Am 2. Juni 2026 ist die Diskussion um die Resilienz des deutschen Stromsystems aktueller denn je. Im Rahmen der Energiewende verfolgt Deutschland das ambitionierte Ziel, bis 2030 80% des Bruttostromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien zu decken. Derzeit basiert die Elektrizitätsversorgung jedoch auf Kernkraft, Kohle und Erdgas. Laut Uni Stuttgart steht der Aufbau eines neuen Stromsystems an, das bislang ohne Erfahrungswerte entworfen wird, was erhebliche Herausforderungen mit sich bringt.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind fundierte Energiesystemanalysen und -modelle von entscheidender Bedeutung. Prof. Kai Hufendiek, der Leiter des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER), hebt hervor, wie wichtig diese Werkzeuge sind, um zukünftige Versorgungsbetriebe zu simulieren und Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Resilienz des Stromsystems abzuleiten. Unterstützt wird er dabei von Erdal Tekin, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter am IER. Tekin betont, dass die richtigen Indikatoren für belastbare Ergebnisse unerlässlich sind.

Indikatoren zur Bewertung der Resilienz

Die Erforschung neuer Indikatoren zur Bewertung des Resilienzpotenzials von Stromsystemen wurde gemeinsam von Hufendiek, Tekin und weiteren Forschenden vorangetrieben. Diese Erkenntnisse wurden kürzlich im Fachmagazin Energy Strategy Reviews veröffentlicht. Die Schaffung von mathematischen Kennzahlen, die Eigenschaften oder Ziele eines Energiesystems quantifizieren, spielt eine zentrale Rolle bei der künftigen Ausgestaltung und Stabilität des Stromnetzes.

Die BDEW unterstreicht, dass Erneuerbare Energien der Grundbaustein für eine klimaneutrale Energieversorgung sind. Die Transformation in der Stromerzeugung erhöht nicht nur die Resilienz des Energiesystems, sondern führt auch zu einer Dezentralität in der Stromversorgung. Diese Dezentralität verringert die Auswirkungen möglicher Ausfälle von Einzelanlagen und erfordert eine bessere Abstimmung zwischen dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Strominfrastruktur.

Erforderliche Maßnahmen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit

Ein zentraler Aspekt ist der steigende Bedarf an digitaler Koordinierung und Steuerung von Angebot und Nachfrage. Es ist unerlässlich, die Stromerzeugung auch in Zeiten von Wind- und Solarmangel zu sichern, insbesondere wenn ab 2038 Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Hierfür müssen Ausschreibungen für neue wasserstofffähige Gaskraftwerke und Biomethankraftwerke zügig erfolgen. Die Einführung eines Kapazitätsmarkts ist spätestens ab 2028 nötig, um die Versorgungssicherheit dauerhaft zu gewährleisten.

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Zusätzlich müssen Flexibilitätstechnologien, wie beispielsweise Speicherlösungen, systematisch in die Planung integriert werden. Der Umbau zu einem dezentralen, klimaneutralen System stellt neue Herausforderungen an die bestehenden Stromnetze. Angesichts von Extremwetterereignissen und volatilen Lastflüssen steigen die Anforderungen an die Netzstrukturen erheblich, was eine integrierte Netzplanung zur Folge hat.

Die Erhöhung der Systemeffizienz beim Ausbau von Erneuerbaren Energien und Stromnetzen ist wichtig, jedoch darf sie nicht auf Kosten der Systemsicherheit gehen. Sicherheit gegen physische und Cyber-Bedrohungen ist von höchster Bedeutung, insbesondere im Kontext der Anpassung an den Klimawandel. Um den Netzausbau voranzutreiben, benötigen Netzbetreiber zudem ausreichende finanzielle Ressourcen.

Die EU-Kommission plant bis Ende 2025 ein umfassendes „Grids Package“, das auch die Wasserstoffinfrastruktur berücksichtigen soll. Gut ausgebaute Interkonnektoren werden von zentraler Bedeutung für die deutsche und europäische Versorgungssicherheit sein. Eine starke Vernetzung begünstigt den effizienten Energieaustausch und stärkt die Stabilität des europäischen Stromsystems, was auch die Abhängigkeit von Energieimporten reduziert.