An der Goethe-Universität Frankfurt steht ein tiefgreifender Umbau im Raum. Das Präsidium diskutiert einen Reformprozess, der die Universität verschlanken und Doppelstrukturen abbauen soll. Grundlage ist der Entwurf „Zukunftsfähigkeit gestalten – Rahmenkonzept für die Goethe-Universität als Stiftungsuniversität 2031+“.

Am Mittwoch beriet der Senat darüber unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zuvor war das Papier im Personalrat und bei einer Klausur der Dekaninnen und Dekane besprochen worden. Konkrete Einzelheiten wollte die Universität zunächst nicht bestätigen. Sie verwies auf die noch ausstehenden Beratungen in den universitären Gremien. Der Senat kündigte einen Prozess an, an dem alle Statusgruppen beteiligt werden sollen.

Sieben statt 16 Fachbereiche?

Das Präsidium um Universitätspräsident Enrico Schleiff begründet den Reformbedarf mit demografischem Wandel, Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und den finanziellen Rahmenbedingungen. Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft ließen sich nicht mit den bisherigen Strukturen bewältigen, erklärt die Universität. Zugleich erhöhten Kürzungen der Landesregierungen den Druck, den Wandel selbst zu gestalten.

Nach übereinstimmenden Berichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Frankfurter Rundschau sieht der Entwurf vor, die Zahl der Fachbereiche von 16 auf sieben zu senken. Institute sollen künftig acht bis 16 Professuren umfassen. Kleinere Institute, in denen teilweise nur zwei Professuren angesiedelt sind, könnten aufgelöst oder integriert werden. Die fünf geisteswissenschaftlichen Fachbereiche sollen auf zwei schrumpfen.

Im Gespräch sind außerdem Personalkürzungen von 15 Prozent in Forschung und Lehre sowie von 20 Prozent in der Verwaltung. Rund 60 Professuren könnten wegfallen, überwiegend in den Geisteswissenschaften. Für die Medizin enthält der Entwurf keine Sparvorgaben. Die FAZ berichtet, die Reform sei mit einer Bestandsaufnahme von Drittmitteln und Forschungsstärke der Fachbereiche eingeleitet worden – und sieht darin einen möglichen Hinweis auf eine Benachteiligung der Geisteswissenschaften.

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Die Hochschulleitung betont: Noch handelt es sich nur um einen Entwurf. In den kommenden Monaten soll er in einem partizipativen Prozess zu einem Entwicklungskonzept weiterentwickelt werden. Laut Frankfurter Rundschau sollen bis Ende 2026 mehrere Teams gebildet werden, die die Veränderungen bis zum vierten Quartal 2027 vorbereiten. Danach könnte das Konzept beschlossen werden. Die neuen Fachbereiche sollen zum Wintersemester 2028/2029 gegründet werden; bis 2032 soll die neue Organisationsstruktur vollständig operativ sein.

Widerstand gibt es bereits. Einige Hochschulakteure, darunter die Fachschaftenkonferenz, befürchten eine stärkere Machtkonzentration beim Präsidium. Im Senat wird neben dem Präsidiumsentwurf auch ein Alternativkonzept beraten.

30 Millionen Euro weniger im ersten Jahr

Der finanzielle Hintergrund reicht über Frankfurt hinaus. Am 17. Juli 2025 unterzeichneten die Leitungen der hessischen Hochschulen und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur den Hochschulpakt 2026–2031. Er regelt die Landesfinanzierung für diesen Zeitraum. Wegen geringerer Steuereinnahmen als prognostiziert sieht er erhebliche strukturelle Kürzungen vor.

Seit 2002 wird die Hochschulfinanzierung in Hessen über solche Pakte zwischen Land und Hochschulen organisiert. Der größte Teil kommt als Sockelbudget, das sich an den Studierendenzahlen von 2020 orientiert. Hinzu kommt ein Erfolgsbudget, dessen Höhe von Zielerreichungen in Forschung, Lehre, Gender und Internationalisierung abhängt.

2026 sinkt das Hochschulbudget um 30 Millionen Euro. Für die 14 staatlichen Hochschulen Hessens sind das zusammen rund 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. 2027 ist wieder das Budget von 2025 vorgesehen, ab 2028 sollen die Mittel steigen. Gleichzeitig werden die Erfolgsparameter neu geregelt. Tarifsteigerungen aus dem Jahr 2025 werden nicht vollständig finanziert, die Tarifsteigerung 2026 nur begrenzt kompensiert.

Ab 2027 übernimmt das Land erwartete Personalkostensteigerungen bis zu 2,5 Prozent sowie den Anteil oberhalb von vier Prozent im jeweiligen Folgejahr. Die Kostensteigerungen zwischen 2,5 und vier Prozent müssen die Hochschulen selbst tragen. Inflationsbedingte Sachkostensteigerungen werden nicht ausgeglichen. Das klingt nach einer Rechenzeile, landet aber am Ende bei Stellen, Kursen und Räumen.

