Ab dem 8. Mai 2026 dürfen sich Besucher im Bibelmuseum der Universität Münster auf eine besondere Sonderausstellung freuen. Unter dem Titel „Heilige Texte“ werden rund 100 Exponate aus einer Zeitspanne von etwa vier Jahrtausenden präsentiert. Ein Highlight ist ein Fragment eines Papyruskodex aus dem 4. Jahrhundert, das eine Kommentar zur Genesis von Origenes (185-254 n. Chr.) darstellt. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Oktober und bietet einen tiefen Einblick in die Historie der Bibel sowie die Entwicklung des Neuen Testaments.
Die Exponate der Ausstellung sind äußerst vielfältig und reichen von frühen Papyrusfragmente über prachtvoll gestaltete Bibeln bis hin zu archäologischen Funden, Ikonen, Figuren und Skulpturen. So wird unter anderem die älteste Ausstellungsstück, eine Tontafel mit sumerischer Keilschrift aus ca. 2000 v. Chr. zur Lobpreisung der Göttin Inana-Ischtar, zu sehen sein. Das jüngste Objekt ist die „Editio Critica Maior“ (ECM), die die ursprünglichen Texte des griechischen Neuen Testaments rekonstruieren möchte.
Einblicke in die Textforschung
Die Editio Critica Maior hat sich seit ihrer Initiierung als ein zentrales Projekt in der Textforschung etabliert. Das Institut für Neutestamentliche Textforschung (INTF) in Münster hat die Aufgabe, etwa 5.700 griechische Handschriften des Neuen Testaments zu erfassen, zu katalogisieren und zu erforschen. Diese wertvollen Manuskripte unterscheiden sich deutlich voneinander, weshalb die Rekonstruktion der ursprünglichen Textform eine besondere Herausforderung darstellt. Wie akademienunion.de erklärt, wird die ECM alle erreichbaren Manuskripte nutzen und auch Zitate aus alten christlichen Schriften sowie frühere Übersetzungen berücksichtigen.
Ein zentrales Problem in der Textforschung sind Kontaminationen, die durch Kopisten entstehen, die mehrere Vorlagen verwendeten. Die ECM nutzt hierfür eine neue computergestützte Methode, die es ermöglicht, die genealogische Struktur kontaminierter Überlieferungen zu erheben. Dies führt zu einem differenzierten Bild der Textgeschichte, das für die Rekonstruktion des Ausgangstextes von entscheidender Bedeutung ist.
Praktische Informationen zur Ausstellung
Die Sonderausstellung ist von dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet; am zweiten Freitag eines Monats sogar bis 22 Uhr. Der Eintritt ist frei und außerdem werden sonntags um 15 Uhr offene Führungen angeboten, für die keine Anmeldung notwendig ist. Für Schulklassen oder interessierte Erwachsene können individuelle Führungen unter der E-Mail-Adresse bibelmuseum@uni-muenster.de gebucht werden.
Mit einer Vielzahl an spannenden Exponaten und Erkenntnissen zur Textgeschichte verspricht die Ausstellung „Heilige Texte“ im Bibelmuseum der Universität Münster nicht nur für Interessierte der Bibel, sondern für alle Geschichtsliebhaber einen lohnenswerten Besuch.