Heidelberg: Warum eine Reisebloggerin die Stadt zwischen Schloss, Neckar und Universität liebt
Von der Uni Heidelberg sind es nur ein paar Schritte bis zur Altstadt – und plötzlich wird aus dem Campus eine Stadt aus rotem Sandstein, Kopfsteinpflaster und Neckarblick. Genau hier, in Heidelberg, liegt der Ort, den die Reisebloggerin Helene Sulaa unter allen Städten, die sie besucht hat, am liebsten mag. Heute, am 26.10.2026, ist Heidelberg für viele Studierende Alltag. Für Sulaa war es Liebe auf den ersten Spaziergang.
Sulaa ist 38, betreibt den Reiseblog „Helene in Between“ und lebt derzeit mit ihrem Mann in Montenegro. Seit zehn Jahren führen die beiden einen nahezu nomadischen Lebensstil: Rund 80 Prozent ihrer Zeit verbringen sie auf Reisen. Dutzende Länder in Europa, Asien, dem Nahen Osten und Afrika haben sie besucht, dazu Hunderte Städte – Bangkok, London, New York, Aix-en-Provence, München, Marrakesch und Riad etwa. Trotzdem blieb Heidelberg hängen.
Eine mittelgroße Stadt mit Märchenkulisse
Mit 25 beschlossen Sulaa und ihr Mann, ins Ausland zu ziehen. Drei Jahre lang sparten und planten sie. 2016 ging es nach Deutschland, obwohl sie zuvor noch nie dort gewesen waren. Heidelberg hatten sie nach einjähriger Recherche ausgewählt; drei Jahre lebten sie schließlich dort.
Beim ersten Spaziergang verliebten sie sich in die kopfsteingepflasterten Straßen, den Fluss und das Schloss über der Stadt. Sulaa nennt Heidelberg besonders schön, klassisch und märchenhaft. Rund 180.000 Einwohner hat die Stadt nach ihrer Einschätzung, wobei andere Darstellungen von rund 160.000 Einwohnern ausgehen. Etwa jeder fünfte Einwohner ist Student. Für Sulaa bleibt Heidelberg eher mittelgroß: überschaubar genug, damit man bald das Gefühl bekommt, die Stadt zu kennen, ohne dass sie langweilig wird.
US-amerikanische Reisende unterschätzten Heidelberg ihrer Erfahrung nach häufig. Größere deutsche Städte seien wegen ihrer Sehenswürdigkeiten und der guten Erreichbarkeit beliebter. München liegt nahe an den Alpen, hat das Oktoberfest und beeindruckende Architektur und Kirchen. Heidelberg dagegen vermittle stärker dieses klassische deutsche Lebensgefühl – kulturell vielfältig, in wenigen Tagen erkundbar und trotzdem nicht überfordernd.
Geografisch liegt Heidelberg im Südwesten Deutschlands in Baden-Württemberg, zwischen Stuttgart und Frankfurt; beide Städte sind rund 80 Kilometer Luftlinie entfernt. Mannheim erreicht man mit dem Auto in weniger als 30 Minuten, Heilbronn in etwa 50 Minuten. Die Hauptstraße zieht sich 1,6 bis 1,8 Kilometer durch die Altstadt und zählt damit zu den längsten Fußgänger- und Einkaufszonen Europas. Dort liegen Cafés, Bars, Restaurants, Ketten und kleine Boutiquen; in den Seitengassen geht es ruhiger zu. Als Souvenir passt der „Studentenkuss“, eine Heidelberger Mozartkugel, in jede Tasche.
Die Universität Heidelberg wurde 1386 von Kurfürst Ruprecht I. gegründet und ist die älteste Universität Deutschlands. Rund 30.000 Studierende prägen die Stadt, dazu kommen Künstler sowie Musik- und Kulturinteressierte. Die Alte Universität, die Universitätsbibliothek und der Studentenkarzer gehören zu den sehenswerten Universitätsorten. Der Eintritt zur Universität ist frei.
Schloss, Brücke und Wege mit Aussicht
Sulaas Lieblingsroute führt zum Philosophenweg im Stadtteil Neuenheim, den sie als ältesten Teil der Stadt bezeichnet. Der Weg steigt steil an, vorbei an schönen Häusern, mit Blick auf Neckar und Heidelberger Schloss. Zum Philosophengärtchen gelangt man über den etwa zwei Kilometer langen, teilweise steilen Philosophenweg oder über den gewundenen Schlangenweg. Der Name des Philosophenwegs geht auf Studenten zurück, die dort früher ungestörte Plätze suchten. Vom Garten öffnen sich Ausblicke auf Altstadt, Neckar, Königstuhl und Schloss.
Das Heidelberger Schloss ist eine Ruine aus rotem Sandstein und das Wahrzeichen der Stadt. Kriege, Sprengungen und ein Blitzeinschlag beschädigten die Anlage mehrfach; in der Romantik wurde sie zum Symbol für Sehnsucht und Hoffnung. Heute zählt das Schloss zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Europas. Der Eintritt kostet 9 Euro. Um das Bauwerk ranken sich zahlreiche Mythen, darunter die Geschichte des Hofnarren Perkeo aus dem 19. Jahrhundert: Er soll angeblich ausschließlich Wein getrunken haben und nach einem Schluck Wasser gestorben sein. In Heidelberg taucht Perkeo auf Dekorationen, am Weihnachtsmarkt, am Schloss und in Restaurants auf.
