Fünf Jahre „Paderporn“ – das wird in Paderborn nicht mit einem verlängerten Festivalwochenende gefeiert, sondern mit einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Five Years of Fun“. Sie läuft bis Januar 2027, weitere Termine sollen noch folgen. Der Auftakt findet am Mittwoch, 21. Oktober, an der Universität Paderborn statt. Heute, am 19. Oktober 2026, bleibt also nicht mehr viel Zeit, sich den Abend freizuhalten.

Gezeigt wird Gerard Damianos Deep Throat aus den USA von 1972, und zwar als analoge 16-mm-Kopie. Ab 19 Uhr ist Empfang, der Film beginnt gegen 19:45 Uhr. Gerard Damiano Jr., der Sohn des Regisseurs, wird per Zoom zugeschaltet und in den Film einführen.

Der Abend nimmt einen Film in den Blick, der das sogenannte White-Coater-Genre medizinisch aufgemachter Sexfilme aufgreift und weibliche Lust ins Zentrum stellt. Deep Throat löste Debatten über weibliche sexuelle Befreiung, die feministische „PorNO“-Bewegung und das Phänomen „Porno Chic“ aus.

Ein Film, der weit über das Kino hinausreichte

Deep Throat ist ein US-amerikanischer Pornofilm von Gerard Damiano, der auch das Drehbuch schrieb. In den Hauptrollen sind Linda Lovelace, bürgerlich Linda Boreman, und Harry Reems zu sehen. Der Titel wurde namensgebend für die dargestellte Sexualpraktik „Deepthroating“ beziehungsweise „Throatgagging“.

Die etwa 20-jährige Linda berichtet, noch nie einen Orgasmus gehabt zu haben. Ihre Freundin Helen kann ihr nicht helfen; ein von Helen organisierter Gruppensex befriedigt nur Helen selbst. Schließlich untersucht Dr. Young sie mit einem Fernrohr und stellt fest, dass Lindas Klitoris nicht an der üblichen Stelle liegt – sondern in ihrer Kehle. Linda findet daraufhin durch Oralsex sexuelle Erfüllung, arbeitet als Assistentin von Dr. Young und befriedigt auch dessen Patienten. Am Ende schläft sie mit einem Mann, der ihr zuvor einen Heiratsantrag gemacht hat.

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Gedreht wurde in Florida innerhalb von sechs Tagen, als Low-Budget-Produktion mit einem angegebenen Budget von 22.500 US-Dollar. Finanziert wurde sie von Produzent Louis „Butchie“ Peraino mit Geldern der Colombo-Familie, einer der fünf New Yorker Mafiafamilien. Die Schätzungen zu den weltweiten Einnahmen reichen von 100 Millionen US-Dollar laut FBI bis zu 600 Millionen US-Dollar. Den Angaben zufolge floss das Geld überwiegend an Mitglieder der organisierten Kriminalität zurück.

Filmkritiker Roger Ebert erklärte die hohe Schätzung unter anderem damit, dass viele US-Pornokinos in den 1970er-Jahren Mafiamitgliedern gehört und zur Geldwäsche gedient hätten. Nach Eberts Darstellung spielte der Film bei Herstellungskosten von 25.000 US-Dollar 600 Millionen US-Dollar ein und wäre damit der profitabelste Film überhaupt. Zum Vergleich nennt der Artikel Titanic, dessen Kosten-Einnahmen-Verhältnis bei weniger als 1:10 liege.

Der Erfolg hatte eine raue Kehrseite. US-amerikanische Staatsanwaltschaften leiteten Verbotsverfahren ein; in mehr als der Hälfte der US-Bundesstaaten durfte der Film nicht gezeigt werden. Das FBI ging gegen die Beteiligten vor. Harry Reems wurde als erster US-Schauspieler wegen seiner Arbeit zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Die zunächst verhängte Haftstrafe von fünf Jahren wurde in zweiter Instanz aufgehoben.

Die Verfahren brachten dem Film große Aufmerksamkeit in den Printmedien, unter anderem berichtete die New York Times ausführlich. Das Filmplakat von 1972 warb mit dem Satz: „Wie weit muss ein Mädchen gehen, um ihr Kribbeln zu erwecken?“

„Porno Chic“ und ein belastetes Erbe

Der Film gilt als einflussreich, weil er Pornografie aus den Bahnhofskinos einem breiteren Publikum zugänglich machte. Zusammen mit Behind the Green Door trug er zum „Porno-Chic“-Boom der 1970er-Jahre bei: Pornofilme liefen in normalen Kinos, Zuschauer kamen teils auch, um anschließend darüber zu diskutieren. In der Liste „101 Greatest Adult Tapes of All Time“ des Branchenmagazins AVN belegt Deep Throat Platz 41.

