Wie steht es um die digitalen Kompetenzen der Schüler*innen in Deutschland? Diese Frage gewinnt angesichts der neuesten Ergebnisse aus der „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) an Brisanz. Eine aktuelle Analyse, durchgeführt von Wissenschaftler*innen des DIPF, der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Paderborn, zeigt, dass sich die sozialen Unterschiede in den digitalen Fähigkeiten von Achtklässler*innen in den letzten zehn Jahren kontinuierlich vergrößert haben. Laut Uni Paderborn lag der Unterschied in den digitalen Kompetenzen zwischen privilegierten und weniger privilegierten Familien 2013 noch bei 43 Punkten, ist bis 2023 jedoch auf 66 Punkte gestiegen.

Besonders auffällig ist, dass Schüler*innen aus wohlhabenderen Verhältnissen mithilfe kultureller Faktoren wie der Anzahl der Bücher im Elternhaus bessere Ergebnisse erzielen. Während 2013 Schüler*innen aus Familien mit über 200 Büchern 66 Punkte mehr erreichten als ihre Altersgenossen mit weniger als 25 Büchern, ist dieser Abstand bis 2023 auf 86 Punkte angestiegen. Auch die Schulart spielt eine erhebliche Rolle: Gymnasiasten erzielten im Jahr 2013 65 Punkte mehr als Schüler*innen anderer Schularten, 2023 sind es bereits 85 Punkte. Dies wirft ein Schlaglicht auf die ungleiche Verteilung der digitalen Kompetenzen und erfordert dringende Maßnahmen zur Beseitigung dieser Diskrepanzen.

Wachsendes Ungleichgewicht und die Auswirkungen der Coronapandemie

Ein möglicher Faktor für diese Verschärfung könnte die Coronapandemie sein, die den Fokus auf digitale Fähigkeiten in der Ausbildung verstärkt hat. Trotz verbesserter technologischer Ausstattung in Schulen und der gestiegenen Nutzung digitaler Medien durch Lehrkräfte zeigt die ICILS 2023 keinen automatischen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit digitaler Nutzung und besseren Kompetenzen. Laut Deutsches Schulportal hat sich die allgemeine Situation der digitalen Bildung zwar leicht verbessert, doch 40% der Schüler*innen haben in der Schule kein WLAN.

Die Analyse von ICILS verdeutlicht, dass die digitale Normalität in Schulen keineswegs ein Automatismus ist. Während an nicht gymnasialen Schulen ein Rückgang der Kompetenzen zu verzeichnen ist, zeigen Gymnasien stabilere Ergebnisse. Hierbei steht der Lehrkräftemangel an nicht gymnasialen Schulen, der ausgeprägter als an Gymnasien ist, im Fokus. Dies könnte das Ungleichgewicht weiter intensivieren, da die digitalen Anforderungen dort häufig unterschätzt werden. Mehr als 40% der Schüler*innen erreichen nur die unteren zwei Kompetenzstufen, während dieser Anteil an nicht gymnasialen Schulen sogar bei 50% liegt.

Die Notwendigkeit weiterer Forschung und praxisorientierter Lösungen

Laut den Ergebnissen ist es dringend notwendig, die soziale Ungleichheit bei der Verteilung digitaler Kompetenzen anzugehen. Um den Herausforderungen zu begegnen, empfehlen Bildungsforscher*innen, dass Schulen in herausfordernden Lagen zusätzliche Unterstützung erhalten und dass Schüler*innen möglichst mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. 90% der Schüler*innen sind zudem der Meinung, dass Schulen eine zentrale Rolle in der Vermittlung digitaler Kompetenzen spielen sollten.

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Die aktuellen Studienergebnisse legen nahe, dass eine Vielzahl an Faktoren die Entwicklung der digitalen Kompetenzen beeinflusst. Die Herausforderungen sind dabei nicht nur struktureller Natur, sondern betreffen auch die Qualität des Lehrens und Lernens. Während im Bereich der digitalen Bildung also noch viel Handlungsbedarf besteht, ist es für die Zukunft essenziell, dass weitere Forschungen in diesem Bereich erfolgen, um belastbarere Aussagen zu erhalten und effektive Maßnahmen zu entwickeln.