Jürgen Greis ist in Konstanz seit Jahrzehnten ein vertrautes Gesicht auf den Narrenbühnen. Geboren am 18. März 1950, wuchs er als Sohn des späteren Fürstenbergler-Präsidenten mitten in der Fasnacht auf. 1959 stand er erstmals bei der Kinderfasnacht auf der Bühne. Der Anfang einer ungewöhnlich langen Laufbahn.

1965 folgte seine Premiere bei den bunten Abenden. Dort blieb Greis bis 2007 aktiv, ab 2008 wirkte er bei verschiedenen Veranstaltungen mit. 2010 kam er zur Narrengesellschaft Niederburg. Bis 2026 gehörte er – mit Unterbrechungen durch Solo-Auftritte – auch zur Fernsehfasnacht.

Abschied, aber kein endgültiger Rückzug

Beim Fasnachtsauftakt der Narrengesellschaft Niederburg am Samstag, 14. November, um 19.30 Uhr im Bodenseeforum wird Greis verabschiedet. Karten sind noch erhältlich. Der Schritt sei nicht unfreiwillig, sagt er. Vielmehr habe er den Ausstieg seit einigen Jahren vor sich hergeschoben.

Gemeinsam mit Mario Böhler habe er offen darüber gesprochen, ob seine Art des Auftretens noch passend sei. Ganz aufhören möchte Greis trotzdem nicht. Die Fasnacht gehört für ihn seit seiner Kindheit zum Leben; gelegentlich will er weiterhin mitwirken, möglicherweise auch als Co-Moderator. Ein Bühnenmensch verschwindet eben nicht einfach so – schon gar nicht nach 67 Jahren.

„Neckes“ wird Burgherr

Seine Verbindung zur Niederburg wurde auch auf besondere Weise gewürdigt: Im Innenhof des Rosgartenmuseums ernannte ihn der Präsident gemeinsam mit dem 13er Rat zum Burgherrn der Narrengesellschaft. Anlass waren seine jahrzehntelange Bühnenpräsenz und seine Verbundenheit mit der Fasnacht.

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Bekannt ist Greis, der auch „Neckes“ genannt wird, unter anderem für „Irish Coffee“. Bei dieser Darbietung spielen Sahne und Pointen eine zentrale Rolle. Auf der Bühne erschien er außerdem als grantiger Rentner, überdrehter Sportler und Bauchredner mit Puppe. Der 13er Rat hob neben seiner Bühnenkarriere auch seine langjährige Zugehörigkeit zur Niederburg hervor – einschließlich seines Hangs zum Getränk Underberg.

Eine Gesellschaft mit langer Geschichte

Die Narrengesellschaft Niederburg wurde 1884 gegründet und hat etwa 160 Mitglieder. Nach der Gründung der Elefanten AG im Jahr 1880 entstand auch in der Niederburg eine eigene Narrengesellschaft. Fabrikant Zwicker, Schreinermeister Butscher und Kaufmann Bachstein gründeten sie am 22. Februar 1884 im Stammlokal „Buck“ als „Große Narrengesellschaft Niederburg“. Eduard Kupferschmid wurde zum ersten Präsidenten gewählt.

Ob es schon bei der Gründung einen Narrenrat gab, ist unklar. 1890 wird erstmals ein 13er-Rat erwähnt. Mit dieser Zahl wollte sich die Gesellschaft vom 11er-Rat der Elefanten AG unterscheiden. Über viele Jahre waren ausschließlich gebürtige Niederbürgler zugelassen; laut einer Satzung von 1957 mussten mindestens sechs der 13 Räte aus der Niederburg stammen.

2010 führte die Niederburg das Niederburger Jockele ein. Damit bekam der zweitälteste Narrenverein von Konstanz erstmals eine Figur für die Straßenfastnacht. Das Jockele besitzt Merkmale des mittelalterlichen Narren, hat aber keine historische Bedeutung. Die Maske ist eine Halbmaske, Mund- und Kinnpartie bleiben frei. Dazu trägt das Jockele einen Spiegel mit sich, um ihn anderen vorzuhalten.

Vom Kläpperle bis zum Pulverturm

Zur Gesellschaft gehört außerdem die Klepperlegarde, die jüngste Narrengruppe des Vereins. Die Kinder werden vom Kläpperlemajor begleitet und nehmen an allen offiziellen Vereinsanlässen teil. Ihr Kläpperle besteht aus einem Holzstück mit je einer Stahlzunge auf beiden Seiten, an denen Bleikugeln hängen. Beim Aufsagen von Narrensprüchen wird es rhythmisch geschlagen und gibt den Takt vor. Ein trockenes Klackern, dann der nächste Spruch.

Jährlich ernennt die Niederburg einen „Bürger“ – nicht zwingend aus Konstanz – zum Burgherrn oder Burgfräulein. Die Auszeichnung erhalten Menschen, die sich in besonderem Maß um die Fastnacht verdient gemacht haben. Noch höher steht die Ernennung eines Burgherrn zum Ritter der Niederburg. Die höchste Würde der Gesellschaft ist der Titel „Burggraf“; bis 2015 wurde er erst zweimal vergeben.

Am Schmotzige Dunnschtig übernimmt die Niederburg die Macht über das Rathaus und das Stadtsäckel. Seit vielen Jahrzehnten organisiert sie außerdem den Hemdglonkerumzug. Seit 1956 wird der Titel „Oberhemdglonker“ an Freunde, Mitglieder oder Unterstützer verliehen, die sich um den traditionellen Umzug verdient gemacht haben.

Vereinssitz ist der Pulverturm, etwa 200 Meter östlich des beschriebenen Standorts. Der Turm war Teil der ehemaligen Stadtbefestigung und ist neben dem Rheintorturm einer von drei erhaltenen Türmen. Dort, zwischen alten Mauern und närrischem Geräuschpegel, dürfte der Name „Neckes“ wohl noch eine Weile fallen.