Die Universität Kassel hat ein starkes Signal gegen Gewalt im Sport gesetzt. Das Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) sowie der UNISport haben ein umfangreiches Positionspapier verabschiedet, das interpersonale und sexualisierte Gewalt, Diskriminierung und Machtmissbrauch thematisiert. Laut uni-kassel.de bekräftigt die Präambel des Papiers die klare Haltung der Kooperationspartner gegen diese Bedrohungen.
Im Fokus der neuen Maßnahmen stehen spezifische Risikobereiche im universitären Sport- und Wissenschaftsbetrieb. Themen wie enge Betreuungsverhältnisse, körpernahe Lehrformate und Hierarchien im Trainingsbetrieb werden eingehend behandelt. Diese Herangehensweise basiert auf aktuellen Erkenntnissen der Gewaltprävention und internen Richtlinien der Universität. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Sensibilisierung angehender Sportlehrkräfte in der Lehramtsausbildung.
Ein Ehrenkodex für alle Kursangebote
Seit 2022 integriert der UNISport einen verbindlichen Ehrenkodex in alle Kursangebote, Übungsleitendeverträge und Informationsmaterialien. Regelmäßige Schulungen und klare Meldewege stellen sicher, dass die festgelegten Grundsätze umgesetzt werden. Zum weiteren Vorgehen gehört die Veröffentlichung des Positionspapiers auf der Institutswebsite sowie eine Unterschriftenaktion zur Unterstützung. Geplant ist auch die Benennung geschulter Ansprechpersonen, um Betroffenen und Ratsuchenden gezielt zu helfen.
Eine umfassende Risikoanalyse wird als Grundlage für ein detailliertes Schutzkonzept dienen. Betroffene können sich jederzeit an die universitären Beratungs- und Beschwerdestellen wenden, darunter die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte sowie die AGG-Beschwerdestelle. Darüber hinaus stehen externe Anlaufstellen, wie der Verein Safe Sport e.V. und die Fachberatungsstelle faX in Kassel, zur Verfügung.
Der Kontext der Gewaltprävention im Sport
Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen wird auch von einer Studie hervorgehoben, die im September 2022 veröffentlicht wurde. Die „SicherImSport-Studie“ thematisiert die weit verbreitete Problematik der sexualisierten Gewalt im deutschen Breitensport. adh.de stellt fest, dass sexualisierte Gewalt ein systemisches Problem darstellt und kein Verein sich auf Einzelfälle berufen kann. Hier werden Bewusstsein, Aufklärung und die Bereitstellung von Ressourcen zur Prävention als unerlässlich erachtet. Hochschulsporteinrichtungen, wie die Universität Kassel, haben bereits begonnen, sich intensiv mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.
Zusätzlich gibt es geplante kollegiale Austauschformate für Personen in Hochschulsporteinrichtungen. Der Austausch über Präventions- und Interventionsstrukturen soll durch regelmäßige Online-Termine unterstützt werden.
Rechtliche Begleitung und Lizenzsystem
Die Thematik rund um interpersonale und sexualisierte Gewalt wird auch rechtlich behandelt. Ein Rechtsgutachten von Dr. Thomas Summerer befasst sich mit den Möglichkeiten des Lizenzentzugs gemäß den DOSB-Rahmenrichtlinien. Hierbei wird eine Checkliste zur praktischen Umsetzung bereitgestellt. Prof. Dr. Cherkeh weist zudem auf die Notwendigkeit eines lizenzbezogenen Strafenkatalogs für Fehlverhalten hin. Diese Ideen könnten das bestehende Lizenzsystem im DOSB maßgeblich weiterentwickeln, wie dsj.de beschreibt.
Insgesamt zeigt die Universität Kassel durch diese Maßnahmen ein starkes Engagement im Kampf gegen Gewalt im Sport, was nicht nur die Studierenden, sondern auch die gesamte Sportgemeinschaft nachhaltig schützen könnte.