Vor 500.000 Jahren herrschte in Europa ein Klima, das für viele Tiere überraschend war. Forschungen zeigen, dass sogar Flusspferde im eiszeitlichen Rheintal lebten. Die DNA-Analysen, die von Paläogenetiker Patrick Arnold und dem Projekt „Eiszeitfenster Oberrheingraben“ durchgeführt wurden, legen offen, dass Fossilien dieser warmgeliebten Tiere aus einer Zeit stammen, als Nord- und Mitteleuropa als kalt und eisbedeckt galten, während das Rheintal als eine der wenigen warmen Regionen galt. Uni Potsdam berichtet, dass diese Erkenntnisse dem gängigen Bild von Flusspferden als Indikatoren für wärmeres Klima widersprechen.
Funde und ihre Bedeutung
In industriellen Kiesgruben wurden die Überreste von Flusspferden entdeckt, die nicht systematisch ausgegraben wurden, was bedeutet, dass viele der gefundenen Knochen beschädigt und ihre ursprünglichen Erdschichten ungewiss sind. Es gibt einen gewissen Skepsis in der Fachwelt über die Funde, da die DNA stark kontaminiert mit Genmaterial von Menschen, Tieren, Pilzen und Bakterien ist. Diese Kontamination könnte die Ergebnisse beeinflussen. Dennoch könnte der Vorstoß in die eiszeitliche Fauna darauf hindeuten, dass es während dieser Zeit auch wärmere Phasen gab, in denen sich die Flusspferde im Rheintal aufhielten.
Wie die Studie zeigt, waren diese Nilpferde nicht nur anatomisch, sondern auch genetisch identisch mit heutigen Flusspferden in Afrika. Möglicherweise schnürten sie sich ihren Weg über die Rhône von Afrika in die Schweiz, um schließlich im Elsass Unterschlupf zu finden. Während der letzten Eiszeit vor etwa 30.000 Jahren wurde es jedoch zu kalt für sie, und sie verschwanden wieder aus der Region.
Einblick in die Vorzeit
Die Entdeckung von älteren Fossilien in Rom, die zwischen 560.000 und 460.000 Jahren alt sind, ergänzt das Bild. Hier wurden Fossilien als die ältesten Zeugnisse moderner Flusspferde in Europa identifiziert. Diese Funde bestätigen die frühzeitige Einwanderung der Flusspferde nach Europa, die in ausgedehnten Seen- und Flusslandschaften lebten. Mit dem Einsetzen der Eiszeit verschwanden die Flusspferde aus Europa, was zu einer intensiven Debatte über den Zeitpunkt ihrer ersten Ankunft führte. Scinexx hebt hierbei hervor, dass die bisherigen Annahmen über das Aussterben der Flusspferde vor etwa 115.000 Jahren neu bewertet werden müssen.
Ein bedeutendes Fundelement, das dabei nicht unerwähnt bleiben sollte, ist ein linkes Unterkiefer-Fragment eines weiblichen Flusspferdes aus Bobenheim-Roxheim, das zwischen 46.000 und 48.300 Jahren alt datiert wurde. Dieses Zeugnis belegt das Vorkommen von Flusspferden im Oberrheingraben während einer milderen Klimaphase in der mittleren Weichsel-Eiszeit.
Fazit
Die neuesten Erkenntnisse aus der Paläogenetik und über die Flora und Fauna der eiszeitlichen Periode werfen ein neues Licht auf die Lebensumstände von Flusspferden in Europa. Die Studien fordern eine Neubewertung der europäischen Flusspferd-Fossilien und deuten auf eine komplexe Wechselwirkung zwischen Klima und Lebensräumen hin. Einmal mehr zeigt sich, wie facettenreich die Entwicklungsgeschichte unserer Kontinente ist. In diesem Sinne liegen wir in einer spannenden Phase der Entdeckung über die eiszeitliche Tierwelt. Archaeologie42 hebt hervor, dass die Rahmenbedingungen für das Verständnis der Klima- und Umweltentwicklung im Oberrheingraben über die letzten 400.000 Jahre zunehmend verstanden werden.