Heute, am 28. Oktober 2026, ist Herbert Grönemeyer 70 Jahre alt. Der Sänger und Schauspieler erhält den Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen 2026 – eine mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung, die neben seinem künstlerischen Werk auch sein gesellschaftspolitisches Engagement würdigt.

An der Uni Köln liegt der Blick dabei fast automatisch auf dem Ruhrgebiet. Grönemeyer wurde in Göttingen geboren, wuchs aber in Bochum auf. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) würdigte ihn als Stimme des Ruhrgebiets und betonte seine Verbundenheit mit der Region. Kulturministerin Ina Brandes (CDU) erklärte, Grönemeyer habe die kulturelle Besonderheit und Stärke des Ruhrgebiets international bekannt gemacht. Seine Hymne „Bochum“ stehe für den Charakter und den Stolz der gesamten Region.

Eine Auszeichnung für Musik und Haltung

Wüst und Brandes verleihen den Preis am 17. November in Düsseldorf. 2026 wird er zum sechsten Mal vergeben. Frühere Preisträger waren 2025 der Autor Ralf Rothmann und 2023 der Künstler Helge Schneider.

Brandes hob Grönemeyers Einsatz für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Gerechtigkeit hervor. Er engagiert sich gegen gesellschaftliche Spaltung, für Armutsbekämpfung und Demokratie. Das gehört bei ihm seit Beginn seiner Karriere zur öffentlichen Rolle dazu: Grönemeyer äußert sich regelmäßig zu politischen und sozialen Fragen, auch wenn das nicht immer bequem ist.

Im Zentrum der Ehrung steht trotzdem die Musik. Das Album „4630 Bochum“ gilt als Klassiker der deutschen Musikgeschichte. Es war Grönemeyers fünftes Studioalbum und erschien am 11. Mai 1984 bei EMI Music; die CD folgte am 14. August 1984. Aufgenommen wurde von Januar bis März 1984 im EMI-Tonstudio II am Maarweg in Köln. Für Grönemeyer war es das erste Album bei EMI, nachdem Intercord seinen Plattenvertrag beendet hatte.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Postleitzahl als Plattentitel

„4630“ war die damalige Postleitzahl von Bochum – jener Stadt, in der Grönemeyer aufwuchs und am Schauspielhaus als Musiker gearbeitet hatte. Die Originalausgabe erschien als LP und CD mit zehn Titeln: „Bochum“ (3:50), „Männer“ (4:00), „Flugzeuge im Bauch“ (3:54), „Alkohol“ (4:29), „Amerika“ (3:26), „Für Dich da“ (3:23), „Jetzt oder nie“ (4:57), „Fangfragen“ (4:17), „Erwischt“ (4:01) und „Mambo“ (2:45).

Grönemeyer schrieb und produzierte alle Lieder selbst. An Text und Komposition von „Alkohol“ waren Norbert Hamm und Gagey Mrozeck beteiligt. Das Frontcover setzte auf klare Kontraste: Der Schriftzug „Herbert Grönemeyer 4630 Bochum“ steht in weißer Blockschrift auf schwarzem Grund, gestaltet wie eine Briefadresse.

Die Zahlen auf dem Umschlag wurden schnell zu einer Erfolgsgeschichte. Das Album stieg am 28. Mai 1984 auf Platz 30 der deutschen Albumcharts ein und erreichte am 17. September 1984 Platz 1. Fünf Wochen blieb es dort, 53 Wochen in den Top 10 und 147 Wochen in den Top 100. 1984 war „4630 Bochum“ das erfolgreichste Album der deutschen Jahrescharts. 1985 erreichte es erneut Platz 3 der Jahrescharts und war damit das fünfte Album, das sich wiederholt in den Top 3 der Jahrescharts platzierte.

Auch in der Schweiz und Österreich blieb die Platte präsent: 13 beziehungsweise 24 Wochen war sie dort in den Charts vertreten. Mehr als 2,75 Millionen verkaufte Exemplare machen sie zu einem der meistverkauften Alben Deutschlands; hinzu kommen 11 Goldauszeichnungen.

Einzelne Lieder entwickelten ihr eigenes Leben. „Männer“ kam in Deutschland auf Platz 7 und blieb 26 Wochen in den Charts, in der Schweiz erreichte der Titel Platz 27 bei fünf Wochen. „Alkohol“ stand in Deutschland auf Platz 33 und war zehn Wochen gelistet, „Flugzeuge im Bauch“ auf Platz 44, ebenfalls zehn Wochen.

