Heute, am 28. Oktober 2026, tritt Donald Trump in Grand Island, Nebraska, vor Tausenden Anhängern auf. Kurz vor den US-Zwischenwahlen zum Kongress fordert er sein Publikum auf, so abzustimmen, als stünde er selbst auf dem Wahlzettel. Der republikanische Senator Pete Ricketts liegt in dem traditionell republikanischen Bundesstaat allerdings nur knapp vor dem unabhängigen Gewerkschaftsführer Dan Osborn.

Trump verspricht, der Krieg mit Iran werde bald enden. Danach, sagt er, würden die Ölpreise stark fallen. Für viele Menschen klingt das derzeit eher nach Hoffnung als nach Alltag. Das von Trump angekündigte „goldene Zeitalter“ ist an der Zapfsäule jedenfalls noch nicht angekommen: Eine Gallone Normalbenzin kostet im nationalen Durchschnitt mehr als 4,20 US-Dollar, Anfang Februar waren es 2,89 Dollar. Diesel liegt bei rund 6,30 Dollar pro Gallone – knapp 70 Prozent mehr als vor Beginn des Iran-Kriegs.

Teurer Alltag trotz robuster Zahlen

Die hohen Treibstoffpreise reißen Löcher in die Budgets vieler US-Haushalte. Wegen der großen Entfernungen und der starken Autoabhängigkeit in den USA lässt sich das Auto eben nicht einfach stehen lassen. Ein zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vereinbarter Diesel-Deal gilt laut Artikel kaum als wirksames Mittel gegen die hohen Preise.

Auch im Supermarkt wird der Einkauf schwerer. Energie- und Lebensmittelkosten treiben die Preise, während die Reallöhne langsamer wachsen. In mehreren Regionen sind zudem die Strompreise gestiegen. Als zusätzlicher Belastungsfaktor kommen neue Rechenzentren von KI-Unternehmen hinzu: Sie benötigen große Mengen Strom und sorgen vor Ort für Unruhe.

Wer eine Wohnung kaufen, ein Auto finanzieren oder eine andere größere Anschaffung planen will, schaut ebenfalls zweimal hin. Die Hypothekenzinsen für Darlehen mit 30-jähriger fester Laufzeit stiegen Mitte Oktober auf etwa 7,4 Prozent – den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Beeinflusst wurden die Bauzinsen von den Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, die den höchsten Stand seit 24 Jahren erreichten.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Inflationsrate lag im September im Jahresvergleich bei 3,7 Prozent. Der Verbrauchervertrauensindex der University of Michigan fiel im Mai auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1952. Experten zufolge nehmen viele US-Amerikaner den Iran-Krieg als unpopulär wahr; zugleich verstärkt er den Eindruck, dass die Inflation hoch bleibt.

Auf dem Papier sieht die Lage deutlich freundlicher aus. Die US-Wirtschaft wuchs in den ersten beiden Quartalen 2026 jeweils um mehr als zwei Prozent. Die Federal Reserve Bank of Atlanta prognostiziert für das dritte Quartal ein Wachstum von 3,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 4,2 Prozent, und der Aktienindex S&P 500 erreichte Anfang Oktober ein Allzeithoch – vor allem wegen hoher Gewinnerwartungen von KI-Unternehmen.

Zwischen solchen Makrodaten und dem Leben am Küchentisch klafft trotzdem ein Spalt. Die Kosten und Gewinne des Wirtschaftswachstums sind ungleich verteilt, viele Bürger haben das Gefühl, am Aufschwung nicht teilzuhaben. Genau dadurch verliert Trump den früher mit ihm verbundenen Ruf wirtschaftlicher Kompetenz. Seine Umfragewerte und die der Republikaner sinken.

Die Biden-Falle – diesmal mit anderem Absender

Schon im Präsidentschaftswahlkampf 2024 verwies der demokratische Präsident Joe Biden auf robuste Wachstumsraten von etwa drei Prozent und Millionen neu geschaffene Arbeitsplätze. Er stellte diese Wirtschaftspolitik unter dem Begriff „Bidenomics“ heraus. Die Inflationsrate, die im Juni 2022 infolge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs auf über neun Prozent gestiegen war, sank bis Juni 2024 auf drei Prozent.

Überzeugt hat diese Darstellung viele Bürger trotzdem nicht. Experten erklären das mit dem Einkaufszettel: Häufig gekaufte Waren wie Lebensmittel und Energie prägen die subjektive Wahrnehmung der Inflation stärker als langlebige Güter wie Autos oder Möbel. Trump nutzte die hohen Preise im Wahlkampf und sprach von der „Biden-Inflation“.

Bei den Zwischenwahlen 2026 steht Trump nun vor einem ähnlichen Problem der „Bezahlbarkeit“. Der Unterschied zu Biden: Die aktuelle Inflation wird wegen des Iran-Kriegs und seiner Folgen stärker mit Trumps eigener Politik verbunden. Karine Jean-Pierre, frühere Sprecherin des Weißen Hauses unter Biden, kritisiert rückblickend die Botschaften und Vermittlungsstrategien der Biden-Regierung. Trump begehe nun einen ähnlichen Fehler, schreibt sie – die Folgen könnten diesmal schwerwiegender sein.

