Von der theologischen Fortbildung zur digitalen Methodensammlung für gute Hochschullehre
Wie lassen sich Texte sinnvoll in Lehrveranstaltungen einbinden? Welche Methode passt zu welchem Lernziel – und wie erklärt man sie einer großen Gruppe, ohne dass nach fünf Minuten nur noch die erste Reihe mitmacht? Mit solchen Fragen beschäftigten sich neun Lehrende des wissenschaftlichen Mittelbaus am 3. Juni 2016 bei der Fortbildung „Methodenkompetenz – Einsatz von hochschuldidaktischen Methoden in theologischen Seminaren“ an der Uni Münster. Unter den Teilnehmenden war auch ein Kollege der Evangelisch-Theologischen Fakultät.
Organisiert und geleitet wurde die Schulung von Dr. Barbara Zimmermann, Koordinatorin für Hochschuldidaktik an der Fakultät, und Dr. Martin Lüstraeten. In sechs Einheiten arbeiteten die Lehrenden an zuvor geäußerten Themenwünschen und schlüpften dabei teilweise selbst in die Rolle von Lernenden. Das ist mitunter eine ungewohnte Perspektive, gerade wenn man sonst vorne steht und den Ablauf bestimmt.
Vom Text bis zur Großgruppe
Am Vormittag ging es um die methodische Einbindung von Texten in Lehr-Lern-Einheiten sowie um den Einsatz von Methoden in Großgruppen. Am Nachmittag standen unter anderem die Abstimmung von Lernziel und Methode und die Anleitung von Methoden auf dem Programm.
Fachliche Inputs und kollegialer Austausch führten dabei mitten hinein in die Frage, was verschiedene Methoden leisten können – und wo ihre Grenzen liegen. Die Teilnehmenden bestimmten didaktische Funktionen, diskutierten Best-Practice-Beispiele für die theologische Hochschullehre und sammelten Anregungen für ihre eigene Lehre. Am Ende entstand eine theologiespezifische Methodensammlung für die Lehrvorbereitung.
Das Interesse war groß. Für das kommende Wintersemester war deshalb eine weitere Durchführung geplant, diesmal für alle Lehrenden der Fakultät. Unabhängig davon sollte im Herbst eine weitere hochschuldidaktische Fortbildung des Mittelbaus zum Thema „(De-)Motivation von Studierenden & Lerngruppendifferenzierung“ stattfinden. Weitere Informationen sollten später veröffentlicht werden.
Eine Sammlung, die weitergewachsen ist
Die 2016 veröffentlichte Sammlung bekam später ein digitales Update: Zum Start des Wintersemesters 2021/22 erschien die 2. Auflage der Methodensammlung für Dozierende der HHU. Anlass für die Überarbeitung war die durch die Corona-Pandemie bedingte Verlagerung der Lehre in digitale Formate. Die Hochschuldidaktik der HHU ergänzte die Sammlung um neue Anregungen für synchrone digitale Lehre, asynchrone digitale Lehre und Präsenzlehre.
Die Methodensammlung ist als Open Educational Resource (OER) verfügbar. Andere können sie dadurch weiterbearbeiten und verbreiten. Enthalten sind allgemeine Informationstexte und Beschreibungen verschiedener Lehrmethoden. Sie sollen Dozierende bei der Planung und Umsetzung didaktischer Konzepte unterstützen.
Zu jeder Methode finden sich unter anderem Lernziele, Hinweise zur Umsetzung im digitalen Setting und in Präsenz, Informationen zur Planung sowie Anwendungstipps; teilweise gibt es auch weiterführende Literatur. Die Methodensammlung steht zum Download bereit – praktisch, wenn die nächste Lehrveranstaltung näher rückt und die zündende Idee noch irgendwo zwischen Seminarplan und Kaffeetasse gesucht wird.
Viele Hände hinter dem Material
An der Erstellung wirkten Peter Bernardi (SeLL), Natalie Böddicker (SeLL), Elena Brinkmann (E-Learning-Office Medizin), Hanna Hauch (Studiendekanat Philosophische Fakultät), Bastian Malzkorn (Medizindidaktik), Erik Reidt (MMZ), Elisabeth Scherer (SeLL) und Klara Schneider (Studiendekanat Philosophische Fakultät) mit.
Die Münsteraner Fortbildung von 2016 und die spätere HHU-Neuauflage liegen zeitlich auseinander, gehören aber gedanklich zusammen: Lehrmethoden werden nicht einfach einmal festgelegt und dann abgeheftet. Sie werden ausprobiert, besprochen, an neue Lernziele angepasst – und, wie die Pandemie gezeigt hat, manchmal ziemlich abrupt in ein anderes Format übersetzt. Weitere Informationen zur Fortbildung sind über die Uni Münster abrufbar; die Neuauflage der Methodensammlung steht ebenfalls online zur Verfügung.
