Uni Siegen, 22. Oktober 2026. Wer in Deutschland Lebensmittel einkauft, begegnet Edeka fast überall: an der Hauptstraße, im Gewerbegebiet, manchmal gleich neben einem Discounter. Eine Datenanalyse auf Basis öffentlich zugänglicher OpenStreetMap-Daten zeigt Edeka-Standorte in nahezu allen Regionen Deutschlands. Nun wächst das Netz weiter: Edeka übernimmt 178 tegut-Filialen und weitere Unternehmensteile.

Zur Edeka-Gruppe gehören mehr als 5.000 Edeka-Märkte, mehr als 4.000 Netto-Filialen sowie Marktkauf- und nah-&-gut-Märkte. Laut Geschäftsbericht betrieb die Gruppe 2025 insgesamt 10.871 Märkte. Im selben Jahr erzielte Edeka mehr als 75 Milliarden Euro Umsatz und kam auf knapp 30 Prozent Marktanteil. Experten bezeichnen Edeka als größten Lebensmitteleinzelhändler Deutschlands.

178 Märkte freigegeben, 24 bleiben tabu

Ursprünglich wollte Edeka 202 tegut-Märkte übernehmen. Das Vorhaben umfasste außerdem 41 automatisierte teo-Standorte, die Herzberger Bäckerei und ein Logistikzentrum. Das Bundeskartellamt prüfte den Zusammenschluss seit März 2026 und übermittelte Ende Juli eine vorläufige wettbewerbliche Bewertung.

Freigegeben wurden schließlich 178 tegut-Lebensmittelmärkte und weitere Unternehmensteile. 24 Standorte darf Edeka dagegen vier Jahre lang weder erwerben noch dort Miet- oder Anschlussmietverträge abschließen. Das gilt für die gesamte EDEKA-Gruppe, einschließlich Regionalgesellschaften und selbstständiger Einzelhändler. Für Bad Neustadt gilt das Verbot nur für den Betrieb eines Lebensmitteleinzelhandels, nicht für den Erwerb der Immobilie.

Ohne diese Zusagen hätte die Übernahme in 34 regionalen Märkten in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg den Wettbewerb erheblich beeinträchtigt. In neun dieser Markträume erwartete die Behörde die Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung EDEKAs. Durch den Erwerbsverzicht werden die Bedenken in 24 Markträumen unmittelbar und in zehn weiteren über benachbarte Markträume ausgeräumt oder reduziert.

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Die vierjährige Frist soll ermöglichen, dass die betroffenen Märkte außerhalb der EDEKA-Gruppe weiterbetrieben werden können. Wer sie künftig führt, schreibt die Entscheidung nicht vor. Ein erstes Zusagenangebot vom 20. Juli 2026 hielt das Bundeskartellamt für unzureichend. Nach weiteren Verhandlungen legte EDEKA am 14. September 2026 ein erweitertes Angebot vor, das akzeptiert wurde.

Die 24 Standorte liegen in Aalen, Alsfeld, Bad Langensalza, Bad Neustadt, Erfurt/Marbach, Geisa, Gerbrunn, Heiligenstadt, Hünfeld, Kassel, Kirchhain, Korbach, Neuhof, Oberelsbach, Rainrod, Riedstadt, Sachsenberg, Schonungen, Tauberbischofsheim, Würzburg, Würzburg-Estenfeld und Zella-Mehlis OT Benshausen:

  1. Aalen, Am Tannenwäldle 2, 73431
  2. Alsfeld, An der Au 10, 36304
  3. Bad Langensalza, Marktstraße 25, 99947
  4. Bad Neustadt, Saalestraße 2, 97616
  5. Erfurt/Marbach, Bergener Straße 18, 99092
  6. Geisa, Gartenweg 3, 36419
  7. Gerbrunn, Am Kirschberg 5, 97218
  8. Heiligenstadt, Brüsseler Straße 1, 37308
  9. Hünfeld, Am Niedertor 2–8, 36088
  10. Kassel, Frankfurter Straße 86, 34121
  11. Kassel, Friedrich-Ebert-Straße 29, 34117
  12. Kassel, Wilhelmshöher Allee 262, 34131
  13. Kirchhain, Mühlgasse 11, 35274
  14. Korbach, Briloner Landstraße 4–6, 34497
  15. Neuhof, Hanauerstraße 1, 36119
  16. Oberelsbach, Oberwaldbehrunger Straße 20, 97656
  17. Rainrod, Mühlstraße 23, 63679
  18. Riedstadt, Lise-Meitner-Straße 2, 64560
  19. Sachsenberg, Frankenberger Straße 12, 35104
  20. Schonungen, Ludwig-Grobe-Straße 3, 97453
  21. Tauberbischofsheim, Krautgartenweg 6, 97941
  22. Würzburg, Frankfurter Straße 18, 97082
  23. Würzburg-Estenfeld, Am Zehnthügel 2, 97230
  24. Zella-Mehlis OT Benshausen, Benshäuser Straße 12, 98544

