Immer mehr in den Fokus der Wissenschaft rückt die komplexe Beziehung zwischen verschiedenen Erkrankungen und der Parkinson-Krankheit. Hierzu haben nun mehrere Forschungsteams bedeutende Schritte unternommen, um die Zusammenhänge besser zu verstehen und innovative Therapien zu entwickeln.
Erst kürzlich hat Professor Andreas Keller von der Universität des Saarlandes sein Engagement im Kooperationsnetzwerk (CRN) bekannt gegeben. Dies geschah im Rahmen einer Förderung durch die Initiative „Aligning Science Across Parkinson’s“ (ASAP) in Zusammenarbeit mit der Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, neue Wirkstoffe zur Behandlung der Parkinson-Krankheit zu finden und das Verständnis der Heterogenität dieser Krankheit zu vertiefen. Dabei stehen die unterschiedlichen Krankheitsverläufe bei Patienten im Mittelpunkt.
Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf den microRNAs, die die genetische Informationsumsetzung in Zellen steuern. Mit Hilfe von über hundert Terabyte Daten von Parkinsonpatienten, die zunächst gesammelt und jetzt analysiert werden, wird künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt, um RNA-basierte Wirkstoffe zu identifizieren. Die Vorschläge für geeignete RNA-Kandidaten werden an Forschungspartner am Weizmann-Institut in Israel und der Columbia University in den USA weitergegeben. Gelingt es, erfolgreiche Kandidaten zu ermitteln, stehen Laboruntersuchungen an Versuchstieren auf dem Programm.
Jedoch ist Parkinson nicht die einzige Erkrankung, die im wissenschaftlichen Gespräch steht. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben ihre Studien auf den Zusammenhang zwischen entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und der Parkinson-Krankheit (PK) gelenkt. Hierbei deutet sich an, dass Menschen mit CED ein leicht erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Parkinson aufweisen könnten. Dr. Pooja Gupta leitet das Projekt „AI-PREDICT“, das über fünf Jahre läuft und mit rund zwei Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird.
Das Hauptziel von AI-PREDICT besteht darin, molekulare Muster zu identifizieren, die sowohl bei CED als auch bei PK auftreten. Durch die KI-gestützte Analyse mehrerer biologischer Ebenen, einschließlich der mikrobiellen Zusammensetzung und der molekularen Wechselwirkungen zwischen Darm und Gehirn, sollen Entzündungssignaturen gefunden werden, die beiden Krankheitsbildern gemeinsam sind. Diese Methodik könnte helfen, CED-Patienten zu identifizieren, die ein höheres Risiko haben, Jahre bevor Symptome auftreten.
Das interdisziplinäre Netzwerk, das im Rahmen dieses Projekts aufgebaut wird, vereint klinische Fachleute und Computerspezialisten, um den Herausforderungen der Datenharmonisierung für vergleichbare Analysen zu begegnen. Dies könnte sich als Modell für die Untersuchung weiterer Komorbiditäten bewähren und einen wertvollen Beitrag zur gemeinsamen Forschung leisten.
Die Entwicklungen der letzten Monate zeigen, dass sowohl die Forschung zu neurodegenerativen Erkrankungen als auch die Analyse von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Krankheiten auf einem vielversprechenden Weg sind. Mit dem Einsatz moderner Technologien wie KI und einer intensiven Vernetzung zwischen Institutionen wird hoffentlich ein neuer Zugang zu Diagnosen und Therapien erreicht – sowohl für Parkinson- als auch für CED-Patienten.