Der Krieg kommt bei Foodtrucks und Familien an

Nach sechs Monaten Krieg mit Iran hält sich die US-Wirtschaft bislang stabil. Die meisten Ökonominnen und Ökonomen erwarten keine Rezession, die Arbeitslosigkeit bleibt niedrig. Kleine Unternehmen spüren den Druck allerdings unmittelbar.

In Sacramento benötigt der Betreiber zweier Foodtrucks Generatoren für die Kühlung. Wegen des hohen Verbrauchs gibt er einen Teil der zusätzlichen Energiekosten an die Kundschaft weiter. Der Generator brummt, die Kühlung muss laufen, und am Ende kostet das Essen ein wenig mehr – so unspektakulär und unerquicklich kann Geopolitik aussehen.

Die Energiepreise sind laut Energieberater Bob McNally wegen des Iran-Kriegs und der Störungen an der Straße von Hormus stark gestiegen. Kämpfe und eine Blockade beeinträchtigen den wichtigen Transportweg. Besonders hart trifft es den Dieselmarkt. Rohstoffstrategin Aleema Croft spricht von Rekordpreisen. Dadurch verteuern sich Güterverkehr, Transporte, Waren, Lebensmittel und Reisen.

Auch der Staat zahlt. Die direkten Kosten für US-Steuerzahler lagen laut Gabe Murphy bis Ende Juni bei mehr als 100 Milliarden Dollar, seitdem sind die Ausgaben weiter gestiegen. Zusätzlich tragen Verbraucher höhere Preise. Einer Analyse zufolge kostet der Krieg US-amerikanische Familien inzwischen durchschnittlich etwa 1.000 Dollar pro Haushalt – über höhere Lebenshaltungskosten und über den Staatshaushalt, also letztlich ebenfalls über Steuerzahler.

Ein großer Teil der Kriegsausgaben wird kreditfinanziert. Damit steigen die staatlichen Zinslasten in den kommenden Jahren. Rüstungsunternehmen und Teile der Energiebranche profitieren von der Entwicklung, während die zentrale wirtschaftliche Sorge eine länger anhaltende hohe Inflation bleibt. Die Federal Reserve könnte die Zinsen deshalb länger hoch halten.

Sean Bennett fährt weiterhin ein älteres, abbezahltes Auto. Ein neues Fahrzeug mit Raten, Versicherung und laufenden Kosten hält er derzeit für schwer finanzierbar. Ob er ein anderes Auto kauft, hängt auch davon ab, wie der Iran-Krieg weitergeht.

Ein globaler Preisauftrieb

Die geopolitischen Spannungen haben sich im Sommer verschärft und belasten die Weltwirtschaft mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, anhaltendem Inflationsdruck und strengeren Finanzierungsbedingungen. Coface erwartet, dass der Nahostkonflikt das globale Wachstum 2026 und 2027 insgesamt um 0,5 Prozentpunkte verringert.

Die Wiederaufnahme der Kämpfe zwischen Iran und den USA sowie die Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts belasten Lieferketten und treiben Rohstoffpreise. Trotz einer Erholung der Ölexporte durch die Straße von Hormus und der Umleitung von Handelsströmen liegen die Ölpreise mehr als 50 Prozent höher, die Erdgaspreise haben sich nahezu verdoppelt. Industriemetalle bleiben teuer.

Auch Agrarrohstoffe wurden teurer. Angriffe auf Häfen am Schwarzen Meer und Hitzewellen in Europa trieben den Weizenpreis zeitweise etwa 40 Prozent über das Vorjahresniveau. Die höheren Rohstoff- und Energiepreise nähren die Sorge vor einem erneuten Inflationsschub. Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank erhöhten ihre Leitzinsen zuletzt jeweils um 25 Basispunkte; dadurch stiegen die Finanzierungskosten für Unternehmen und Staaten weltweit weiter.

Die Weltwirtschaft bleibt laut Coface bislang widerstandsfähig, vor allem dank Investitionen in Künstliche Intelligenz und der positiven Entwicklung an den Finanzmärkten. Coface erwartet ein globales Wachstum von 2,8 Prozent für 2025, 2,5 Prozent für 2026 und 2,6 Prozent für 2027.

Regional fällt das Bild unterschiedlich aus. In den USA stützt sich das robuste Wachstum auf privaten Konsum, KI-Investitionen und einen Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung. Europa entwickelt sich etwas besser als erwartet: Deutschland und Spanien sind stabil, Frankreich wird durch seine angespannte Haushaltslage belastet.

Asien zeigt sich gemischt. Vietnam und Indien profitieren von Infrastrukturinvestitionen und der Nachfrage nach KI-Technologien, während Chinas Binn