Wieler fordert radikale Reformen im Gesundheitssystem: Weg von der Reparatur!
Im Frühjahr 2020 wurde Lothar H. Wieler als Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) einem breiten Publikum bekannt. In dieser Rolle war er als offizieller Berater der Bundesregierung während der COVID-19-Pandemie maßgeblich beteiligt. Heute, im Jahr 2026, ist Wieler nicht nur eine Schlüsselfigur in der deutschen Gesundheitspolitik, sondern auch Professor für Digital Global Public Health an der Digital Engineering Fakultät von Hasso-Plattner-Institut und Universität Potsdam. uni-potsdam.de berichtet, dass er in einem Interview die Notwendigkeit betont, in Echtzeit in den menschlichen Körper blicken zu können, um Krankheiten besser zu verstehen und gezielte Interventionen zu entwickeln.
Wielers Ansatz betrachtet umfassende Forschungsfragen im Bereich Public Health und hebt hervor, dass die großen Ursachen für Krankheiten oft auf Bevölkerungsebene wirken. Um diese Herausforderungen zu meistern, fordert er langfristige Gesundheitsinterventionen in betroffenen Regionen. Aktuell engagiert er sich in Projekten, die gesundheitliche Ungleichheiten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie in Deutschland bekämpfen. Zu seinen Projekten gehört die Aufklärung über die Ursachen von Kindermortalität in mehreren afrikanischen und asiatischen Ländern.
Der Weg zur digitalen Gesundheit
Mit der Gründung der Nationalen Agentur für Digitale Medizin im Jahr 2005 und den durch die COVID-19-Pandemie beschleunigten digitalen Interventionen hat das Thema Digitalisierung einen zentralen Platz im Gesundheitswesen eingenommen. bpb.de unterstreicht, dass die digitale Transformation im Public Health-Bereich lange vernachlässigt wurde, jedoch jetzt an Bedeutung gewinnt. Digitale Epidemiologie und Gesundheitsbefragungen werden zunehmend digital durchgeführt, was die Datenbasis für Verbesserungen im Public Health erhöht.
Wielers Lehrstuhl am Hasso-Plattner-Institut verfolgt einen holistischen Ansatz, indem er technologische Fortschritte nutzt, um globale Gesundheitsherausforderungen zu bewältigen. Zentrale Forschungsbereiche sind die sozialen Determinanten der Gesundheit, antimikrobielle Resistenzen sowie Virusinfektionen. Er setzt dabei auf die Entwicklung und Evaluierung digitaler Gesundheitsinterventionen, die evidenzbasierte Kommunikation und positive Psychologie integrieren. Dies unterstützt nicht nur die Prävention, sondern auch die Reduzierung der Krankheitslast in der Bevölkerung.
Neue Herausforderungen im digitalen Zeitalter
Die digitale Gesundheitskompetenz stellt eine weitere Herausforderung dar: Etwa 75% der Bevölkerung haben geringe Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Gesundheitsangeboten. Dies ist besonders bedenklich, da digitale Technologien in der Notfallplanung eine Rolle spielen und gesundheitsförderliche Verhaltensweisen unterstützen. Einzig die Qualität der angebotenen digitalen Lösungen wirft Fragen auf, denn nur ein kleiner Teil hat eine solide Qualitätssicherung.
Ein weiteres Augenmerk gilt der Bekämpfung von Falschinformationen und der „Infodemie“, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen hat. Öffentliche Gesundheitsdienste müssen digitale Angebote kontinuierlich verbessern und ausbauen, um derartige Informationen gezielt entgegenzuwirken. Die Verwendung fortschrittlicher Methoden wie prädiktive Modellierung und natürliche Sprachverarbeitung sind hierbei von großer Bedeutung.
Wieler träumt von einem Gesundheitssystem, das nicht mehr ausschließlich als Reparatursystem fungiert, sondern proaktive Präventionsmaßnahmen verfolgt. Die ethischen Dimensionen der Anwendung von KI im Gesundheitswesen spielen dabei eine bedeutende Rolle, was Wieler besonders kritisch betrachtet. Für die Zukunft bleibt die Vision, durch Digitalisierung hervorgerufene Ungleichheiten zu vermindern und die Gesundheit sowie die Lebensqualität aller Bürger:innen zu verbessern.