Außerhalb der Pornofilm-Fankreise wurde der Titel auch durch den Decknamen „Deep Throat“ bekannt. Ein Journalist gab diesen Namen Mark Felt, der Carl Bernstein und Bob Woodward bei der Aufdeckung der Watergate-Affäre informierte. Erwähnt oder referenziert wurde der Film unter anderem in King Kong (1976), Kentucky Fried Movie (1977), Der Eissturm (1997), Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht (2006) und der Serie Akte X (ab 1993).

Die Entstehungsgeschichte wurde in der Filmbiografie Lovelace nacherzählt. Mona Hatoum bezog sich mit ihrer Videoinstallation Deep Throat von 1996 auf den Film. Im August 2005 kam die Dokumentation Inside Deep Throat in die Kinos.

Linda Boreman verteidigte den Film und seine Macher zunächst öffentlich. In ihrer 1980 veröffentlichten Autobiografie Ordeal, deren deutsche Ausgaben unter den Titeln Die Wahrheit über Deep Throat und später Ich packe aus erschienen, schilderte sie jedoch schwere Vorwürfe gegen ihren damaligen Ehemann Chuck Traynor. Er habe sie unter Androhung von Waffengewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen, sie anschließend wie eine Sklavin gehalten und wiederholt misshandelt. Außerdem habe er sie zum Geschlechtsverkehr mit Hunden gezwungen, ihr beigebracht, den Würgereflex zu unterdrücken, um beim Oralverkehr einen vollständigen Penis aufzunehmen, und ihr Honorar von 1.200 US-Dollar für Deep Throat einbehalten.

Boreman zufolge hielt sich die Filmcrew während einer Misshandlung in einem Nebenzimmer auf, griff aber nicht ein, obwohl sie laut um Hilfe rief. Am folgenden Tag bemerkte Gerard Damiano Hämatome an ihren Beinen, protestierte dagegen und ließ die Spuren anschließend überschminken. Diese Angaben gehören zu dem schwierigen Hintergrund, vor dem die Vorführung in Paderborn stattfindet.

Auch die spätere öffentliche Auseinandersetzung riss nicht ab. Der niederländische öffentlich-rechtliche Sender BNN strahlte Deep Throat am 23. Februar 2008 im Rahmen eines Themenabends zu Pornografie und Jugend aus. Begleitend liefen eine Sondersendung der BNN-Reihe Spuiten en Slikken sowie die Dokumentation Inside Deep Throat des Senders VPRO. BNN erklärte, Jugendliche sollten sich dadurch ein eigenes Urteil über Pornografie bilden können.

Jugend- und Familienminister André Rouvoet von der ChristenUnie forderte die Verantwortlichen auf, auf die Ausstrahlung zu verzichten. Medienminister Ronald Plasterk verwies auf die Pressefreiheit und erklärte, ein Sendeverbot sei nicht möglich. Abgeordnete der Christdemokraten sowie zweier kleinerer christlicher Parteien lehnten die Ausstrahlung ebenfalls ab. Der frühere D66-Abgeordnete Boris van der Ham erklärte 2012, BNN habe seiner Ansicht nach das Recht gehabt, den Film auszustrahlen. Der VVD-Abgeordnete Johan Remkes bezeichnete es als unangemessen, wenn ein Minister ein moralisches Urteil über einen Film äußere. Die Ausstrahlung erreichte 907.000 Zuschauer und stellte damit keine Rekordquote auf.

Weitere Abende bis Januar 2027

Im November geht die Reihe weiter. Am Mittwoch, 11. November, steht Forbidden Letters (1979) von Arthur J. Bressan Jr. auf dem Programm. Der Film handelt von einem Mann, der auf die Haftentlassung seines Geliebten wartet und nicht abgeschickte Briefe liest. Bressan gilt als wichtiger Vertreter des schwulen Independent- und Pornokinos der 1970er- und 1980er-Jahre. Die Vorführung findet begleitend zu einem Seminar über Bressan statt.

Am Donnerstag, 19. November, werden an der Universität deutsche Zeichentrickpornos aus den 1970er-Jahren auf