Vom Parkplatzsucher zum Partyflirt

Der Titelsong „Bochum“ gilt vielen Einwohnern als inoffizielle Hymne der Stadt und wird seit dem 20. März 1992 unter anderem vor Heimspielen des VfL Bochum gesungen. Im DFB-Pokal 2024/25 war Grönemeyer Ärmelsponsor des Vereins. Im einzigen Turnierspiel gegen den SSV Jahn Regensburg trug der VfL auf den Trikotärmeln den Schriftzug „HG 4630 Bochum“.

Auch „Männer“ wurde mehrfach gecovert oder als Vorlage genutzt. Das niederländische Musikprojekt Loona veröffentlichte 1999 mit „Mamboleo“ eine spanischsprachige Neuinterpretation von „Mambo“. Während das Original von einem Autofahrer auf Parkplatzsuche handelt, geht es in „Mamboleo“ um einen Flirt auf einer Party. Grönemeyer kritisierte das ursprüngliche farbige Strandparty-Video und drohte, die Nutzung der Melodie zu untersagen. Danach entstand ein neues Schwarz-Weiß-Video mit einer Tanzszene in einem Verkehrsstau.

Anfang 1989 hatte das DDR-Plattenlabel Amiga das Album als Lizenzproduktion veröffentlicht. Grönemeyer hatte nur einer originalgetreuen Reproduktion zugestimmt. Amiga retuschierte lediglich ein Foto des Schlagzeugers Detlef Kessler vom Innencover. Kessler war 1978 aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt und hatte bereits auf Grönemeyers Vorgängeralbum „Gemischte Gefühle“ mitgewirkt.

Zum 40. Jubiläum kam am 7. Juni 2024 bei Vertigo Records eine Sonderausgabe heraus. Sie enthielt die Duett-EP „#40 Bochum“ und das Remixalbum „Bochum (2024 Mix)“. Für die fünf Titel der EP nahm Grönemeyer neue Versionen auf: „Flugzeuge im Bauch“ mit Céline, „Männer“ mit Dilla, „Alkohol“ mit Bausa und Chapo102, „Mambo“ mit Jeremias sowie „Für Dich da“ mit Lea.

Neugier gegen die Angst vor dem Verstummen

Wie jemand über Jahrzehnte neugierig, relevant und erfolgreich bleibt, untersucht die 90-minütige Dokumentation „Grönemeyer – Alles bleibt anders“. Sie zeichnet seinen Weg von der Kindheit im Ruhrgebiet bis in die Gegenwart nach. Grönemeyer gilt als Deutschlands erfolgreichster Popstar und füllt auch kurz vor seinem 70. Geburtstag Stadien. Seine ausverkaufte Tournee „Mittendrin“ 2025 wird als aktueller Beleg dafür genannt.

„Bochum“, „Flugzeuge im Bauch“ und die WM-Hymne „Zeit, dass sich was dreht“ gehören zu seinen bekannten Liedern. Mehrere Generationen habe Grönemeyer mit seiner Musik geprägt. Der Film bleibt aber nicht bei den großen Bühnen stehen: Er behandelt auch Misserfolge, die Schattenseiten des Ruhms und die wiederkehrende Angst, die eigene Kreativität könne versiegen.

Grönemeyer spricht darüber, wie er mit dieser Angst umgeht und warum Neugier für ihn überlebenswichtig sei. Dazu kommen seine Leidenschaft für Fußball sowie seine gesellschaftliche und politische Haltung. Seltene Archivaufnahmen und Gespräche mit Weggefährten und Kollegen – darunter Toni Kroos, Anke Engelke, Nina Hoss und Paula Hartmann – öffnen weitere Türen. Seine langjährige Managerin Claudia Kaloff und sein Bodyguard Ingo Mertens geben erstmals Einblicke in sein Leben und Schaffen.

Produziert wurde der Film von der Kobalt Documentary GmbH im Auftrag von WDR und NDR für die ARD. Regie führten Robert Bohrer und Robert Kummer. Jahr und Länge: 2026, 90 Minuten. Und irgendwo läuft vermutlich gerade wieder „Bochum“ – vielleicht aus einem Autoradio, vielleicht aus einem Stadion, vielleicht einfach aus einem offenen Fenster in Köln.