Potsdam plant neuen Universitätscampus am Brauhausberg und erweitert das HPI
Am Brauhausberg in Potsdam werden die Pläne für einen neuen Universitätscampus konkreter. Auch der Ausbau des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) am Griebnitzsee kommt nach Angaben der Landesregierung voran. Für das denkmalgeschützte Gebäude am Brauhausberg wird derzeit ein Entwurf für Dach und Turm ausgearbeitet, parallel geht die Planung für die Gesamtgestaltung des Campus weiter.
Anfang Oktober 2026 beschlossen das Land Brandenburg und die Hasso Plattner Foundation (HPF) eine Kooperationsvereinbarung. Die Stiftung soll Eigentümerin des Grundstücks werden, den Campus bauen und ihn anschließend vollständig an das Land übertragen. Noch 2026 sollen die Verträge für den Campus am Brauhausberg und den Campus Griebnitzsee geschlossen werden.
Mehr Platz für Studium, Forschung und Wohnen
Am Dienstag tagte eine Taskforce unter Leitung von Ministerpräsident Dietmar Woidke und HPF-Stifter Hasso Plattner. Ihr Ziel: die Qualität und den zügigen Fortschritt des Gesamtprojekts zu sichern und die rechtzeitige Fertigstellung zu ermöglichen. Die Taskforce kommt bei Bedarf etwa alle zwölf Wochen zusammen. Ihre Auftaktsitzung fand am 8. Juli 2025 statt, eine weitere Sitzung am 14. Oktober 2025.
Am Griebnitzsee sollen künftig rund 4.500 Menschen lehren, forschen und studieren. Die Nutzfläche wächst nach den Plänen von 50.000 auf 70.000 Quadratmeter. Zunächst sind rund 550 Wohnheimplätze vorgesehen, später könnten es bis zu 900 werden. Am Brauhausberg sollen weitere 150 Wohnheimplätze entstehen. Als möglicher zusätzlicher Standort wird ein Areal an der Behlertstraße genannt. Insgesamt sollen mindestens so viele neue Plätze geschaffen werden, wie derzeit am Griebnitzsee vom Studierendenwerk West:Brandenburg vermietet werden.
Hasso Plattner will über seine Stiftung bis 2035 einen neuen Campus in Potsdam errichten und das HPI erweitern. Dahinter steht auch das Ziel, Deutschlands Beteiligung an der internationalen Forschung zu Künstlicher Intelligenz zu stärken. Wegen der HPI-Erweiterung sollen Jura und Sozialwissenschaften vom Griebnitzsee an den neuen Standort nahe dem Hauptbahnhof verlegt werden.
Viele Stellen sitzen mit am Tisch
Zwei Arbeitsgruppen unterstützen die Taskforce. Die Arbeitsgruppe „Planen und Bauen“ wird von der Ministerin des Innern und für Kommunale Angelegenheiten geleitet. Vertreten sind die Staatskanzlei, die Stiftung, das Ministerium des Innern und für Kommunales, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, das Ministerium der Finanzen und für Europa, die Universität Potsdam, der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen, das Hasso-Plattner-Institut und die Landeshauptstadt Potsdam.
Die Arbeitsgruppe „Lehr- und Forschungskooperation“ steht unter der Leitung der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Zu ihr gehören Vertreterinnen und Vertreter der Staatskanzlei, der Stiftung, des HPI, der Universität Potsdam sowie des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Das klingt nach vielen Sitzungen und noch mehr Papieren – bei einem Projekt dieser Größe dürfte beides kaum ausbleiben.
Der Brauhausberg trägt dabei einiges an Geschichte mit. Bis 2013 tagte in dem weithin sichtbaren Gebäude der brandenburgische Landtag. In der DDR waren dort die SED-Bezirks- und Kreisleitung untergebracht; daher stammt der Spitzname „Kreml“. Danach stand das Gebäude viele Jahre leer.
Digitalpolitik, Forschung und Partnerschaften
Das HPI baut ein Netzwerk aus Wissenschaft, Industrie und öffentlichen Stellen auf und stärkt es kontinuierlich. Entwickelt werden sollen innovative Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen. Über Cluster bringt das Institut seine Expertise in die politische Digitalagenda ein und engagiert sich seit vielen Jahren für digitale Bildung in Deutschland. Außerdem unterstützt es die öffentliche Verwaltung bei Konzepten für einen sicheren und leistungsfähigen digitalen Staat.
Zu den aktuellen Forschungsschwerpunkten zählen energieeffiziente IT-Systeme und nachhaltige künstliche Intelligenz. In den genannten Policy-Studies geht es um „Digitale Kompetenzen – Lehre im Medizinstudium“ (2026), um „Empfehlungen zur Sicherung technologischer Führung, strategischer Autonomie und Resilienz in der KI-Forschung und -Anwendung“ (ELLIS) (2025) sowie um „Digitalschulen für Deutschland“ (2025).
Auch außerhalb des Campus ist das Institut präsent: Genannt werden ein Interview mit Prof. Ariel Dora Stern in der „DIE ZEIT“ vom 23. März 2026, die Digitalministerkonferenz der Länder am HPI (2024) und der Digital-Gipfel in Jena (2023). Das HPI veranstaltet zudem Flagship-Konferenzen für Expert:innen, Entscheidungsträger:innen und weitere Stakeholder. Dort geht es um gesellschaftlich relevante Themen, Vernetzung und Lösungen für die digitale Transformation. Partnerschaften zur Unterstützung dieser Konferenzen sind möglich.
Als wissenschaftliches Institut beteiligt sich das HPI an öffentlichen und privaten Forschungs- und Entwicklungsprojekten und bietet gemeinsame Vorhaben mit externen Partnern an. Ein eigenes Team hilft den Wissenschaftler:innen dabei, passende Förderprogramme aus Industrie und öffentlichem Sektor zu identifizieren, Förderanträge zu erstellen, Forschungs- und Entwicklungspartner zu finden und Drittmittel einzuwerben. Am Brauhausberg bekommt diese Verbindung von Campusplanung, Forschung und öffentlicher Verantwortung nun eine ziemlich konkrete Adresse.
