Darwins Evolutionstheorie trifft auf die Antibiotikakrise: Wie lässt sich Resistenz verhindern?
Am 10. Dezember 2026 wird im Institutskolloquium des Wintersemesters 2026/2027 über eine Frage gesprochen, die in Kliniken, Laboren und irgendwann auch im ganz normalen Alltag ankommt: „Charles Darwin meets the antibiotic crisis: Can we prevent antibiotic resistance evolution?“ Der Gastvortrag beginnt um 16:15 Uhr.
Referent ist Professor Dr. Hinrich Schulenburg aus dem Bereich Evolutionary Ecology and Genetics der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Die Präsenzveranstaltung findet im Konferenzsaal des MedForCe, Domagkstraße 40, statt. Als alternativer Veranstaltungsort ist der Hörsaal Domagkstraße 10 angegeben; tagesaktuelle Ankündigungen sollten deshalb beachtet werden.
Vortrag im Institutskolloquium
Moderiert wird der Termin von Professor Frieder Schaumburg und Professorin Barbara Kahl. Eingeladen sind Mitarbeitende der beteiligten Institute ebenso wie interessierte Gäste. Die Teilnahme ist kostenfrei. Für Ärztinnen und Ärzte werden von der Ärztekammer Westfalen-Lippe zwei Fortbildungspunkte vergeben.
Organisiert wird der Gastvortrag gemeinsam vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, dem Institut für Hygiene, dem Institut für Infektiologie, dem Institut für Virologie sowie der Medizinischen Klinik B – Klinische Infektiologie/Klinische Immunologie. Fünf Einrichtungen, ein Thema, das selten lange theoretisch bleibt.
Warum Resistenzentwicklung nicht im Labor endet
Wie weit die Fragestellung reicht, zeigt ein Blick auf den Forschungsverbund RESET. Er wurde von November 2010 bis 2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, Förderkennzeichen 01KI1013. Beteiligt waren Institutionen aus Human- und Tiermedizin, aus Grundlagen- und angewandter Forschung sowie aus der Epidemiologie.
Untersucht wurde die Verbreitung antibiotikaresistenter Enterobakterien bei Menschen, Tieren und in der Umwelt. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Escherichia coli und Salmonella enterica. Resistente Enterobakterien wurden in verschiedenen Tierarten, in der Umwelt, im Futter, in Lebensmitteln und beim Menschen nachgewiesen. Eine Übertragung vom Tier auf den Menschen kann etwa über tierische Lebensmittel wie Fleisch oder Eier erfolgen.
Im Mittelpunkt standen Bakterien, die durch Extended-Spectrum-Beta-Laktamasen, kurz ESBL, gegen wichtige β-Laktam-Antibiotika resistent sind. Kommt zusätzlich eine Resistenz gegen Fluorchinolone hinzu, die teilweise noch als Reservemedikamente eingesetzt werden, schrumpfen die Behandlungsmöglichkeiten deutlich. Resistenzen dieser Art wurden bereits bei E. coli und S. enterica festgestellt.
Gene, Wege und mögliche Schutzmaßnahmen
RESET sammelte Daten zur Verbreitung resistenter Bakterien. Damit sollten Übertragungswege resistenter Bakterien oder Resistenzgene sowie Faktoren untersucht werden, die das Risiko beeinflussen. Auf dieser Grundlage sollten Risiken abgeschätzt und Schutzmaßnahmen für Menschen und Tiere abgeleitet werden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR, beteiligte sich mit zwei Projekten am Forschungsverbund. Sie waren im Bereich Biologische Sicherheit, im Nationalen Referenzlabor für Antibiotikaresistenz sowie in der Fachgruppe „Antibiotikaresistenz und Resistenzdeterminanten“ angesiedelt.
Das BfR erarbeitete außerdem eine Risikobewertung für Deutschland. Darin ging es um die Auswirkungen des Einsatzes von Cephalosporinen der dritten und vierten Generation sowie von Fluorchinolonen in der Tierproduktion auf die menschliche Gesundheit. Abgeschätzt werden sollten die Risiken für Verbraucher und die Beiträge verschiedener Quellen und Übertragungswege. Vorhandenes Wissen sollte durch neue Forschungsergebnisse ergänzt und übergreifend bewertet werden.
Zur Gefahrenidentifikation charakterisierte das BfR resistente Erreger und ihre Resistenzmechanismen. Mit harmonisierten molekularbiologischen Methoden wurden auffällige E. coli– und S. enterica-Isolate identifiziert und untersucht. Im Fokus standen die genetischen Grundlagen der Resistenzen, aber auch genetische Elemente, die Resistenzinformationen auf andere Bakterien übertragen können. Zusätzlich analysierten die Forschenden die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Erregern.
Die Ergebnisse sollten helfen, die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen besser zu verstehen. Wer vor dem Vortrag weiterlesen möchte, findet Informationen zum Verbund auf www.reset-verbund.de.
