BEPPO-Studie prüft Bewegungstherapie im Alltag der Kinderonkologie
An der Uni Köln startet gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Essen die bundesweite Studie BEPPO. Sie soll klären, wie sich Sport- und Bewegungstherapie in den klinischen Alltag der Kinderonkologie einbauen lässt – nicht irgendwann, sondern unter echten Versorgungsbedingungen.
Das sechsmonatige Programm richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren. Vorgesehen sind Training im Krankenhaus, ambulante Bewegungsangebote und digital begleitetes Training zu Hause. Auch die Familien werden einbezogen und erhalten Bewegungsberatungen.
Bewegung zwischen Behandlung und Alltag
Eine Krebstherapie ist für junge Menschen körperlich und seelisch belastend. Erkrankung und Behandlung können Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer beeinträchtigen – Dinge, die im Alltag schnell fehlen: beim Aufstehen, Treppensteigen, Spielen oder einfach beim Durchhalten eines langen Tages. Medizinische Forschungen untersuchen deshalb zunehmend, ob Bewegung diese Belastungen abfedern kann.
In der Kinderonkologie lässt sich Sport allerdings nicht nach dem Motto „einfach loslegen“ planen. Körperliche Aktivität muss sorgfältig vorbereitet, individuell angepasst und fachlich begleitet werden. Genau hier setzt BEPPO an: Die Studie untersucht, welche Rolle Bewegung während einer Krebstherapie spielt, wie sie sicher umgesetzt werden kann und welchen Beitrag sie zur Unterstützung der Kinder und Jugendlichen leistet.
Teil nehmen 346 junge Patientinnen und Patienten aus 13 kinderonkologischen Zentren. Geprüft werden soll, ob eine strukturierte Bewegungstherapie im normalen Klinik- und Versorgungsalltag machbar ist und welchen Nutzen sie bringt. Bewegung kann unter anderem Muskelkraft, Ausdauer und Mobilität verbessern sowie Fatigue lindern – jene lähmende Erschöpfung, die viele Betroffene kennen.
Bislang gehört Bewegungstherapie noch nicht fest zur kinderonkologischen Regelversorgung. Gefördert wird das Projekt mit rund 7,3 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses. Die Studie läuft dreieinhalb Jahre. Sollte sich ein Nutzen bestätigen, könnte die Bewegungstherapie bundesweit als Ergänzung zur medizinischen Behandlung etabliert werden.
Ein Netzwerk für Sport in der Kinderonkologie
Begleitend zu solchen Forschungsvorhaben arbeitet das Netzwerk ActiveOncoKids, kurz NAOK, daran, Sport- und Bewegungstherapie für Kinder und Jugendliche während und nach einer Krebsbehandlung zu stärken. Das bundesweite Projekt wird vom Universitätsklinikum Essen koordiniert. Seit November 2019 ist das NAOK eine Arbeitsgemeinschaft der Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, GPOH.
Das Netzwerk richtet sich dabei nicht nur an einzelne Familien. Kliniken können Unterstützung beim Aufbau oder Ausbau eigener Angebote erhalten, Betroffene bekommen individuelle Sportberatung. Angestrebt wird eine wissenschaftlich begleitete Sport- und Bewegungsförderung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in allen Behandlungsphasen: Akuttherapie, Erhaltungstherapie und Nachsorge.
Im Netzwerk arbeiten Fachleute aus Sportwissenschaft, Medizin, Psychologie, Pädagogik und Physiotherapie zusammen. Das Leitungsteam kooperiert mit Netzwerkpartnern und -mitgliedern interdisziplinär, transparent und konsensorientiert. Klingt trocken, ist für die Praxis aber entscheidend: Zwischen Klinikflur, Trainingsraum und dem Alltag zu Hause müssen viele Perspektiven zusammenpassen.
Was Bewegung leisten kann – und wo Vorsicht nötig ist
Studien zeigen, dass die körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen während und nach einer Krebstherapie deutlich reduziert ist. In der pädiatrischen Onkologie ist Bewegungstherapie in Deutschland als Ergänzung zur Physiotherapie bislang noch nicht weit verbreitet.
Eine individualisierte, behandlungsbegleitende Sport- und Bewegungstherapie kann Freude an Bewegung fördern, motorische Fähigkeiten verbessern sowie Kraft und Ausdauer steigern. Möglicherweise hilft sie auch, therapie- und inaktivitätsbedingten Spätfolgen entgegenzuwirken. Was dabei sicher ist und wo Risiken liegen, wird ebenfalls untersucht: Das NAOK erstellt im Rahmen einer multizentrischen Studie ein „Adverse Events Register“. Darin werden unerwünschte Ereignisse erfasst, die in der Kinderonkologie im Zusammenhang mit sporttherapeutischen Interventionen auftreten.
Das Netzwerk unterstützt Kliniken bei der Einrichtung bewegungsfördernder und sporttherapeutischer Angebote vor Ort. Betroffene können sich zu Fragen rund um Sport und Bewegung beraten lassen. Weitere Informationen gibt es unter www.activeoncokids.de.
