Trojedamm in Marburg: Gehölzarbeiten sichern den Hochwasserschutz der Lahn
Wer am Montag, 26. Oktober 2026, mit dem Rad oder zu Fuß am Trojedamm in Marburg unterwegs ist, muss einen Umweg einplanen. Die Stadt sperrt den Rad- und Gehweg zwischen dem Campingplatz und dem „Aquamar“ voraussichtlich für zwei Wochen. Grund sind Gehölzarbeiten für den Hochwasserschutz.
Der Damm entlang der Lahn schützt die Marburger Innenstadt und die Bevölkerung vor Hochwasser. Im Alltag ist er zugleich eine viel genutzte Verbindung für Radfahrende und Fußgängerinnen und Fußgänger. Genau das macht die Sperrung lästig – am Wasser entlang geht es sonst angenehm direkt. Der Trojedamm bleibt aber ein wasserwirtschaftliches Schutzbauwerk und muss regelmäßig kontrolliert, auf seine Sicherheit überprüft und bei Bedarf repariert werden.
Bewuchs erschwert die Kontrolle
Der Deich ist inzwischen stark bewachsen. Dicht stehende Büsche und Bäume erschweren die Kontrolle und Unterhaltung zunehmend; der Damm kann deshalb nicht mehr umfassend auf seine Sicherheit überprüft werden. Entfernt werden Büsche, kleinere Bäume sowie größere, bereits abgestorbene Bäume. Letztere könnten bei starkem Wind umstürzen und den Deich beschädigen.
Auch bei Hochwasser kann der Bewuchs zum Problem werden: Umstürzende Bäume können Schäden verursachen oder den Wasserabfluss behindern. Die Stadt muss sicherstellen, dass der Deich jederzeit erreichbar und kontrollierbar ist. Die Arbeiten führt der Dienstleistungsbetrieb der Stadt Marburg im Auftrag des städtischen Fachdienstes „Zukunftsfähige Mobilität, Straßen und Gewässer“ aus. Sie erfolgen in Abstimmung mit der Wasserschutzbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf sowie mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Unteren Wasserbehörde.
Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Die Arbeiten sollen außerhalb der Brut- und Setzzeit und vor Beginn der hochwassergefährlichen Jahreszeit stattfinden. Weitere Abschnitte des Trojedamms sollen in den kommenden Jahren bearbeitet werden.
Umleitung über die andere Lahnseite
Ausgeschildert ist die Umleitung über die Schützenpfuhlbrücke bei „Am Krekel“, den Rad- und Gehweg auf der anderen Lahnseite und den Hirsefeldsteg. Der betroffene Dammabschnitt bleibt während der voraussichtlich etwa zweiwöchigen Arbeiten gesperrt. Der Biergarten am „Aquamar“ bleibt dagegen zu Fuß erreichbar.
Die Maßnahme passt in einen größeren Zusammenhang. Das Umweltbundesamt beschreibt Hochwasservorsorge nicht nur als Aufgabe von Deichen und Mauern, sondern auch als Zusammenspiel aus natürlichem Wasserrückhalt, Flächenvorsorge und Eigenverantwortung. Ziel ist, Hochwasserursachen zu mindern, Flächen entlang von Flüssen freizuhalten und das Bewusstsein für Naturgefahren zu stärken. Die entsprechende Seite wurde zuletzt am 3. November 2022 aktualisiert.
Mehr Raum für Flüsse
Ufernahe Deiche haben vielerorts natürliche Überschwemmungsflächen von Flüssen abgetrennt. An Rhein, Elbe, Donau, Oder und mehreren weiteren Flüssen sind laut Bundesamt für Naturschutz 2021 nur noch etwa 20 Prozent der natürlichen Überschwemmungsflächen vorhanden. Überschwemmungs- und Hochwasserretentionsflächen können Wasser zwischenspeichern und den Verlauf einer Hochwasserwelle dämpfen.
Das Wasserhaushaltsgesetz sieht deshalb vor, größere Flächen für das Ausufern von Flüssen bereitzustellen. Überschwemmungsgebiete sollen durch Nutzungsbeschränkungen erhalten, zusätzliche Rückhalteflächen gewonnen werden. Ihre Ausweisung orientiert sich in der Regel an der Ausdehnung eines 100-jährlichen Hochwassers. Deichrückverlegungen können Retentionsflächen schaffen und zugleich die Renaturierung von Flüssen und Auen ermöglichen. Davon profitieren Lebensräume, Biodiversität, Nährstofffilterung, Wasserspeicherung und Kohlenstoffbindung. Gezielte Flutungen von Poldern bieten laut Umweltbundesamt geringere ökologische Synergien als Deichrückverlegungen.
