Heute, am 10.10.2026, wirkt die Energiekrise an der Uni Konstanz zunächst weit weg. Doch steigende Ölpreise landen nicht nur an Tankstellen. Sie verteuern Diesel, Dünger, Lebensmittel, Transporte und Kochgas – und treffen Länder, die ohnehin mit Schulden, schwachen Währungen und knappen öffentlichen Kassen kämpfen. Der Irankrieg wird weltweit als geopolitische und Energiekrise wahrgenommen; in Asien und Afrika reicht seine Wirkung bis in Küchen, Busse, Felder und Märkte.

Als Ursachen des aktuellen Angebotsrückgangs nennt der Artikel den Krieg der USA unter Donald Trump gegen Iran sowie die Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz. Zusätzlich sorgen Störungen rund um die Straße von Hormus für Unruhe. Durch diesen Korridor werden fast ein Fünftel des weltweiten Öls und ein erheblicher Anteil des Flüssiggases transportiert. Für Indien, das rund 85 Prozent seines Rohölbedarfs importiert, ist das keine Nachricht aus einer fernen Welt. Länder wie Bangladesch sind weitgehend von importierter Energie abhängig.

Wenn der Preis an der Zapfsäule im Kochtopf landet

Verschuldete und ölimportabhängige Länder wie Kenia, Pakistan, Syrien und Guatemala spüren den Schock besonders stark. Treibstoff, Düngemittel und Lebensmittel werden teurer, die Inflation zieht weiter an. Für ärmere Haushalte geht es schnell ans Eingemachte: weniger Essen, weniger Fahrten, weniger Geld für Gesundheit und Bildung. Konfliktforscher Tim Wegenast sagt, der wirtschaftliche Schock falle in ärmeren Ländern meist größer aus als in wohlhabenden Staaten.

Wohlhabendere Staaten können Energieschocks eher mit Reserven, starken Währungen, größeren Haushaltsspielräumen und Sozialsystemen abfedern. Viele Volkswirtschaften in Asien und Afrika starten dagegen bereits mit hohen Schulden, Importabhängigkeit, schwachen Währungen, informellen Arbeitsmärkten und eingeschränkter öffentlicher Versorgung. Dazu kommen langsames Wachstum, Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne, Staatsverschuldung und die Folgen der Pandemie. In mehreren Staaten wurden Sozialausgaben unter dem Druck von Sparmaßnahmen und internationalen Finanzinstitutionen gekürzt.

In Südasien kochen Millionen Haushalte mit importiertem Flüssiggas; in Indien sind mehr als 330 Millionen Haushalte darauf angewiesen. Werden Lieferketten knapper und Transporte teurer, steigt der Preis für Kochgas – oder es wird schlicht schwieriger, überhaupt welches zu bekommen. Regierungen müssen Notfallmaßnahmen und Subventionsanpassungen beschließen. Familien reduzieren ihren Verbrauch, verschulden sich oder steigen auf billigere, umweltschädlichere Brennstoffe um.

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Die „Küchenökonomie“ ist dabei ziemlich unerbittlich: Speiseöl, Gemüse, Hülsenfrüchte und Grundnahrungsmittel kosten mehr. Stagnierende Löhne und prekäre Beschäftigung zwingen Arbeiterhaushalte und die untere Mittelschicht zum Sparen. Einkommensarme Familien kaufen weniger Öl, Gemüse, Linsen und Eiweiß und schieben Ausgaben bis zum nächsten Zahltag. Ersparnisse schmelzen, informelle Kredite nehmen zu. Auch Transportarbeiter, Lieferfahrer, Kleinhändler und andere informell Beschäftigte verdienen weniger, weil sie höhere Kraftstoffkosten oft nicht vollständig an Kunden weitergeben können.

Diesel treibt nicht nur Busse und Lastwagen an. Er wird für Bewässerung, landwirtschaftliche Maschinen, den öffentlichen Verkehr und die Lebensmittelverteilung gebraucht. Gleichzeitig verteuern sich Düngemittel. Kleinbauern stehen dann vor einer unerquicklich engen Auswahl: weniger anbauen oder noch mehr Schulden aufnehmen – und das bei unberechenbarem Wetter und schwankenden Erzeugerpreisen.

Proteste auf Straßen und in Städten

In Nordostsyrien blockierten Menschen am 13. September eine wichtige Straße zwischen Hasaka und Deir ez-Zor. Laut dem Konfliktmonitor ACLED gab es an diesem Tag landesweit 36 weitere Proteste. Kurz zuvor hatte die syrische Regierung die Diesel- und Benzinpreise deutlich erhöht.

ACLED-Analyst Muaz Al Abdullah führt die Konzentration der Proteste im Nordosten auf den wirtschaftlichen Druck zurück, der durch die Ausweitung staatlicher Kontrolle auf zuvor von den SDF und der kurdisch geführten Autonomieverwaltung kontrollierte Gebiete entstanden sei. Die Bevölkerung könnte dadurch die Fähigkeit der neuen Regierung infrage stellen, zu regieren und ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Auch in Guatemala blockierten Lastwagenfahrer im September laut AP Schnellstraßen – aus Protest gegen hohe Spritpreise. In Südasien, insbesondere in Pakistan, beobachten Fachleute seit dem US-Angriff auf Iran Ende Februar eine deutliche Zunahme von Protesten. Viele Regierungen versuchen seit Beginn des Irankriegs, soziale Ruhe mit kostspieligen Maßnahmen zu sichern.