Ein Imperium wächst – aber nicht überall gleich

Tegut gehört zum Schweizer Konzern Migros, der sich aus Deutschland zurückzieht. Das Unternehmen hatte zuletzt mehr als 300 Filialen und rund 8.400 Beschäftigte in Hessen, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Baden-Württemberg. Für Edeka ist der Zukauf dennoch kein einfacher Marsch durch die Einkaufslandschaft.

Professor Stephan Rüschen bewertet den Einfluss der Tegut-Übernahme als begrenzt. Edeka gewinne zwar Standorte, habe aber nahezu gleichzeitig rund 500 Millionen Euro Umsatz durch den Verkauf der Feneberg-Märkte an Rewe verloren. Feneberg war bis zur Übernahme durch Rewe im Sommer 2026 einer der größten selbstständigen Händler im Edeka-Verbund.

Rüschen zufolge könnte EDEKAs dezentrales System durch die Tegut-Märkte eine stärkere Regionalisierung der Sortimente bringen. Selbstständige Edeka-Kaufleute haben großen Einfluss auf die Produktauswahl. Für Kundinnen und Kunden kann das heißen: mehr regionale Ware, andere Schwerpunkte, vielleicht ein Regal, das nicht in jeder Stadt gleich aussieht.

Schon früher baute Edeka seine Marktposition durch die Übernahme von Plus sowie zahlreicher Märkte von Kaiser’s Tengelmann und Real aus. Handelsexpertin Hanna Schramm-Klein warnt allerdings davor, aus dem Wachstum automatisch auf mehr Einfluss in jeder einzelnen Region zu schließen. Entscheidend sei die konkrete Wettbewerbssituation vor Ort.

Vier Gruppen, mehr als 90 Prozent

Das Bundeskartellamt stellte fest, dass die Konzentration im Lebensmittelhandel weiter gestiegen ist. Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi Nord und Süd vereinen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf sich. Für 2025 nennt die Behörde ungefähr folgende Anteile:

Handelsgruppe Marktanteil
EDEKA rund 30 Prozent
Schwarz-Gruppe rund 25 Prozent
REWE rund 22 Prozent
ALDI rund 15 Prozent

Monopolkommissionspräsident Tomaso Duso bezeichnete die Versorgung mit Lebensmitteln deshalb als zentralen Bereich, der im Wesentlichen von vier Unternehmen kontrolliert werde. Die Wettbewerbsbehörden sollten prüfen, ob große Handelsgruppen Preise erhöhen oder Innovationen behindern.

Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Lebensmittelhändler auf den Absatzmärkten stellte das Bundeskartellamt allerdings nicht fest. Dagegen sprechen unter anderem fehlende Verbindungen und Lieferbeziehungen zwischen den großen Händlern, tatsächlicher Wettbewerb und vergleichsweise geringe Margen. Auch andere europäische Wettbewerbsbehörden haben trotz vergleichbarer oder höherer Marktkonzentration bislang keine kollektive Marktbeherrschung festgestellt.

Zwischen den großen Händlern herrscht intensive Wettbewerberbeobachtung; bei Teilen des Sortiments ist die Preisgleichheit hoch. Preisänderungen gingen in der Vergangenheit häufig von Aldi aus, zuletzt wurden auch häufiger erste Preisänderungen durch Lidl festgestellt. Die Margen stiegen während der Corona-Pandemie deutlich und gehen seit spätestens 2022 wieder zurück. Bei den vier großen Handelsgruppen liegen sie weiterhin über dem Vor-Corona-Niveau, nach Kosten aber im niedrigen einstelligen