In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland zahlreiche Synagogen. Auch die Osnabrücker Synagoge an der heutigen Alte-Synagogen-Straße wurde in Brand gesetzt. Jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden verhaftet, öffentlich angegriffen oder Opfer weiterer Gewalt.

Am 5. November 2026, wenige Tage vor dem diesjährigen Gedenktag, wirkt das Datum nicht wie ein ferner Eintrag im Geschichtsbuch. Die zentrale Osnabrücker Gedenkfeier findet am 9. November um 16:30 Uhr in der Aula des Schlosses Osnabrück statt. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums „In der Wüste“ gestalten sie mit dem szenischen, musikalisch begleiteten Spiel „Nie wieder ist jetzt!“. Im Mittelpunkt stehen die Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden – unter anderem am Beispiel des Osnabrückers Peter van Pels.

Gedenken mit Musik, Kunst und einem Gang durch die Stadt

Eine Ausstellung mit Kunstwerken ergänzt die Feier. Die Exponate entstanden im Rahmen der Auseinandersetzung mit Menschenwürde in Geschichte und Gegenwart. Schulen gestalten die zentrale Gedenkfeier jedes Jahr; diesmal stehen also Jugendliche auf der Bühne, lesen, spielen und musizieren.

Nach der Veranstaltung führt ein Gedenkgang zur zerstörten Synagoge an der Alten-Synagogen-Straße. Am Mahnmal „Alte Synagoge“ werden Kränze niedergelegt und Gebete gesprochen. Für den Besuch in der Aula ist eine Anmeldung erforderlich.

Die Synagoge der jüdischen Gemeinde stand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an der Rolandstraße 3–5, deren betreffender Abschnitt heute Alte-Synagogen-Straße heißt. Bereits im Mittelalter gab es Synagogen in Osnabrück, unter anderem in der später in Marienstraße umbenannten Schweinestraße und in der Redlingerstraße. Beide mittelalterlichen Gebäude sind nicht erhalten.

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Die mehrgeschossige Synagoge mit ihrer Kuppel errichtete der Kölner Architekt Sigmund Münchhausen im Stil des Historismus. Die Grundsteinlegung erfolgte am 12. September 1905, die Einweihung am 13. September 1906. Männer und Frauen saßen getrennt; außerdem besaß das Gotteshaus eine Orgel. Auf dem Grundstück stand ein separates vierstöckiges Gebäude mit jüdischer Schule und Wohnungen.

Direkt nebenan lag das Regierungsgebäude, das 1893–1896 als Sitz der Königlich-Preußischen Regierung errichtet worden war. Ab 1937 bemühten sich Stadt und Regierungspräsident um das Grundstück: Das Regierungsgebäude sollte erweitert werden, zugleich sollte die Gestapo im Osnabrücker Schloss mehr Raum für Gefangenenhof und Garagen bekommen. Geplant war, die als finanziell geschwächt bezeichnete jüdische Gemeinde für etwa 74.000 Reichsmark zum Verkauf zu bewegen und das rund 1.600 m² große Grundstück nach dem Abriss dem Staat gegen 10.000 Reichsmark zu überlassen. Eine Ortsbegehung fand laut Vermerk des Finanzministeriums am 20. Juni 1938 statt.

Der Novemberpogrom und die Folgen in Osnabrück

Während des Novemberpogroms wurde die Synagoge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von SA-Trupps geschändet, geplündert und angezündet. Die Feuerwehr wurde an den Löscharbeiten gehindert und durfte sich darauf beschränken, umliegende Gebäude zu schützen. Das Gebäude wurde durch den Brand beschädigt, aber nicht vollständig zerstört.

90 Gemeindemitglieder wurden noch am selben Tag im Gestapo-Keller inhaftiert und wenige Tage später in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Oberbürgermeister Erich Gaertner verfügte am 9. November 1938 unter Berufung auf „baupolizeiliche Gründe“ den Abriss.

Danach ging es nicht nur um Zerstörung, sondern auch um Geld und Eigentum. Die Stadtsparkasse Osnabrück hatte eine Hypothek von 18.254,11 Reichsmark auf dem Grundstück. Wegen einer offenen Forderung von 2.000 Reichsmark beantragte sie am 11. November 1938 einen Zahlungsbefehl. Nachdem die Zahlung ausblieb, folgte am 14. November der Antrag auf Zwangsvollstreckung. Die Zwangsversteigerung von Synagoge und Schulgebäude wurde für den 2. März 1939 angesetzt; der gerichtliche Grundstückswert betrug 65.000 Reichsmark. Den Zuschlag erhielt die Stadtsparkasse für 850 Reichsmark.

