Luisa-Häuser-Brücke in Marburg nach unerwarteten Betonschäden wieder geöffnet
Die Luisa-Häuser-Brücke im Zentrum Marburgs ist wieder für den Publikumsverkehr geöffnet. Für Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende ist das eine gute Nachricht – nach Wochen mit Bauzäunen, Umleitungen und dem Umweg über die parallel verlaufende Abendroth-Brücke.
Ganz reibungslos lief die Sanierung allerdings nicht. Obwohl die Hängebrücke abgesperrt war, kletterten wiederholt Menschen über die hohen Bauzäune und liefen über frisch aufgetragene Schichten. Morgens entdeckte die Baufirma mehrfach frische Fußspuren in den Materialien. Die Folge: neue Beschädigungen und die Gefahr, dass sich die Sperrzeit noch weiter verlängert.
Wachdienst gegen nächtliche Abkürzungen
Um das zu verhindern, beauftragte die Stadt Marburg einen Sicherheitsdienst. An drei Tagen standen Sicherheitskräfte in Warnwesten an beiden Brückenufern: am Freitag, 25. September, am Samstag, 26. September, und am Montag, 28. September – jeweils von 15 bis 23 Uhr.
Eine endgültige Abrechnung lag noch nicht vor. Die Kosten wurden auf rund 2.400 Euro geschätzt. Ein ziemlich hoher Preis dafür, dass niemand über einen Bauzaun steigt? Vielleicht. Andererseits hätte jede weitere Beschädigung die Arbeiten erneut zurückwerfen können.
Die Brücke war von Mitte August bis Ende September gesperrt. Ursprünglich sollten die Arbeiten bis Ende August abgeschlossen sein. Dann wurden weitere Mängel festgestellt, und aus dem kurzen Baustellenstopp wurde eine längere Angelegenheit.
Beton, Stahl und mehrere neue Schichten
Die Sanierungsarbeiten begannen am Dienstag, 18. August. Nach dem Aufbau der Verkehrssicherung starteten am Mittwoch, 19. August, die Arbeiten an der Brückenoberfläche. Im Beton wurden Schäden festgestellt; beschädigte und lose Betonteile mussten zunächst entfernt werden. Danach wurde die Betonoberfläche wiederhergestellt, bevor eine neue Beschichtung beziehungsweise ein neuer Belag aufgetragen werden konnte.
An 21 Stellen waren Beton und Bewehrungsstahl beschädigt. Insgesamt wurden mehr als 30 Quadratmeter Stahlbeton saniert. Anschließend wurde die gesamte Brückenoberfläche in mehreren Schichten neu abgedichtet und versiegelt. Während der Sperrung wurden Fußgänger und Radfahrer weiterhin über die Abendroth-Brücke umgeleitet.
Die Verzögerung hatte also nicht nur mit dem Belag zu tun. Die ursprünglich bis Ende August geplanten Arbeiten mussten wegen der zusätzlich festgestellten Mängel verlängert werden; die Sperre dauerte schließlich voraussichtlich bis Ende September. Nun ist die Luisa-Häuser-Brücke wieder offen – und hoffentlich bleiben die frischen Schichten diesmal frei von Schuhabdrücken.
Warum Brückenpflege kein Nebenjob ist
Brücken müssen regelmäßig kontrolliert und fachgerecht instand gehalten werden, damit sie ihre Lebensdauer behalten. Verschleißteile wie Belag, Abdichtung, Fahrbahnübergänge und Lager müssen dabei immer wieder erneuert werden. Sanierungsbedarf kann durch hohe Verkehrsbelastung, Umwelteinflüsse, aggressive Substanzen sowie durch Alter und allgemeinen Verschleiß entstehen.
Jede Brücke bringt dabei eigene Bedingungen mit. Sanierungen erfordern Flexibilität und Erfahrung, weil die Anforderungen und Rahmenbedingungen von Projekt zu Projekt verschieden sind. Aus wirtschaftlichen Gründen gilt bei sanierungsbedürftigen Brücken meist: Erhalt vor Neubau.
Der Blick reicht dabei weit über Marburg hinaus. Besonders in den westlichen Bundesländern besteht ein Sanierungsrückstand. Zwischen 1960 und 1985 wurde die Infrastruktur infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs stark ausgebaut. Viele dieser Brücken müssen heute Verkehrsmengen aushalten, für die sie ursprünglich nicht ausgelegt waren.
Brücken werden nach ihrer Tragfähigkeit in Klassen eingeteilt. Brücken der Klasse 60 werden im heutigen Fernverkehr nicht mehr errichtet: Sie können die aktuelle Belastung grundsätzlich tragen, ermüden unter hoher Belastung jedoch schneller, wodurch sich ihre Lebensdauer verkürzt. Mehr als 50 Prozent der Brücken an Bundesstraßen und Autobahnen gehören zur Klasse 60 oder zu einer niedrigeren Klasse. In den kommenden Jahren müssen sie schrittweise verstärkt oder ersetzt werden.
Marode Brücken beeinträchtigen den Verkehrsfluss. Damit Sanierungen möglichst wenig Verkehrsbehinderungen verursachen, braucht es schnelle, sichere und wirtschaftliche Systemlösungen. In den kommenden Jahren werden deshalb zahlreiche Ausschreibungen für Brückensanierungen in Deutschland veröffentlicht. Zu solchen Verfahren werden Informationen von der Projektierung über die Ausschreibungsankündigung und das Submissionsergebnis bis zur abschließenden Vergabemeldung bereitgestellt.
In Marburg ist der Baustellenlärm an der Luisa-Häuser-Brücke inzwischen wieder verstummt. Der Weg über die Hängebrücke ist frei – ganz ohne Bauzaun, Umleitung und Warnweste.
