Friday Night an der Studiobühne Paderborn: Vier Frauen stellen einen Mann zur Rede
Vier Frauen, ein monatlicher „Weiber-Abend“ und reichlich Gesprächsstoff: An der Studiobühne Paderborn ist Oliver Bukowskis Komödie „Friday Night“ gestartet. Die Inszenierung verbindet ein Kammerspiel mit hohem Tempo und Klamauk – mit Schampus, Likörchen und sogar einem Elektroschocker auf der Bühne.
Die vier treffen sich regelmäßig, weil ihre Paar- und Familienbeziehungen unbefriedigend sind oder sie dauerhaft als Singles leben. Bei den Abenden tauschen sie Kleidung und persönliche Probleme aus, reden offen über Männer und Beziehungen. Diesmal soll es anders laufen: Nattchen schlägt vor, den Abend „vom Schwanz her aufzuzäumen“ und einen Mann einzubeziehen.
Ein Mann auf dem Prüfstand
Jan wird direkt von der Straße in die Veranstaltung gelockt. Vor dem alkoholisierten Tribunal der vier Frauen soll er die Männerwelt verteidigen. Das klingt zunächst nach einem klaren Auftrag, wird für Jan aber schnell zur Falle. Im Verlauf der Befragung redet er sich zunehmend um Kopf und Kragen.
Die Komödie schildert den Geschlechterkonflikt mit pointierten Dialogen und Situationskomik. Zugleich geht es um die Debatte über Geschlechterrollen. Die vier Frauen betrinken sich am Ende stark mit Schampus und Likör – und die Beziehungen sowie Gegensätze zwischen Frauen und Männern bleiben ungeklärt, eher gesagt: ordentlich in Unordnung.
Im Artikelbild sind Felina Queseleit, Sonja Dinkelaker, Mascha Mirova, Fatima Akgül und Till Vonderlage zu sehen. Der Bericht über den Start an der Studiobühne Paderborn erschien am 18. Oktober 2026 um 14:13 Uhr.
Ein Stück mit Vorgeschichte
Oliver Bukowski, geboren am 6. Oktober 1961 in Cottbus, ist deutscher Dramatiker und Hörspielautor. Er studierte Philosophie mit Schwerpunkt Sozialpsychologie und Motivationsforschung und arbeitete im Rahmen eines Promotionsstipendiums zur Medienwirkungsforschung. Ab 1990 begann er, vermittelt und ermutigt durch den Dramaturgen Jörg Mihan, erste Texte zu schreiben. Seitdem verfasst Bukowski vor allem Theaterstücke, Hörspiele und Drehbücher.
Auch als Dozent war er tätig: Von 1999 bis 2010 arbeitete er als ständiger Dozent beziehungsweise Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin im Studiengang Szenisches Schreiben. Seit 2004 ist er Dozent bei „Forum Text“, dem Lehrgang für Szenisches Schreiben von uniT Graz, seit 2012 außerdem ständiger Gastdozent an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Sein Sohn Pit ist Schauspieler.
Vom Theater bis zum Hörspiel
Zu Bukowskis Veröffentlichungen gehören Der Heiler und andere Monologe (Matthes & Seitz Berlin, 2011), die E-Books Friday Night, Nature & Friends und Ich habe Bryan Adams geschreddert von 2013, Letzte Menschen (E-Book, 2015) sowie Das Konzept romantischer Liebe (epubli, 2015).
Sein Theaterwerk reicht von Die Halbwertszeit der Kanarienvögel (UA 30. Juni 1991, Uckermärkische Bühnen Schwedt), Inszenierung eines Kusses (UA 25. September 1992, Hans-Otto-Theater Potsdam), Das Lachen und Das Streicheln des Kopfes (UA 13. Oktober 1992, Theater 89, Berlin) sowie Burnout (UA 21. Mai 1992, Theater zum Westlichen Stadthirschen, Berlin) über Londn-L.Ä.-Lübbenau (UA 15. Mai 1993, Brandenburgisches Staatstheater Cottbus), Intercity (UA 28. Januar 1993, Freie Kammerspiele Magdeburg), Ob so oder so (UA 3. März 1994, Hans-Otto-Theater Potsdam), Die Elche, die Antilopen (UA 15. September 1995, Niedersächsisches Staatstheater Hannover), Bis Denver (UA 29. März 1996, Theater Gera/Altenburg), Lakoma (Kurzdrama, UA 23. November 1996, Staatstheater Cottbus), Goodbye Lucy Hello Lucy (UA 28. November 1996, Freie Kammerspiele Magdeburg), Nichts Schöneres (UA 23. Januar 1998, Theater Schwerin), Hinter den Linien (Kurzdrama, UA 5. September 1998, Kleist-Theater Frankfurt/Oder) und Gäste (UA 18. Februar 1999, Staatstheater Braunschweig).
Es folgten Nature & Friends (UA 3. April 2001, Theater Hamburg-Altona; die Wiener Nachinszenierung erhielt den Pegasus-Preis 2001), It works! (Geht nicht geht nicht) (als Theaterstück uraufgeführt am 15. Juni 2001 in Berlin mit 160 Darstellern), Allerseelen rot (UA 23. September 2001, Staatsschauspiel Dresden), Stand by (UA 28. April 2004, Deutsches Theater Berlin), Steinkes Rettung (UA 27. Oktober 2005, neues theater Halle), Nach dem Kuss (Statisten) (UA 31. Mai 2006, Kooperation von Ruhrfestspielen Recklinghausen und Theater 89), Bowling Alone (UA 16. Mai 2007, Kooperation von Ruhrfestspielen Recklinghausen und Hamburger Schauspielhaus) und Kritische Masse (UA 19. Februar 2009, Hamburger Schauspielhaus).
Friday Night wurde am 5. September 2010 am Theater Osnabrück uraufgeführt. Ebenfalls 2010 kam Wenn ihr euch totschlagt, ist es ein Versehen nach Motiven von Heinrich von Kleist bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen und am Hamburger Schauspielhaus heraus. Danach folgten Der Heiler (Monolog, UA 9. Januar 2011, Deutsches Theater Berlin), Wer ist die Waffe, wo ist der Feind (UA 23. Mai 2013, Ruhrfestspiele Recklinghausen/Wolfgang-Borchert-Theater Münster), Ich habe Bryan Adams geschreddert (UA 22. Februar 2014, Deutsches Theater Göttingen), Indianer (Tragikomödie, UA 7. November 2014, Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau), Taliban (Kurzstück für Kinder, UA 17. Juni 2015, Theater Chemnitz), Birkenbiegen (UA 24. September 2016, Neue Bühne Senftenberg), Letzte Menschen (UA 26. Mai 2017, Ruhrfestspiele Recklinghausen), Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung (UA 9. Mai 2018, Ruhrfestspiele Recklinghausen/Deutsches Nationaltheater Weimar), Das Konzept romantischer Liebe (UA 3. November 2018, Kleine Komödie Warnemünde) und Wer seid ihr (UA 26. April 2019, Landesbühne Sachsen in Radebeul).
Hinzu kamen Warten auf’n Bus, die Theaterfassung der Fernsehserie (UA 18. November 2021, Theater Bielefeld), Der Sohn (UA 1. April 2022, Neue Bühne Senftenberg) und Na, wenigstens betrachten wir denselben Mond (UA 21. September 2023, Junges Theater Göttingen).
Für Film und Fernsehen schrieb Bukowski unter anderem Chiquita for Ever, einen Kurzfilm von 1999 unter der Regie von Annekatrin Hendel, der das FSK-Prädikat „wert