Mehrere Schlösser gehören zum Umfeld der Stadt. Schloss Schwetzingen liegt wenige Kilometer westlich von Heidelberg. Die Anlage wurde im 14. Jahrhundert erbaut und später mehrfach umgebaut; zu ihr gehören Theater, Tempel, Themengärten, Orangerie, Moschee und See. Innen kann man das Schloss nur mit Führung besichtigen, der Garten ist eigenständig zugänglich. Der Eintritt beginnt bei 7 Euro.
Über den Neckar führt die offiziell Karl-Theodor-Brücke genannte Alte Brücke. Sie ist ein beliebtes Fotomotiv – der berühmte Brückenaffe wartet schon – und führt zur Neckarwiese. In der Nähe liegt ein roter Sandstein mit Liebesschlössern. Der Eintritt ist frei. Am Fluss entlang reicht das Neckartal: Der 362 Kilometer lange Neckar fließt durch Heidelberg und mündet in den Rhein. Felswände, Burgen und Schlösser begleiten das Tal; möglich sind die zwölf Kilometer lange 4-Burgen-Tour, Radtouren, Bootsfahrten und Kajaktouren.
Südlich des Schlosses erhebt sich der 567 Meter hohe Königstuhl. Bergbahn, Straße oder Wanderweg führen hinauf. Dort liegen ein Walderlebnispfad, der Freizeitpark Märchenparadies, die Falknerei Tinnunculus und die Landessternwarte. Auf dem Heiligenberg stehen die Ruinen des 1090 errichteten Benediktinerklosters Stephanskloster. Seine Steine wurden 1885 für den Bau des Heiligenbergturms verwendet; vom Turm reicht der Blick über das Neckartal. In der Nähe befindet sich die Thingstätte, eine in den 1930er-Jahren von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken errichtete Freilichtbühne mit Platz für bis zu 20.000 Menschen. Heute wird sie besichtigt und gelegentlich für Veranstaltungen genutzt. Der Eintritt ist frei.
Auch in der Stadt selbst gibt es viel zu stolpern – im guten Sinn. Die Heiliggeistkirche ist Heidelbergs älteste und größte Kirche, mit Ursprüngen im 13. Jahrhundert, gebaut aus regionalem Neckarsandstein. Bis 1936 teilte eine Mauer das Gotteshaus in einen katholischen und einen evangelischen Teil. Der Kirchturm ist über 208 Stufen erreichbar, der Turmeintritt erfolgt auf Spendenbasis.
Das Karlstor markiert das östliche Ende der Altstadt und wurde als Geschenk der Bürger an Kurfürst Karl Theodor errichtet. Das Kongresshaus dient als Ort für Feste, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen; an seiner Fassade sind Porträts bekannter Künstler zu sehen, unter anderem von Johann Sebastian Bach. Der Eintritt ist frei.
Altstadt, Märkte und ein bisschen Perkeo
Der Marktplatz ist der älteste der drei zentralen Stadtplätze. Früher fand hier der Wochenmarkt statt, heute sitzen Menschen in Cafés und Lokalen mit Blick auf Heiliggeistkirche und Rathaus. Zur Weihnachtszeit steht dort ein Weihnachtsmarkt; ab „Pink Monday“ wird der Platz rosa beleuchtet. Der Kornmarkt nahebei ist kleiner und meist weniger frequentiert. Von dort sieht man das Heidelberger Schloss gut, außerdem beginnt hier der Burgweg zum Schloss und zur Bergbahn. In der Mitte stehen die Kornmarktmadonna und ein Brunnen. Die Madonna wurde 1718 als katholisches Zeichen gegenüber der protestantischen Reformbewegung aufgestellt.
Der Universitätsplatz liegt zwischen den Universitätsgebäuden und ist ein zentraler Treffpunkt. Im Sommer steht dort ein Straßencafé. Früher befand sich an dieser Stelle ein Augustinerkloster, in dem Martin Luther im 16. Jahrhundert seine Thesen diskutierte. Der Eintritt ist frei.
Zu den regionalen Speisen zählen Sauerkraut, Würstchen, Käsespätzle und Flammkuchen. Gerade der Flammkuchen gehört wegen der Nähe zur französischen Grenze zu Sulaas Lieblingsgerichten. Deutschland zählt sie zu den vergleichsweise günstigen europäischen Ländern; Unterkunft und Essen in Heidelberg empfand sie als relativ erschwinglich. Ein komplettes Essen inklusive eines Glases Wein sei für weniger als 20 Euro zu bekommen und damit günstiger als in den USA.
Von 2016 an mieteten Sulaa und ihr Mann drei Jahre lang eine Einzimmerwohnung mit großem Wohnbereich im Erdgeschoss und möblierter Küche für 1.100 Euro im Monat. Der Mietpreis
