Egerländer und Oberkrainer vereinen in Siegen Tradition und musikalische Klangvielfalt
Wer am Mittwoch, 4. November 2026, in der Siegerlandhalle in Siegen sitzt, bekommt vermutlich ziemlich viel Blech, Holz und Akkordeon zu hören: Ab 20 Uhr treffen dort „Alexander Wurz & Die Egerländer Musikanten – Das Original“ und „Saso Avsenik und seine Oberkrainer“ aufeinander. Der Abend trägt den Titel „Das ultimative Gipfeltreffen / Egerländer & Oberkrainer“.
Die beiden Orchester gestalten das Konzert gemeinsam, wobei die Besetzungen mehrfach wechseln. Geplant sind Auftritte der Egerländer, der Oberkrainer, kleinerer Ensembles und einzelner Solisten – dazwischen auch gemeinsame Darbietungen. Bekannte Melodien erklingen in unterschiedlichen Arrangements; der Egerländer Klang trifft auf den Oberkrainer-Stil. Das ist musikalisch ein ziemlich voller Abend, also eher nichts für Leute, die beim Konzert gern in aller Ruhe nur einer Klangfarbe hinterherlauschen.
Musikgala mit zwei deutschen Terminen
Das Konzert wird als Musikgala mit Elementen aus Folk, Party und Kultur angekündigt. Mit dabei sind Egerländer & Oberkrainer, Alexander Wurz und Saso Avsenik, begleitet von einem Orchester. Der Siegener Auftritt ist einer von zwei deutschen Terminen. Bereits am Dienstag, 3. November 2026, gastiert die Produktion in Offenbach am Main.
Tickets gibt es über die Websites der Kulturzentrale Süd, der Egerländer und von Saso Avsenik sowie an bekannten Vorverkaufsstellen. Veranstaltungsort ist die Siegerlandhalle, das größte Veranstaltungs- und Kongresszentrum der Region Siegerland. Sie wurde in den 1950er-Jahren erbaut und mehrfach modernisiert. Konzerte, Theater, Messen, Kongresse und Großveranstaltungen gehören dort zum Programm; im Hauptsaal finden mehrere Tausend Besucher Platz.
Ein Enkel führt die Oberkrainer-Tradition weiter
Saso Avsenik ist slowenischer Musiker und Komponist. Er ist der Enkel von Slavko Avsenik, dem Begründer des Oberkrainer-Stils, und führt mit seiner Gruppe „Saso Avsenik & seine Oberkrainer“ die Tradition der Oberkrainer Volksmusik fort. Diese Musik ist vor allem in den deutschsprachigen Ländern und in Slowenien verbreitet.
Slavko Avsenik wurde am 26. November 1929 in Begunje in Slowenien geboren und starb 2015. Bevor er Musiker wurde, war er Skispringer und Mitglied der slowenischen Nationalmannschaft. Während seiner Militärzeit brachte er sich selbst das Spiel auf dem Pianoakkordeon und der Steirischen Harmonika bei. 1953 gründete er mit einem Gitarristen und einem Bassisten das Trio Avsenik.
Gemeinsam mit seinem Bruder Vilko gründete er später die Musikgruppe Gorenjski Kvintet, die international als „Slavko Avsenik und seine Original Oberkrainer“ beziehungsweise als „Original Oberkrainer Quintett“ bekannt wurde. Die Gruppe verkaufte mehr als 36 Millionen Tonträger. Avsenik gilt als Begründer des Oberkrainer-Sounds, der bis heute von vielen Musikgruppen gespielt wird.
Was im Oberkrainer-Sound steckt
Eine typische Oberkrainer-Besetzung bringt Akkordeon, Baritonhorn oder Posaune als Bassinstrument, Gitarre als Rhythmusinstrument, Klarinette als zweite Melodiestimme und Trompete als erste Melodiestimme zusammen. Dazu kommt ein- oder mehrstimmiger Gesang. Der Stil hat Ähnlichkeiten mit der Ländlermusik, wurde anfangs aber nicht dieser zugerechnet und entspricht auch nicht der jugoslawischen Volksmusik.
Typisch sind Märsche, Walzer, 4/8-Polkas und Ländler mit einer charakteristischen viertaktigen Einleitung, etwa der Bauern-Ländler. Gleichzeitig steckt darin mehr als bloßes Schunkeln: Viele Stücke arbeiten mit moderner Harmonik und Einflüssen aus der Jazzharmonik. Sextakkorde und Sekundärdominanten, meist von der zweiten Stufe, tauchen häufig auf. Diese Neuerungen in der Begleitung werden vor allem dem Gitarristen Leo Ponikvar zugeschrieben, der zuvor als Jazzmusiker tätig war.
Avseniks größter Erfolgstitel ist „Trompeten-Echo“. Das Stück wurde zum Evergreen der volkstümlichen Musik und von zahlreichen Blasorchestern aufgenommen. In den 1970er-Jahren war es die Erkennungsmelodie der ZDF-Sendung „Lustige Musikanten“ und der Deutschlandfunk-Sendung „Wettstreit nach Noten“. Auch in der ORF-Sendung „Musikantenstadl“ lief es als Titellied. Ein weiterer bekannter Titel ist die 4/8-Polka „Auf der Autobahn“.
Nachfolge und ein Wiedersehen in Siegen
Ab 1992 übergab Slavko Avsenik seine Lieder vor allem an das Ensemble Gasšperji, das später „Die Jungen Original Oberkrainer“ genannt wurde. Avsenik ernannte die Gruppe offiziell zu den Nachfolgern seiner Original Oberkrainer.
Mehrere langjährige Mitglieder der Original Oberkrainer starben: der Trompeter Franc Košir 1991, der Gitarrist Leo Ponikvar 1992, Fred Rauch 1997, der Hornist und Bassist Mik Soss 2004 sowie der Klarinettist Albin Rudan 2009. Wenn am 4. November in der Siegerlandhalle die ersten Töne erklingen, steht damit nicht nur ein gemeinsamer Konzertabend von Alexander Wurz, den Egerländern und Saso Avsenik auf dem Programm, sondern auch ein Stück Musikgeschichte – mit wechselnden Formationen, alten Melodien und ordentlich Schwung im Saal.