Mit Vertrag vom 23. November 1939 übergab sie das Grundstück der Regierung für einen Erweiterungsbau, die Stadt erstattete der Sparkasse die entstandenen Kosten. Im Gegenzug übertrug die Regierung der Stadt gewünschte Flächen am Schloss. Im Schulgebäude bezogen Büros der Hitlerjugend und der Kriegsgräberfürsorge Quartier; Wohnungen und Dach wurden provisorisch instand gesetzt. Die Erweiterung des Regierungsgebäudes wurde zunächst verschoben.

Im Oktober 1945 gründete sich die Israelitische Gemeinde neu. Sie erhielt das Grundstück vorläufig zurück und nutzte das Schulgebäude als Bet- und Wohnhaus. Im November 1949 beantragte sie die Rückerstattung, scheiterte jedoch an den Erweiterungsplänen der Regierung und deren angeführten städtebaulichen Gründen. 1952 wurde das Grundstück der Jewish Trust Corporation übertragen, mit der die Israelitische Gemeinde über seine Nutzung in Konflikt geriet. 1954 kaufte die Regierung das Grundstück von der Jewish Trust Corporation und errichtete einen Anbau an das Regierungsgebäude.

Erinnerungsorte, neue Synagoge und Peter van Pels

Eine erste Gedenkanlage am ehemaligen Synagogenstandort entstand 1949/1950. 1978 wurden am Erweiterungsbau des Regierungsgebäudes drei Gedenktafeln angebracht: eine Darstellung der Synagoge sowie deutsche und hebräische Inschriften zur Erinnerung an ihre Zerstörung am 9. November 1938. Gleichzeitig wurde ein Abschnitt der Rolandstraße in Alte-Synagogen-Straße umbenannt. Der Standort der Tafeln am Regierungsgebäude wurde später wiederholt kritisiert.

Bei der Gedenkveranstaltung am 9. November 1989 übergab Bürgermeisterin Ursula Flick eine rekonstruierte Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Die ursprüngliche Tafel mit den Namen von sieben Gefallenen war beim Brand der Synagoge 1938 zerstört worden.

Auf den Grundmauern der ehemaligen jüdischen Schule entstand 2004 das „Mahnmal Alte Synagoge“. Mehr als 120 Berufsschüler und Auszubildende wirkten am Bau mit. Seit 2007 werden in Osnabrück Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt, darunter Angehörige der früheren jüdischen Gemeinde, etwa vor dem Haus der Familie Silbermann in der Neuen Straße 20.

Die Israelitische Gemeinde baute 1967–1969 in der Straße „In der Barlage“ eine neue Synagoge mit Gemeindezentrum und Wohnungen. Architekt war Hermann Zvi Guttmann aus Frankfurt. Die orthodoxe Synagoge sieht ebenfalls eine Trennung von Frauen und Männern vor. Grundsteinlegung war am 11. Dezember 1967, die Einweihung am 1. Juni 1969. 2008/2010 wurde das Gebäude für 3,6 Millionen Euro erweitert. Hintergrund war das Wachstum der Gemeinde auf mehr als 1.000 Mitglieder nach dem Zuzug von Kontingentflüchtlingen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ab 1991.

Der frühere Standort ist heute auch mit Kunst und Museum verbunden. Der Osnabrücker Maler Felix Nussbaum, geboren 1904 und 1944 in Auschwitz ermordet, porträtierte sich 1926 gemeinsam mit dem Vorbeter Elias Abraham Gittelsohn in der Synagoge. Sein Gemälde „Die beiden Juden (‚Inneres der Synagoge in Osnabrück‘)“ stellt den Innenraum detailgenau dar und befindet sich als Leihgabe im Felix-Nussbaum-Haus. Das von Daniel Libeskind entworfene und 1998 fertiggestellte Museum weist mit einem Trakt auf den Standort der ehemaligen Synagoge und des Regierungsgebäudes hin. Das frühere Regierungsgebäude ist seit 2004 Sitz der Polizeidirektion Osnabrück.

Peter van Pels war ein Junge aus Osnabrück, in den sich Anne Frank im Amsterdamer Versteck verliebte. Er starb mit 18 Jahren im Konzentrationslager M