Die Diskussion über den Begriff „Care“ in Kunst- und Kulturinstitutionen ist momentan sehr aktuell. Boukje Cnossen und Lisa Deml haben bei einem Austausch betont, dass „Care“ und „Kurator“ denselben lateinischen Wortstamm „curare“ teilen. Diese Erkenntnis ist besonders in kleineren Kunsteinrichtungen von Bedeutung, wo die Organisation oft in einem prekären Rahmen stattfindet. Cnossen hebt hervor, dass der Begriff „Care“ zunehmend an Relevanz gewinnt, während Deml anmerkt, dass „Fürsorge“ als spezifischer wahrgenommen wird, da es in der Regel um das Wohlergehen von Einzelpersonen oder Gruppen geht.

Deml beschreibt, wie ihr Kunstverein aktiv an der Unterstützung von Mitgliedern, Team, Besuchern und Künstlern arbeitet. Dies geschieht durch verschiedene Maßnahmen wie Exkursionen und interne Feedbackstrukturen. Im Gespräch äußert Cnossen jedoch Bedenken, dass „Fürsorge“ im Kunstbereich oft zu viel implizieren könnte, da nicht immer die Möglichkeit besteht, für alles und jeden zu sorgen. Deml stimmt dieser Einschätzung zu und reflektiert über den Idealismus, der hinter dem Konzept steht. Zudem versuchen sie und ihr Kollege Dorsch, die Prekarität zu umgehen, indem sie einen langsameren Rhythmus einführen, beispielsweise durch vierwöchige Pausen zwischen Ausstellungen.

Praktische Ansätze zur Fürsorge

In ihrer Kritik an zeitgenössischen Ausstellungen über „Care“ betont Deml, dass viele dieser Projekte nachlässig umgesetzt wurden. Ihr Ziel ist es, Fürsorge aktiv zu praktizieren, anstatt sie nur als performativen Akt darzustellen. Auch Cnossen hinterfragt in diesem Zusammenhang die Nützlichkeit des performativen Aspekts von „Care“ und dessen langfristige Auswirkungen auf den Kunstbetrieb.

Begleitend zu diesen Diskursen wurde die Publikation „KUNST+CARE“ herausgegeben, welche die Verflechtungen von Care-Arbeit und dem Kunstbetrieb thematisiert. Diese entstand aus dem Projekt „Kunst und Care“ in Kooperation mit LaB K, dem Frauenkulturbüro NRW sowie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. In dem Sammelband kommen verschiedene Autor:innen zu Wort, die die Bedeutung von Care-Arbeit und Fürsorge im Kunstbetrieb beleuchten und gesellschaftliche Fragestellungen im Kontext klären.

Vielfältige Themen rund um Fürsorge

Zusätzlich beleuchtet die Publikation nicht nur die Tragfähigkeit von Fürsorge als künstlerisches Konzept, sondern auch den Einfluss von Politik und Empowerment auf die künstlerische Freiheit. Die Kooperation, die über den Zeitraum von 2023 bis 2024 stattfindet, zielt darauf ab, durch zahlreiche Veranstaltungen in der Mobilen Akademie des LaB K die Ergebnisse zu dokumentieren und weiterzugeben. Zu den Autor:innen gehören bekannte Namen wie Ina Brandes und Ulrike Rosenbach, die in ihren Beiträgen verschiedene Perspektiven und Erfahrungen einbringen.

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Insgesamt zeigen die Gespräche und die begleitenden Publikationen, dass das Thema Fürsorge in der Kunst und Kultur nicht nur theoretisch relevant ist, sondern auch praktische Anwendung finden kann. Wir dürfen gespannt sein, wie sich diese Ansätze weiterentwickeln und in den kommenden Jahren gestalten werden. Die Sensibilität für die Themen Care und Solidarität im Kunstbetrieb könnte sich als grundlegendes Element in der weiteren Entwicklung zeigen, wie kulturschaffende Institutionen mit Prekarität und sozialen Herausforderungen umgehen.

Besonderes Augenmerk sollte zudem auf die Vielfalt der Erfahrungen innerhalb von Care-Work gelegt werden. Heben wir hervor, dass sich viele aktuelle Bücher und Filme mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen, sodass das Thema in unterschiedlichsten Formaten erfahrbar wird. Beispielsweise thematisiert die Graphiknovelle „Im Demenzlabyrinth“ die erlebte Realität von Menschen mit Demenz, was einen Einblick in die Lebensrealität der Betroffenen gibt.