Lübecker Frauensporttag: Neun Workshops bringen Frauen in Bewegung
Am Samstag, 14. November 2026, wird die Sporthalle der Thomas-Mann-Schule in Lübeck von 9:30 bis 13:30 Uhr zum Treffpunkt für Frauen, die sich bewegen, Neues ausprobieren oder einfach mal wieder Sportluft schnuppern möchten. Der Frauensporttag trägt den Titel „Frauen in Bewegung“, zugleich wird die Veranstaltung als „Sport und Spaß für alle Frauen“ angekündigt. Veranstaltungsort ist die Thomas-Mann-Straße 14, 23564 Lübeck.
Organisiert wird der Vormittag vom Bereich Schule und Sport der Hansestadt Lübeck, dem Turn- und Sportbund Lübeck und mehreren Lübecker Sportvereinen. Anfängerinnen sind ausdrücklich willkommen, Fortgeschrittene ebenso. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung bis Sonntag, 8. November 2026, wird erbeten.
Drei Phasen, neun Möglichkeiten
Das Programm ist in drei Workshop-Phasen gegliedert. Pro Phase kann jeweils ein Angebot ausgewählt werden, sodass jede Teilnehmerin an bis zu drei Workshops teilnehmen kann. Zur Auswahl stehen Capoeira, Fitness mit Musik, kleine Bewegungsspiele, Karate, Selbstverteidigung, tänzerische Gymnastik, Teamakrobatik, Ultimate Frisbee und Zumba.
Los geht es in der ersten Phase von 9:45 bis 10:40 Uhr. In Halle 1 stehen kleine Bewegungsspiele auf dem Plan: Übungen zu Schnelligkeit, Koordination, Reaktion, Teamgeist und Kreativität. Halle 2 gehört dem Karate. Dort werden grundlegende Arm- und Beinbewegungen, erste Karatedo-Techniken und waffenlose Selbstverteidigung vermittelt – Körper und Geist arbeiten zusammen. In Halle 3 wartet Capoeira, eine afrobrasilianische Bewegungskunst mit Kampfkunst, Tanz, Akrobatik und kulturellen Elementen. Auf dem Programm stehen eine Grundbewegung, ein Tritt und eine Verteidigung.
Von 10:50 bis 11:45 Uhr folgt Phase zwei. „Fitness mit Musik“ verbindet rhythmische Musik mit Ausdauer- und Kräftigungsübungen und ist für alle Altersgruppen sowie ohne Vorkenntnisse geeignet. Beim Ultimate Frisbee geht es zunächst um Wurftechniken, danach um kleine Spiele. Das Ziel: Die Frisbee wird durch Zuspiele in die gegnerische Endzone gebracht. Beim Zumba kommen einfache Tanzschritte aus verschiedenen Stilrichtungen hinzu. Anfängerinnen und Fortgeschrittene können im eigenen Tempo mitmachen.
Die dritte Runde läuft von 11:55 bis 12:50 Uhr. Selbstverteidigung vermittelt Übungen, mit denen sich Frauen in Bedrohungssituationen befreien und behaupten können; im Mittelpunkt stehen einfache Kampfsporttechniken für schnelle Reaktionen unter Stress. Bei der Teamakrobatik wird gemeinsam balanciert und gehoben. Die tänzerische Gymnastik kombiniert Jazzdance und Fitness mit Bodentraining für die Bauchmuskeln, Dehnung und einem entspannenden Abschluss. Eine eigene Matte sollte dafür mitgebracht werden.
Von Capoeira bis Zumba
Hinter den Workshops stehen Capoeira Arandu Lübeck, der Rote Stern Lübeck, der Turn- und Sportbund Lübeck, das Uni-Dojo Zan-shin beziehungsweise Uni-Dojo Zanshin, die Chin-Woo-Schule Lübeck, Movement Family, der Tanzclub Hanseatic Lübeck, der LBV Phönix Lübeck beziehungsweise LBV Phönix von 1903 sowie der SV Eintracht Lübeck beziehungsweise SV Eintracht 04. Beim Capoeira treffen Kampfkunst, Tanz und Akrobatik aufeinander. Der Rote Stern setzt auf Ausdauer und Kraft, der Tanzclub Hanseatic auf ein dynamisches Ganzkörper-Workout. Movement Family bringt gemeinsames Balancieren und Heben in die Halle, während der SV Eintracht Lübeck Zumba als Ganzkörpertraining zu Musik anbietet.
