„Friday Night“ an der Paderborner Studiobühne: Ein Damentribunal mit Herrenopfer
Die Paderborner Studiobühne zeigt Oliver Bukowskis „Friday Night – Damenkomödie mit Herrenopfer“. Heute, am 16. Oktober 2026, steht das Stück an der Uni Paderborn im Mittelpunkt; nach der Premiere sind bis zum 16. Januar 2027 sieben weitere Aufführungen geplant.
Im Zentrum steht ein langjähriger Freundeskreis: Kittie, Krüger, Britta und Nathalie treffen sich monatlich zum Austausch von Kleidung und Klatsch. Sekt gehört dazu, offenbar nicht bloß als Nebensache. Zwischen Midlife-Krisen, Ärger mit Männern und den Zumutungen des Alltags suchen die vier Frauen nach einem Ventil.
Ein Mann fürs Tribunal
Der zufällig ausgewählte Jan wird abgeschleppt und vor das „Damentribunal“ gebracht. Dort soll er von seinen Erfahrungen erzählen. Was zunächst wie ein Spiel beginnt, entwickelt sich zu einer Geschlechterdiskussion, die zwischen Tiefenpsychologie und Polemik hin- und herspringt.
Schnelle Dialoge, Handgreiflichkeiten und verletzliche Momente bestimmen die Inszenierung. Die fünf Figuren stehen ständig miteinander in Kontakt und reagieren mit präzisem Timing aufeinander. Mal knallt es, mal kippt die Stimmung, mal wird es plötzlich still – und dann ist da wieder dieser Sekt.
Sonja Dinkelaker spielt Krüger, Maryia Parechyna Kittie Weißflog, Fatima Akgül Britta Nora Lehmann und Felina Queseleit Natalie. Till Vonderlage übernimmt die Rolle des Jan Werner Bornschein, des „Herrenopfers“.
Vom Kostüm bis zum Ton
Regie führt Studiobühnenleiter Sascha Löschner, unterstützt von Regieassistentin Sophie Kersting. Mabel Sue Walter verantwortet das Kostümbild. Jolin Piech arbeitet als Requisiteurin; Tim Hartwig und Sebastian Waddell übernehmen Licht und Ton.
„Friday Night“ wurde 2010 uraufgeführt. Die Paderborner Studiobühne setzt damit ein Stück auf den Spielplan, das seine Reibung nicht versteckt: vier Freundinnen, ein unfreiwilliger Gesprächspartner und jede Menge Material für Streit, Spott und offene Wunden.
Regulär kosten die Tickets 12 Euro. Studierende, Auszubildende und Menschen mit Behindertenausweis zahlen 8 Euro. Weitere Informationen gibt es unter www.uni-paderborn.de/studiobuehne.
Ein Autor zwischen Bühne, Hörspiel und Fernsehen
Oliver Bukowski wurde am 6. Oktober 1961 in Cottbus geboren. Der deutsche Dramatiker und Hörspielautor studierte Philosophie mit Schwerpunkt Sozialpsychologie und Motivationsforschung. Im Rahmen eines Promotionsstipendiums beschäftigte er sich mit Medienwirkungsforschung. Ab 1990 begann er, vermittelt durch den Dramaturgen Jörg Mihan, erste Texte zu schreiben. Seitdem verfasst er vor allem Theaterstücke, Hörspiele und Drehbücher.
Auch als Dozent ist Bukowski tätig: Von 1999 bis 2010 war er ständiger Dozent beziehungsweise Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin im Studiengang Szenisches Schreiben. Seit 2004 lehrt er bei „Forum Text“, dem Lehrgang für Szenisches Schreiben von uniT Graz. Seit 2012 ist er ständiger Gastdozent an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Sein Sohn Pit ist Schauspieler.
Zu Bukowskis Veröffentlichungen zählen Der Heiler und andere Monologe (Matthes & Seitz Berlin, 2011), Friday Night (E-Book, 2013), Nature & Friends (E-Book, 2013), Ich habe Bryan Adams geschreddert (E-Book, 2013), Letzte Menschen (E-Book, 2015) und Das Konzept romantischer Liebe (epubli, 2015).
Sein Theaterdebüt Die Halbwertszeit der Kanarienvögel wurde am 30. Juni 1991 an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt uraufgeführt. Es folgten unter anderem Inszenierung eines Kusses (25. September 1992, Hans-Otto-Theater Potsdam), Das Lachen und Das Streicheln des Kopfes (13. Oktober 1992, Theater 89, Berlin), Burnout (21. Mai 1992, Theater zum Westlichen Stadthirschen, Berlin), Londn-L.Ä.-Lübbenau (15. Mai 1993, Brandenburgisches Staatstheater Cottbus), Intercity (28. Januar 1993, Freie Kammerspiele Magdeburg) und Ob so oder so (3. März 1994, Hans-Otto-Theater Potsdam).
Weitere Uraufführungen waren Die Elche, die Antilopen (15. September 1995, Niedersächsisches Staatstheater Hannover), Bis Denver (29. März 1996, Theater Gera/Altenburg), das Kurzdrama Lakoma (23. November 1996, Staatstheater Cottbus), Goodbye Lucy Hello Lucy (28. November 1996, Freie Kammerspiele Magdeburg), Nichts Schöneres (23. Januar 1998, Theater Schwerin), Hinter den Linien (Kurzdrama, 5. September 1998, Kleist-Theater Frankfurt/Oder) und Gäste (18. Februar 1999, Staatstheater Braunschweig).
Auf der Bühne folgten Nature & Friends (3. April 2001, Theater Hamburg-Altona), It works! (Geht nicht geht nicht) (15. Juni 2001, Theater 89 in Berlin, mit 160 Darstellern), Allerseelen rot (23. September 2001, Staatsschauspiel Dresden), Stand by (28. April 2004, Deutsches Theater Berlin), Steinkes Rettung (27. Oktober 2005, neues theater Halle), Nach dem Kuss (Statisten) (31. Mai 2006, Kooperation Ruhrfestspiele Recklinghausen/Theater 89), Bowling Alone (16. Mai 2007, Kooperation Ruhrfestspiele Recklinghausen/Hamburger Schauspielhaus) und Kritische Masse (19. Februar 2009, Hamburger Schauspielhaus).
Die Uraufführung von Friday Night fand am 5. September 2010 im Theater Osnabrück statt. Im selben Jahr kam Wenn ihr euch totschlagt, ist es ein Versehen, nach Motiven Heinrich von Kleists, am 24. Mai bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen und am Hamburger Schauspielhaus heraus. Danach entstanden Der Heiler (Monolog, 9. Januar 2011, Deutsches Theater Berlin), Wer ist die Waffe, wo ist der Feind (Stückauftrag zum Thema „1913“, 23. Mai 2013, Ruhrfestspiele Recklinghausen/Wolfgang-Borchert-Theater Münster), Ich habe Bryan Adams geschreddert (22. Februar 2014, Deutsches Theater Göttingen), Indianer (Tragikomödie, 7. November 2014, Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau) und Taliban (Kurzstück für einen Kindertheaterabend, 17. Juni 2015, Theater Chemnitz).
Später kamen Birkenbiegen (24. September 2016, Neue Bühne Senftenberg), Letzte Menschen (26. Mai 2017, Ruhrfestspiele Recklinghausen), Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung (9. Mai 2018, Ruhrfestspiele Recklinghausen/Deutsches Nationaltheater Weimar), Das Konzept romantischer Liebe (3. November 2018, Kleine Komödie Warnemünde), Wer seid ihr (26