Ghana und Kenia etwa subventionieren Dünger. Das hilft kurzfristig, belastet aber die Staatshaushalte und könnte auf Dauer nicht finanzierbar sein. Wegen hoher Schulden haben Staaten wie Sierra Leone, Tansania, Äthiopien und Kenia nur begrenzte Möglichkeiten, steigende Nahrungsmittelpreise abzufedern. Ohne staatliche Subventionen drohen laut Wegenast Proteste.

Die Regierungen sitzen damit zwischen zwei Stühlen: Bleiben Subventionen bestehen, wachsen die Haushaltsdefizite; werden sie abgebaut, können soziale Konflikte aufflammen. Frühere Strukturanpassungsprogramme führten vielfach zu Kürzungen bei Lebensmittel- und Treibstoffsubventionen, zur Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen und zu einer Schwächung sozialer Sicherungssysteme. Subventionskürzungen lösten wiederholt Proteste aus. Einige Staaten reagieren heute mit Sozialmaßnahmen und Preiskontrollen, andere mit Repression, autoritärer Politik oder nationalistischer Rhetorik.

Eine Aufwertung des US-Dollars gegenüber vielen Währungen verschärft die Lage zusätzlich. In Krisenzeiten halten Anleger verstärkt US-Dollar, dadurch werden Importe teurer. Umleitungen im Frachtverkehr, höhere Versicherungsprämien und Wechselkursverluste verteuern importierte Lebensmittel, Düngemittel und industrielle Güter. Wenn das Geld für Subventionen ausgeht, kann der Unmut weiter wachsen. Wirtschaftliche Not lässt sich zudem in gesellschaftliche Polarisierung oder fremdenfeindliche Mobilisierung lenken.

Öl, Macht und die nächste Eskalation

Hohe Ölpreise verändern nach Wegenast auch die Bedingungen für Aufstände. Bewaffnete Gruppen könnten stärker motiviert sein, Ölreserven gewaltsam zu kontrollieren; Konflikte um solche Reserven könnten zunehmen. Besonders instabil erweisen sich bei Preisschocks semidemokratische oder nicht dauerhaft demokratisch gefestigte Regierungen im Globalen Süden. In sogenannten Anokratien, also semidemokratischen Staaten, werden Freiheitsrechte als Reaktion auf Proteste laut Wegenast häufig weiter eingeschränkt.

Als mögliches Extremrisiko nennt der Forscher Regierungsumstürze wie beim Arabischen Frühling 2010, dem ebenfalls starke Preissteigerungen vorausgingen. In Indien kombiniert die Regierung laut Artikel nationalistische und sicherheitsorientierte Politik mit Privatisierungen und marktorientierten Reformen. Proteste von Beschäftigten und Bauernmobilisierungen werden häufig mit Überwachung, Polizeieinsätzen oder Einschränkungen von Rechten beantwortet. Gewerkschaften, Bauernorganisationen und Teile der politischen Linken fordern mehr Ernährungssicherheit, öffentliche Versorgung, Beschäftigungsgarantien und Widerstand gegen Privatisierungen.

Einige Ölproduzenten profitieren von höheren Einnahmen, müssen aber zugleich mehr für Treibstoffsubventionen, Lebensmittel und andere Importe ausgeben. Im Bürgerkrieg im Sudan fallen die Folgen unterschiedlich aus: Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate könnten ihre Unterstützung ausländischer Konfliktparteien durch höhere Öleinnahmen ausweiten. Für Konfliktparteien, insbesondere die paramilitärischen Rapid Support Forces, kann der Zugang zu Treibstoff in manchen Regionen dennoch schwieriger werden.

Im Sudan warnt die Welthungerhilfe vor einer weiteren Verschärfung der bereits schweren humanitären Krise; Millionen Menschen leiden dort Hunger. Auch in anderen afrikanischen Ländern hat die Ernährungsunsicherheit zugenommen. Wegenast sieht bewaffnete Konflikte, Klimawandel und den Ölpreisschock als besonders gravierende Kombination.

Der Konflikt zeigt die widersprüchliche Stellung des globalen Südens: Die Einbindung in globale Handels- und Energienetze ermöglicht Versorgung, macht Länder aber zugleich anfällig für externe Schocks. Die sozialen Kosten strategischer Konflikte tragen überproportional Bevölkerungsgruppen, die weit von politischen Entscheidungszentren entfernt leben. Millionen Menschen bleiben strukturell verwundbar für Krisen, die außerhalb ihrer eigenen Länder entstehen.

Was Energiepolitik mit Sicherheit zu tun hat

Die Krise belebt Debatten über öffentliche Versorgung, Ernährungssouverän