Mitbringen sollten die Teilnehmerinnen Freude an Bewegung, Sportbekleidung, saubere Hallenschuhe und ausreichend Getränke. Wer bei der tänzerischen Gymnastik dabei sein möchte, braucht außerdem eine eigene Matte. Die Anmeldung erfolgt mit einem vollständig ausgefüllten Formular per E-Mail an fib@tsb-luebeck.de. Ansprechpartnerin ist Martina Böttger unter 0157 51301950. Anmeldebogen und weitere Informationen gibt es unter www.tsb-luebeck.de.
Die Veranstaltung soll Frauen für regelmäßigen Sport in Lübecker Vereinen gewinnen. Bei einer früheren Veranstaltung im Jahr 2024 machten rund 40 Frauen unterschiedlichen Alters mit. Sie konnten ebenfalls aus neun Sportangeboten wählen und neue Sportarten kennenlernen. Damals beteiligten sich der Lübecker Sport Club, der TSV Travemünde, die Turngemeinschaft Rangenberg, der Boxclub Lübeck, Movement Family, Ostseerunner, der Lübecker Frauen-Ruder-Klub und der Tanzclub Concordia.
Das damalige Programm reichte von einem Koordinations- und Balance-Zirkel über Bewegungsfreude mit Dehnung, Kraft, Gleichgewicht und Achtsamkeit bis zu Volleyball, Ergometer- und Zirkeltraining, einer Einführung in die Boxtechnik, Lauftraining, Show-Akrobatik, Line Dance und Parkour. Ein ziemlich breites Paket – und vermutlich auch eines, bei dem die Entscheidung schwerfällt.
Warum solche Angebote zählen
Der Deutsche Olympische Sportbund bewertet das Interesse von Frauen und Mädchen am Vereinssport anlässlich des Weltfrauentags positiv. Michaela Röhrbein, Vorständin Sportentwicklung im DOSB, verweist darauf, dass Sport bei Frauen und Mädchen die Gesundheit fördern, das Selbstwertgefühl steigern und wichtige persönliche Werte vermitteln kann.
Ganz gleich verteilt ist die Teilhabe allerdings noch nicht: Frauen und Mädchen stellen nur 40 Prozent der Vereinsmitgliedschaften, obwohl sie 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Der DOSB will das mit verschiedenen Programmen ändern. Gemeinsam mit der Initiative „Klischeefrei im Sport – no stereotypes“ setzt der Verband Schwerpunkte bei Chancengerechtigkeit, Gleichstellung der Geschlechter und einer klischeefreien Sportkultur. Für Fortbildungen gibt es verständliche Factsheets und kostenlose E-Learning-Kurse.
Auch im DOSB selbst gelten Vorgaben. Für das DOSB-Präsidium ist eine verbindliche Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent festgelegt; ab 2026 gilt diese Quote auch für alle Delegierten bei DOSB-Mitgliederversammlungen.
Eine Deloitte-Studie aus den USA von 2023 zeigt zudem, welchen Wert sportliche Erfahrungen für den Beruf haben können: 85 Prozent der sportlich aktiven befragten Frauen halten im Sport erworbene Fähigkeiten für ihren beruflichen Erfolg für wichtig. Bei Frauen in Führungspositionen liegt der Anteil bei 91 Prozent.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Kindern und Jugendlichen durchschnittlich mindestens 60 Minuten Bewegung mittlerer bis hoher Intensität täglich. Erwachsene sollten mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche erreichen. In Deutschland schaffen das 54 Prozent der Mädchen, 45 Prozent der Frauen, 60 Prozent der Jungen und 51 Prozent der Männer. Bei regelmäßigem Sport treten bei Frauen positive gesundheitliche Effekte früher ein als bei Männern.
Röhrbein sieht deshalb weiterhin großes Potenzial für eine gleichberechtigte Teilhabe. Vereinssport trage zur physischen und psychischen Gesundheit sowie zur gesellschaftlichen Teilhabe von Frauen und Mädchen bei. Alle Hindernisse könne der organisierte Sport aber nicht allein aus dem Weg räumen. Anhaltende Geschlechterstereotype, ungleich verteilte Care-Arbeit, ausfallender Schulsport und die deutlich geringere Medienberichterstattung über Frauensport wirken weiter hinein. In Lübeck beginnt der nächste kleine Schritt am 14. November – mit Hallenschuhen, Getränkeflasche und, je nach Workshop, ordentlich Schweiß auf der Stirn.