Thomas Nauss, Sprecher der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien und Präsident der Universität Marburg, warnte vor einer bis Ende 2031 erwarteten Finanzierungslücke in dreistelliger Millionenhöhe. Steigende Personal- und Sachkosten dürften das Loch weiter vergrößern. Nach Angaben der hessischen Hochschulen starten sie bereits mit einem Defizit in die Laufzeit des Pakts: Frühere Budgetsteigerungen seien durch höhere Bau- und Energiekosten sowie zusätzliche Aufgaben vollständig aufgebraucht worden. Insgesamt rechnen die Hochschulen mit einem Defizit von etwa einer Milliarde Euro – rund zehn Prozent des Personalbudgets.

Weniger Plätze, weniger Spielraum

Über die sechs Jahre hinweg müssen die Hochschulen deshalb voraussichtlich Personal, Angebote und Strukturen reduzieren. Geplant ist, die Anpassungen im Austausch mit Fachbereichen und Hochschulgremien umzusetzen. Die Präsidenten der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt, der Frankfurt University of Applied Sciences und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt kritisieren Einsparungen von mehr als zehn Prozent.

In einer gemeinsamen Erklärung betonen sie die Bedeutung der Hochschulen für Fachkräftesicherung, Forschung, Innovation und die wirtschaftliche Entwicklung Hessens. Die Kürzungen könnten alle Fachbereiche treffen: Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften ebenso wie Natur- und Ingenieurwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin.

Unzufrieden sind die Hochschulleitungen auch mit der Berechnung des Sockelbudgets. Die Entwicklung der Studierendenzahlen werde nicht angemessen berücksichtigt. Hochschulen, die ihre Studierendenzahlen in den vergangenen fünf Jahren weitgehend gehalten haben, würden dadurch schlechter gestellt als Hochschulen mit rückläufigen Zahlen.

Goethe-Präsident Enrico Schleiff sagt, Hochschulen müssten grundsätzlich zur Haushaltskonsolidierung beitragen. Der neue Pakt führe jedoch ohne Übergangsphase und ohne Berücksichtigung früherer Leistungen kurzfristig zu starken Einschnitten. Die Goethe-Universität müsse ihre Planungen unter den neuen Bedingungen vorübergehend stark bremsen. Eine Verringerung der Studierendenzahl würde wegen ihrer Bedeutung als Finanzierungsparameter weitere Mittelkürzungen auslösen und den strategischen Spielraum zusätzlich einengen.

Kai-Oliver Schocke, Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences, verweist darauf, dass seine Hochschule ihre Studierendenzahl trotz eines landesweiten Rückgangs halten konnte. Wegen des Pakts müsse sie ihr Studienplatzangebot nun deutlich reduzieren.

Für die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst kündigt Präsident Elmar Fulda ab 2026 eine Reduzierung von Personal- und Sachkosten, verzögerte oder ausbleibende Wiederbesetzungen von Stellen sowie Einschränkungen bei Kunst, Forschung, Lehre und Verwaltung an. Die HfMDK erwartet eine langfristige Veränderung und einen dauerhaften Wettbewerbsnachteil bei der Gewinnung von Talenten.

TU-Präsidentin Tanja Brühl kritisiert, in den Verhandlungen habe zu wenig Zeit für Austausch und die Abwägung von Argumenten zur Verfügung gestanden. Die Kürzungen bedrohten aus ihrer Sicht die bisherigen Entwicklungen der TU Darmstadt in Forschung, Lehre, Ausgründungen und Wissenschaftskommunikation. Die TU will den Veränderungsprozess gemeinsam mit ihren Mitgliedern und Einrichtungen gestalten.

Die Präsidentinnen und Präsidenten der 14 hessischen Hochschulen erklärten bei der Unterzeichnung des Pakts, ihre grundsätzliche Kritik an den Kürzungen bleibe bestehen. Sie sehen die finanzielle Grundsicherung und Entwicklungsfähigkeit der Hochschulen gefährdet und lehnen den strukturellen Abbau des Hochschulsektors ab. Positiv bewerten sie, dass Einzelprogramme des Ministeriums in ein neues Sockelbudget überführt werden sollen. Das könne Bürokratie abbauen und mehr Flexibilität schaffen.

Unterzeichnet wurde der Pakt dennoch – um planbare Mindestressourcen zu sichern und Aufgaben in Forschung, Lehre, Kunst und Transfer trotz der Einschnitte erfüllen zu können. Die Hochschulen berufen sich dabei besonders auf die Zusage, bei einem wirtschaftlichen Aufschwung neue Verhandlungen aufzunehmen. Sollten dem Ministerium zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen, erwarten sie eine zeitnahe und angemessene Beteiligung.

Strukturen, Finanzierung, Governance

Der Wissenschaftsrat beschreibt Hochschulen als Einrichtungen mit