind – und welche davon wünschenswert wären.

Vertrauen, Zweifel und offene Gesellschaften

Dr. Pierre Sfendules vom Institut für Neuere Kirchengeschichte verantwortete als Mitglied der Projektgruppe gemeinsam mit Dr. Alica Repenning aus Berlin und Dr. Alasdair Grant aus Mainz die Konzeption und Organisation des Panels „Trusting and Relating“. Dr. Saskia Eisenhardt und Prof. André Munzinger ergänzten den interdisziplinären Dialog mit theologischen Perspektiven.

Im Panel wurde das Zusammenspiel von Vertrauen, Misstrauen und Kritik thematisiert. Gerade für die Zukunft offener Gesellschaften ist das ein heikler Dreiklang: Vertrauen hält Beziehungen und demokratische Prozesse zusammen, Misstrauen kann vor Gefahren schützen, und Kritik verhindert, dass aus Einigkeit bloßes Wegschauen wird. Einfach ist das nicht – und vermutlich gerade deshalb landet die Frage auf einer wissenschaftlichen Tagung.

Warum Zukunft gerade jetzt so viel Raum bekommt

Zukunftsfragen prägen längst gesellschaftliche Debatten: in der globalen Klimabewegung, bei den Auswirkungen künstlicher Intelligenz und in der Auseinandersetzung mit der Zukunft der Demokratie. Die verstärkte Beschäftigung damit wird als Reaktion auf globale Herausforderungen beschrieben – auf die Klimakrise, disruptive technologische Entwicklungen, das Erstarken der neuen Rechten und geopolitische Verschiebungen.

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Im Übergang zum zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts sind Zukünfte, Utopien und Dystopien damit zu einem wichtigen Thema gesellschaftlicher Debatten geworden. Die Projektgruppe untersucht diese Entwicklungen und die daran beteiligten Akteure. Zugleich will sie den Dialog mit ihnen fördern, besonders an den Schnittstellen zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen.

Ihre Zielsetzungen reichen dabei weit: Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Zukünften, Utopien und Dystopien soll aufgegriffen und interdisziplinär reflektiert werden. Perspektiven von Fachleuten innerhalb und außerhalb der Wissenschaft sollen einfließen, damit ein ganzheitliches Verständnis der Thematik entsteht. Erkenntnisse über geeignete Formate sollen in akademische und öffentliche Diskurse gelangen. Neben der Diskussion bestehender Zukunftsvorstellungen geht es auch um die gemeinsame Entwicklung möglicher und wünschenswerter Zukünfte.

Vom Gedankenexperiment bis zur Stadtplanung

Temporalität und Imagination gelten in der Projektbeschreibung als grundlegende Konzepte menschlichen Denkens und Handelns. Sie ermöglichen, über die Gegenwart hinauszublicken und mögliche Zukünfte zu entwerfen. Multiple und sich überschneidende Krisen erhöhen die Bedeutung dieser wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Beschäftigung; in verschiedenen Forschungsfeldern und Disziplinen gewinnt das Thema an Gewicht.

In der Technikfolgenabschätzung, der Klimaforschung und der Demokratietheorie werden Zukunftsbilder ebenso untersucht wie in der Kollapsologie, die mögliche Zusammenbrüche industrieller Zivilisationen betrachtet. Geistes- und Sozialwissenschaften analysieren utopische und dystopische Konzepte mit Blick auf ihre gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Auswirkungen.

Naturwissenschaften nutzen Zukunftsszenarien für komplexe Modellierungen und Prognosen. Technische Disziplinen entwickeln Methoden, um bestimmte Szenarien umzusetzen oder zu verhindern. Stadtplanung beschäftigt sich mit der Gestaltung künftiger Lebensräume, während die Rechtswissenschaft rechtliche und normative Rahmenbedingungen für gesellschaftliche und technologische Entwicklungen untersucht. Ganz schön viel Zukunft auf einmal – und trotzdem bleibt die Gegenwart dabei ständig im Raum.

Die Tagung an der Uni Hamburg verband diese unterschiedlichen Zugänge mit der Frage nach dem menschlichen Miteinander. Zwischen Vertrauen, Misstrauen und Kritik, zwischen wissenschaftlichem Modell, künstlerischer Vorstellung und politischer Debatte wird Zukunft nicht nur beschrieben. Sie wird verhandelt – manchmal mühsam, manchmal mit einem überraschenden Gedanken, der noch nach dem Heimweg hängen bleibt.