Der Drang nach Wissen ist tief in der menschlichen Natur verwurzelt, doch viele Menschen zögern, andere um Rat zu bitten. Oftmals resultiert dies aus der Angst, eine Belastung zu sein oder zu viel Zeit in Anspruch zu nehmen. Eine aktuelle Studie des Exzellenzclusters ECONtribute, geleitet von Professorin Dr. Anne Burmeister, zeigt, wie solch eine Hemmschwelle überwunden werden kann. Die Erkenntnisse der Forschung, veröffentlicht im Academy of Management Journal, sind vielversprechend und bieten sowohl privat als auch im beruflichen Kontext hilfreiche Ansätze.
Die Studie mit dem Titel „A Prosocial Perspective on Advice Seeking and Networking: How Focusing on What Advice Givers Can Gain Motivates Advice Seekers to Reach Out More“ unterstreicht, dass Ratsuchende häufiger Unterstützung annehmen, wenn sie sich der Vorteile für die beratende Person bewusst sind. Tatsächlich steigt die Wahrscheinlichkeit, Rat zu suchen, um fast 40%, wenn diese psychologischen Aspekte berücksichtigt werden. Dies geschieht unabhängig davon, ob man sich an Bekannte, Unbekannte oder Personen eines höheren Status wendet.
Soziale Unterstützung: Ein Schlüssel zu besserem Wohlbefinden
Zusätzlich wird das Thema der sozialen Unterstützung in einem Bericht des Robert Koch-Instituts aufgegriffen. Wissenschaftler analysieren, wie gut sich Teilnehmer in ihrem Leben unterstützt fühlen. Dabei spielen Fragen zur Erreichbarkeit von Hilfe und Anteilnahme durch andere eine zentrale Rolle. Studien zeigen, dass soziale Unterstützung nicht nur das psychische Wohlbefinden verbessert, sondern auch Stress lindert und die Auswirkungen ungünstiger Lebensbedingungen abmildert. Besonders im höheren Alter, wo der demografische Wandel spürbare Auswirkungen hat, bleibt die Qualität sozialer Unterstützung entscheidend für ein selbstbestimmtes Leben.
Interessanterweise zeigt die Untersuchung des ECONtribute-Teams, dass der Effekt der Intervention zur Senkung der Hemmschwelle weniger als eine Stunde in Anspruch nimmt. Professorin Burmeister empfiehlt, diese Erkenntnisse aktiv in Schulungen und Karriereberatungen einzubringen. Unternehmen können zudem von diesen Einsichten profitieren, sei es zur Förderung des Wissensaustauschs oder zur Einarbeitung neuer Mitarbeitender. In Zeiten, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Unterstützung von Individuen mehr denn je in den Fokus rücken, sind solche Ansätze von hoher Relevanz.
Insgesamt verdeutlicht die Arbeit von Burmeister und ihren Kollegen nochmals, wie wichtig es ist, soziale Netzwerke aktiv zu unterstützen und das Bewusstsein für die gegenseitigen Vorteile im Austausch zu schärfen. Nur so können wir Barrieren abbauen und die positive Wirkung von sozialer Unterstützung für die psychische Gesundheit nachhaltig fördern. Der Weg zum besseren Miteinander ist oft so einfach – wir müssen nur den ersten Schritt wagen, um Rat zu suchen und Hilfe anzubieten.