Studierende der Uni Passau fordern klare Haltung gegen Rechtsextremismus
Vor kurzem sorgte ein offener Brief der Studierendenschaft der Universität Passau für Aufsehen. In diesem Schreiben, das von der Studentischen Vollversammlung, dem Studierendenparlament und dem AStA/Sprecher:innen-Rat unterzeichnet wurde, äußern die Studierenden ihre Besorgnis über den wachsenden Einfluss rechtsextremer Positionen in der Gesellschaft. Sie fordern eine klare Positionierung der Universität gegen den Rechtsextremismus und verlangen, dass die Hochschule als freier Ort der Lehre gesichert wird, in dem Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung keinen Platz haben. Wenn es um gesellschaftliche Werte geht, wollen sie, dass die Universität eine entschiedenere Haltung einnimmt.
Präsident Prof. Dr. Jan Hendrik Schumann hat bereits auf die Bedenken der Studierenden reagiert. Er betont, dass die Universität Passau für Grundwerte wie Demokratie, Pluralität und Menschenwürde steht. In seinem Statement hebt er hervor, dass die Hochschule sich ihrer Verantwortung bewusst ist und einen Raum für offene und respektvolle Debatten schaffen möchte. Zudem ist Schumann der Ansicht, dass die Unabhängigkeit von parteipolitischen Positionen ein zentraler Aspekt für den Erhalt der demokratischen Grundwerte ist.
Ein Blick auf die gesellschaftliche Realität
Die Sorgen der Studierenden sind nicht unbegründet. Eine aktuelle Untersuchung zum Thema „Krisen, Unsicherheit und extrem rechte Einstellungen“ zeigt, wie Unsicherheit und Krisen in der Gesellschaft oft die Grundlage für populistische und extremistische Ideologien bilden. In der Forschung, die beispielsweise von Alves, Pinto und Marques im Journal of Social and Political Psychology veröffentlicht wurde, wird diskutiert, wie Unsicherheit Nationalismus und anti-immigrantische Einstellungen fördern kann. Diese Erkenntnisse stimmen mit einer weit verbreiteten Meinung überein: Krisen verstärken gesellschaftliche Ängste, die dann von extremen Positionen ausgenutzt werden könnten.
Forschungen von Experten wie Prof. Dr. Tobias Rothmund, Leiter des Zentrums für Rechtsextremismusforschung, und Prof. Dr. Eva Walther von der Universität Trier, deren aktuelle Untersuchung sich mit dem Thema „Menschen im Krisenmodus“ beschäftigt, belegen, dass in Zeiten der Unsicherheit auch verstärkt radikale Überzeugungen und Einstellungen aufkommen können. Die Rolle von Vertrauen in Staat und Politik wird dabei ebenso untersucht, was in der derzeitigen politischen Landschaft von hoher Relevanz ist.
Ein gemeinsames Engagement für eine offene Gesellschaft
Die Universität Passau möchte mit ihrem Engagement ein Zeichen setzen. Sie ist sich ihrer Aufgabe, als Bildungseinrichtung zu agieren und sich gegen die Gefahren des Rechtsextremismus einzusetzen, voll bewusst. Mit einem klaren Bekenntnis zu einer offenen, demokratischen und pluralen Gesellschaft unterstreicht Präsident Schumann die Verantwortung der Hochschulen in der heutigen Zeit. In diesem Kontext wird deutlich, dass das Bewusstsein für gesellschaftliche Probleme und deren Lösungen auch in akademischen Kreisen präsent ist.
Die Antwort auf den offenen Brief der Studierenden und die begleitende gesellschaftswissenschaftliche Forschung bieten einen Ansatzpunkt für die erforderlichen Diskussionen und Maßnahmen, die in Anbetracht der wachsenden extremen Einstellungen notwendig sind. Das Engagement jeder einzelnen Universität kann eine wichtige Rolle dabei spielen, möglichst viele Menschen für die Grundlagen einer toleranten und demokratischen Gesellschaft zu sensibilisieren.
