Im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg war heute, am 3. Oktober 2026, einiges los. Viele Beteiligte des mittelhessischen Hochschulverbunds H_Core verfolgten per Livestream aus Bonn die Entscheidung über die Bewerbung als Exzellenzuniversität. Dann war klar: Die Allianz aus Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Philipps-Universität Marburg und Technischer Hochschule Mittelhessen (THM) hat es nicht geschafft.

Ganz überraschend kam das Ergebnis nicht. Nachdem die Allianz der Rhein-Main-Universitäten aus Frankfurt, Darmstadt und Mainz als vierte von fünf neuen Exzellenzuniversitäten bekannt gegeben worden war, galt ein weiterer hessischer Erfolg als eher unwahrscheinlich. Den fünften Platz erhielt schließlich die Universität zu Köln.

„Jetzt erst recht“ in Mittelhessen

Weitere neue Exzellenzeinrichtungen sind die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Ruhr Innovation Lab mit der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund sowie die Universität Freiburg. Verkündet wurde die Auswahl von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Falko Mohrs, Wissenschafts- und Kulturminister Niedersachsens. Beide sind Vorsitzende beziehungsweise stellvertretender Vorsitzender der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz.

JLU-Präsidentin Katharina Lorenz reagierte kämpferisch: „Jetzt erst recht.“ Die zuständigen Gremien seien offenbar noch nicht überzeugt worden, erklärte sie. Das verstehe sie als Auftrag für die Zukunft. Den Beteiligten dankte Lorenz für ihre „Motivation und Power“ – und lud trotz der Niederlage zum gemeinsamen Feiern ein. Ein bisschen Durchatmen, ein bisschen Zusammenrücken.

Auch Marburgs Universitätspräsident Thomas Nauss dankte den Beteiligten. Zugleich wies er darauf hin, dass die Bedingungen in der Wissenschaftslandschaft in den kommenden Jahren nicht einfacher würden. Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher zeigte sich enttäuscht: Eine Auszeichnung hätte der Region gutgetan. Er erinnerte daran, dass vier der sechs hessischen Exzellenzcluster in Gießen und Marburg verantwortet werden. Diese Forschungsprojekte sind Voraussetzung für eine Bewerbung als Exzellenzuniversität.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

THM-Präsident Matthias Willems wollte das Ergebnis nicht als Urteil über die Arbeit in Mittelhessen verstanden wissen. Es bedeute nicht, dass die Region schlechte Arbeit geleistet habe; die anderen Bewerber seien lediglich besser bewertet worden. Im Wissenschaftssystem würden häufig große Zentren bevorzugt, sagte Willems – und zog einen Vergleich zum Sport: Manchmal gewinne man, manchmal verliere man.

Worum es bei der Exzellenzstrategie geht

Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gilt als Deutschlands wichtigster Forschungsförderwettbewerb. Vereinbart wurde sie 2016, um Spitzenforschung an deutschen Universitäten dauerhaft zu fördern und den Wissenschaftsstandort international zu stärken. Ausgewählte Universitäten erhalten dafür Fördermittel in Millionenhöhe.

Das Programm hat zwei Förderlinien. Bei den Exzellenzclustern geht es um innovative, häufig fachübergreifende Forschungsprojekte an einzelnen Universitäten oder Universitätsverbünden. Die zweite Linie – Exzellenzuniversitäten und Exzellenzverbünde – unterstützt langfristig den Ausbau internationaler Spitzenforschung.

Für eine Bewerbung müssen die Hochschulen bereits erfolgreiche Cluster vorweisen: Einzelne Universitäten müssen an mindestens zwei Clustern beteiligt sein, Universitätsverbünde an mindestens drei. In Gießen und Marburg sind damit wichtige Voraussetzungen vorhanden, für den Zuschlag reichte es diesmal trotzdem nicht.

Neun bestehende Exzellenzuniversitäten und ein Exzellenzverbund hatten sich bereits im März 2026 für eine weitere Förderung qualifiziert. Die Förderung ist dauerhaft angelegt, allerdings wird alle sieben Jahre überprüft, ob die Voraussetzungen weiterhin erfüllt sind. Ab 2027 stehen jährlich insgesamt 747 Millionen Euro zur Verfügung. Der Bund finanziert 75 Prozent, 25 Prozent trägt jeweils das Sitzland des Exzellenzclusters beziehungsweise der Exzellenzuniversität.

Die Rhein-Main-Universitäten erhalten ab 2027 insgesamt bis zu 155 Millionen Euro über sieben Jahre. Einzelne Universitäten können jährlich bis zu 15 Millionen Euro bekommen, Hochschulverbünde bis zu 28 Millionen Euro. Das sind Summen, bei denen selbst erfahrene Hochschulmanager kurz nach Luft schnappen dürften.

Entscheidung durch wissenschaftliche Auswahlverfahren

Über die geförderten Cluster und Exzellenzuniversitäten entscheiden wissenschaftliche Auswahlverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrats im Auftrag von Bund und Ländern. Die Evaluationen der bestehenden Exzellenzuniversitäten im März 2026 zeigten eine höhere internationale Sichtbarkeit in der Spitzenforschung, Fortschritte in der angewandten Forschung und beim Transfer in die Praxis sowie Weiterentwicklungen bei Personal, Lehre, Gleichstellung und Vielfalt.

Die Förderung wirkt laut diesen Evaluationen außerdem über die geförderten Universitäten hinaus. Sie kann Impulse setzen und anderen Hochschulen als Vorbild dienen. Für Mittelhessen bleibt damit neben der Enttäuschung auch eine ziemlich konkrete Frage: Was muss an der Bewerbung verändert werden, damit es beim nächsten Mal reicht?

Über Antragsskizzen und Anträge befinden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission. Das Committee besteht aus 39 ausgewiesenen Forschenden aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und bildet das gesamte Disziplinenspektrum ab. Die Mitglieder bringen zudem langjährige Erfahrungen aus dem Ausland, dem Hochschulmanagement, der Lehre und der Wirtschaft mit.

Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der DFG gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz. Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen und gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission ab. Es entscheidet außerdem, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Ergebnisse der Evaluationen der Exzellenzuniversitäten.

In der Exzellenzkommission sitzen das Committee of Experts sowie die für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Minister des Bundes und der Länder. Auf Grundlage der Empfehlungen des Expertengremiums entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten. In Marburg war diese Entscheidung heute auf vielen Gesichtern zu sehen: Enttäuschung, ja. Aber eben auch Trotz.