Ein frischer Wind weht durch die Linguistik der Universität des Saarlandes. Am 31. Mai tritt Annemarie Verkerk ihre Professur für „Language Science“ an. Die Wissenschaftlerin, die seit 2019 als Juniorprofessorin fungierte, bringt reichlich Erfahrung und Forschungskompetenz mit, die sie in den vergangenen Jahren an dem Institut aufgebaut hat. Ihr Fokus liegt auf den Veränderungen der Sprache, die durch menschliche Nutzung entstehen, und sie wendet komplexe statistische Methoden auf umfassende Datenanalysen an. Dabei möchte sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Sprachen untersuchen. Diese Betrachtung reicht von historischen Veränderungen bis zu soziolinguistischen Einflüssen.

Verkerk ist in verschiedenen Spezialgebieten der Linguistik verankert, darunter Sprachtypologie und Sprachgeschichte. Ihre thematische Bandbreite reicht von der Negation und den grammatischen Geschlechtersystemen der Bantu-Sprachen über Wortstellungsvariationen bis hin zu angewandter Informationstheorie und typologischen Universalien. Aktuell arbeitet sie mit ihrem Team am „Corpus of Indo-European Prose Plus (CIEP+)“, einem Projekt, das unterrepräsentierte Sprachen einbezieht. Zudem leitet sie zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungsprojekte, eines davon im Sonderforschungsbereich zur Informationsdichte und linguistischen Encoding.

Forschungsschwerpunkte und Zusammenarbeit

Ihr Werdegang liest sich wie ein spannendes Lexikon der Linguistik. Nach ihrem Studium der Linguistik an der Radboud Universität Nimwegen und ihrer Promotion am renommierten Max-Planck-Institut für Psycholinguistik hat sie auch an der University of Reading und am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena geforscht. Verkerk veröffentlicht regelmäßig in angesehenen Journalen, etwa in Nature Human Behaviour, und trägt zur Erforschung von Sprachuniversalien bei.

Die Fachrichtung Sprachwissenschaft und Sprachtechnologie an der Universität des Saarlandes verfolgt das Ziel, Sprache, Kognition sowie Künstliche Intelligenz zu erforschen. Ihr breites Engagement reicht über nationale und internationale Projekte, die seit 1973 in Kooperation mit Bereichen wie Informatik, Philologien und Psychologie durchgeführt werden. Verkerk wird somit Teil eines interdisziplinären Teams, das am Saarland Informatics Campus arbeitet, der auch eng mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und verschiedenen Max-Planck-Instituten verknüpft ist.

Die Bedeutung der Sprachtypologie

Ein zentrales Element in Verkerks Arbeit ist die Sprachtypologie, die unter anderem von Joseph Greenberg entwickelt wurde. Diese Forschungsrichtung sucht nach universellen Gesetzmäßigkeiten in den Strukturen von Sprachen. Zum Beispiel klassifiziert die Wortstellungstypologie Sprachen nach der Reihenfolge von Subjekt, Objekt und Verb. Zu den gängigen Sprachtypen gehören SVO (Subjekt-Verb-Objekt) wie im Englischen oder Französischen, SOV (Subjekt-Objekt-Verb) wie im Türkischen oder Japanischen, sowie VSO (Verb-Subjekt-Objekt) in gälischen Sprachen. Das Augenmerk auf solche Strukturen erlaubt spannende Einblicke in die Sprachentwicklung und die linguistische Diversität.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Herausforderung bei der Einordnung von Sprachen zeigt sich besonders bei stark flektierenden Sprachen wie Latein oder Polnisch, die kaum feste Wortstellungen erlauben. V2-Sprachen, in denen der konjugierte Teil des Verbs stets an zweiter Stelle steht, illustrieren ebenfalls die Vielfalt der sprachlichen Konstruktionen. Hier wird deutlich, wie vielfältig und dynamisch die Entwicklungen in der Linguistik sind und wie wichtig es ist, diese zu studieren und zu dokumentieren.

Für die Unterstützung ihrer Forschung verfügt die Universität über eine umfangreiche Linguistik-Sammlung mit rund 130.000 Monografien und Sammelwerken. Diese wertvollen Ressourcen sind entscheidend für die Analyse und den historischen Vergleich mehrerer Sprachen, insbesondere im Bereich der Sprachwandelforschung. Die Sammlung ist eine Grundlage für Verkerks Forschungen und bietet Zugang zu einer Fülle von Studien, die für ihre Projekte von Bedeutung sind.

Mit der Ernennung von Annemarie Verkerk zur Professorin für „Language Science“ geht die Universität des Saarlandes einen wichtigen Schritt in der Erforschung der Sprachwissenschaft und deren Anwendungen. Die Kombination aus innovativer Forschung und interdisziplinären Ansätzen verspricht spannende Erkenntnisse für die Wissenschaft und darüber hinaus.