Nach dem Hochwasser im Donau- und Elbegebiet im Mai und Juni 2013 beschloss die Sonderumweltministerkonferenz am 2. September 2013 die Erarbeitung des Nationalen Hochwasserschutzprogramms. Es soll prioritäre, überregional wirksame Maßnahmen beschleunigen. Dazu gehören Deichrückverlegungen und die Wiedergewinnung natürlicher Rückhalteflächen, gesteuerter Hochwasserrückhalt durch Flutpolder und Rückhaltebecken sowie die Beseitigung von Schwachstellen. Der Ausgleich zwischen Belastungen für Oberlieger und Nutzen für Unterlieger gilt dabei als gesamtstaatliche Aufgabe.
Seit 2015 finanziert der Bund die Maßnahmen über den Sonderrahmenplan „Präventiver Hochwasserschutz“ mit jährlich bis zu 100 Millionen Euro. Das Programm wird jährlich fortgeschrieben. Für 2021 waren Flutpolder mit einem Retentionsvolumen von 825 Millionen Kubikmetern und Deichrückverlegungen auf 25.011 Hektar gemeldet. Bei vollständiger Umsetzung könnten rund 287 Quadratkilometer Rückhaltefläche zurückgewonnen werden – etwa fünf Prozent der überflutbaren Fläche deutscher Flüsse mit Einzugsgebieten von mehr als 1.000 Quadratkilometern.
Ein Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Gewässerkunde untersuchte von 2016 bis 2021 die bis 2020 geplanten überregionalen Maßnahmen an Donau, Elbe und Rhein. Modellierungen zeigten an vielen Flussabschnitten eine Absenkung von Hochwasserscheiteln um 10 bis 50 Zentimeter. Die Ergebnisse sollen zur Weiterentwicklung und realistischeren Bewertung des Nationalen Hochwasserschutzprogramms beitragen.
Vorsorge beginnt nicht erst am Deich
Nach Ansicht des Umweltbundesamtes sollte Hochwasservorsorge bereits an Quell- und Nebenflüssen und im gesamten Einzugsgebiet ansetzen. Renaturierungen sowie der Schutz und die Wiederherstellung von Auwäldern können den Abfluss von Hochwasserwellen verzögern. Hinzu kommen dezentrale Versickerung und Entsiegelung in bebauten Gebieten, konservierende Bodenbearbeitung, mehr Grünland, eine veränderte Waldbewirtschaftung und Aufforstung sowie die Wiedervernässung ehemaliger Feuchtgebiete und Moore.
Solche Maßnahmen können Bodenerosion und Nährstoffeinträge verringern, Biodiversität fördern, Kohlenstoff speichern und die Folgen von Trockenheit und Starkregen abschwächen. In Städten werden Versickerung und Zwischenspeicherung von Niederschlagswasser außerdem für die Klimaanpassung und ein ausgeglicheneres Stadtklima wichtiger.
Am wirksamsten lassen sich Schäden vermeiden, wenn in Überschwemmungsgebieten nicht gebaut wird. In festgesetzten Überschwemmungsgebieten dürfen Kommunen grundsätzlich keine neuen Baugebiete ausweisen; Neubauten sind nur in gesetzlich geregelten Ausnahmefällen zulässig. Neue Ölheizungen dürfen dort nicht errichtet werden, bestehende Anlagen müssen hochwassersicher nachgerüstet werden. Ausgetretenes Heizöl kann bis zu 70 Prozent der Gebäudeschäden verursachen und Gewässer sowie Böden stark belasten. Die Bundesländer können zusätzliche Vorgaben zu baulichen Nutzungen und wassergefährdenden Stoffen erlassen. Seit dem 1. September 2021 gilt ein länderübergreifender Raumordnungsplan für den Hochwasserschutz.
Hochwasservorsorge ist dabei Aufgabe von Kommunen, Ländern, Bund, Privatpersonen und Unternehmen. Zur Informationsvorsorge gehört die Frage, ob das eigene Grundstück in einem Hochwasserrisiko- oder Überschwemmungsgebiet liegt, welche Warnungen und Wasserstandsprognosen bestehen und welche Maßnahmen Behörden empfehlen. Zur Bauvorsorge zählen das Hochlagern wertvoller Gegenstände und bauliche Anpassungen an Fundamenten, Wänden, Hausanschlüssen, Türen und Fenstern.
Eine zusätzliche Versicherung kann finanzielle Folgen begrenzen. Herkömmliche Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen decken Hochwasserschäden nicht automatisch ab; dafür ist eine freiwillige Elementarschadenversicherung erforderlich. Der GDV bietet mit dem „Hochwasser-Check“ eine Möglichkeit, das Flusshochwasserrisiko eines Grundstücks zu prüfen. 2021 waren in Deutschland 46 Prozent der Gebäude umfassend gegen Naturgefahren versichert.
Deiche und Hochwasserschutzmauern bleiben Teil einer umfassenden Vorsorge, schützen aber nur bis zu einem bestimmten Wasserstand und für eine begrenzte Hochwasserdauer. Absoluten Hochwasserschutz gibt es nicht. Bei einem Deichbruch oder dem Versagen anderer Schutzanlagen können besonders große Schäden entstehen. Außerdem können Deiche und Dämme den Abfluss beschleunigen, das Überflutungs
