Wer im Sommer nach Tübingen kommt, lernt nicht nur deutsche Grammatik. Auf den internationalen Sommerkursen der Universität entstehen jedes Jahr unterhaltsame und informative Texte – mitten aus dem Alltag, zwischen Unterricht, Stadtbummel und Begegnungen mit Menschen aus aller Welt.

Daniela Schmeiser kennt diese Mischung seit vielen Jahren. Sie lehrt Deutsch als Fremdsprache an der Universität Tübingen und organisiert zusätzlich die internationalen Sommerkurse. Zehn ausgewählte Texte werden jeweils auf einer Sonderseite im TAGBLATT veröffentlicht. Eine Bildunterschrift zeigt Schmeiser mit mehreren TAGBLATT-Sonderseiten aus vergangenen Jahren.

Deutsch lernen zwischen Mensa, Markt und Wohnheim

Der Internationale Sommerkurs richtet sich an mindestens 18-Jährige mit Deutschkenntnissen ab Niveau A1 – das entspricht ungefähr 70 Stunden Sprachunterricht. Einen automatischen Krankenversicherungsschutz gibt es nicht. Die Teilnehmenden sollen für die Kursdauer im Heimatland eine internationale Krankenversicherung abschließen und den Versicherungsausweis mitbringen. Die Kursgebühr umfasst diesen Schutz nicht; bei der Arztsuche hilft der Sommerkurs allerdings weiter.

Untergebracht werden einfache studentische Einzelzimmer ohne Verpflegung. Bad und Küche teilen sich in der Regel mehrere Personen, die Wohngemeinschaften sind häufig gemischtgeschlechtlich. Welches Wohnheim es konkret wird, erfahren die Teilnehmenden erst bei der Ankunft. Viele Zimmer liegen in Waldhäuser Ost. Fast alle verfügen über ein eigenes Waschbecken, die Badezimmer befinden sich meist auf der Etage und werden von Männern und Frauen gemeinsam genutzt.

Auf jeder Etage gibt es eine Gemeinschaftsküche mit Herd, Backofen, Eis- und Kühlschrank sowie Spülbecken. Töpfe, Geschirr und weitere Küchenutensilien sind vorhanden. Wer lieber nicht selbst kocht, findet nahe dem Unterrichtsgebäude „Neuphilologicum“ die Mensa Wilhelmstraße mit täglich wechselnden, preiswerten warmen Mittagessen. Zwei Cafeterien liegen ebenfalls in der Nähe.

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Zu Fuß oder mit dem Bus geht es von den Wohnheimen in die Stadt. Die Busse fahren zuverlässig und sicher etwa alle 5–10 Minuten, auch Nachtbusse sind unterwegs. Ein Monatsticket für den Stadtbus kann beim Check-in bar gekauft werden. Kostenloser Internetzugang funktioniert über EDUROAM oder das offene Gäste-WLAN der Universität. In den Wohnheimen gibt es allerdings nicht überall WLAN – ein LAN-Kabel gehört deshalb besser ins Gepäck, neben Bettwäschebezügen für Kopfkissen und Bettdecke, einem Laken für eine Matratze von etwa 90 × 200 cm und eigenen Handtüchern.

Check-in, Check-out und ein Kurs voller Praxis

Die Anreise zum Check-in ist am Montag, 2. August, zwischen 11:00 und 16:00 Uhr in Tübingen vorgesehen. Die Organisatoren fahren die Teilnehmenden und ihr Gepäck anschließend zum Zimmer und unterstützen beim Einchecken. Wer erst nach 16:00 Uhr ankommt, soll vorher eine E-Mail schreiben, damit eine individuelle Lösung gefunden werden kann. Abreise ist am Freitag, 27. August; übernachtet werden kann im Zimmer bis einschließlich Freitag. Der Check-out im Studierendenwohnheim liegt voraussichtlich zwischen 8:00 und 11:00 Uhr. Für eine frühere Anreise oder spätere Abreise kann beispielsweise ein Zimmer in der Jugendherberge Tübingen gebucht werden.

Wie lebendig der Kurs werden kann, zeigte sich 2024 bei der 39. Ausgabe des Internationalen Sommerkurses für deutsche Sprache und Kultur. Der vierwöchige Intensivkurs lief vom 5. bis 30. August. Erwartet wurden 135 internationale Studierende, Graduierte und junge Akademikerinnen und Akademiker aus 30 Ländern.

Die größten Gruppen kamen aus den USA mit 27 Personen, aus Japan mit 26, aus Südkorea mit 11, aus Italien mit 9 und aus China mit 7. Weitere Teilnehmende reisten unter anderem aus Ägypten, der Ukraine, Rumänien, Island, Bosnien und Herzegowina sowie Jamaika an. Der Deutschunterricht verteilte sich auf neun Klassen – vom Anfängerniveau bis zu weit fortgeschrittenen Sprachkenntnissen. Gesprochen wurde viel, und zwar nicht nur über Lehrbuchdialoge: Der Unterricht war kommunikativ und interkulturell ausgerichtet und legte Wert auf mündliche Sprachpraxis.

Nach dem Vormittagsunterricht folgten am Nachmittag Sprachtutorien. Wer schon sicherer Deutsch sprach, konnte zusätzliche thematische Module belegen, etwa zu interkultureller Kommunikation, deutscher Nachkriegsgeschichte sowie aktueller Politik und Gesellschaft. Literatur und Landeskunde kamen ebenfalls vor: Friedrich Hölderlin, Höhlenfunde auf der Schwäbischen Alb und deutsche Dialekte standen unter anderem auf dem Programm.

Auf dem Wochenmarkt kauften Anfänger auf Deutsch ein. Fortgeschrittene führten Straßeninterviews zu aktuellen Themen. Die höchsten Kursstufen recherchierten lokale Fragen wie Tübinger Verkehrskonzepte und Foodsharing, sprachen mit Fachleuten und präsentierten ihre Ergebnisse. Dazu kamen Ausflüge an den Bodensee sowie nach Rottenburg und Haigerloch – ein straffes Programm, bei dem die Füße vermutlich nicht immer begeistert waren.

Stipendien, Partnerschaften und ein volles Rahmenprogramm

Auch abseits des Unterrichts blieb einiges los: Theater, Chorgesang, deutschsprachige Popmusik, ein kreatives Schreibprojekt mit dem Schwäbischen Tagblatt, eine Schokoladen-Werkstatt und Batiken gehörten zum sozialen, musischen und praktischen Rahmenprogramm. Japanische Partnerhochschulen nahmen erneut mit Germanistikstudierenden teil. Einige Städte der Region stellten im Rahmen von Städtepartnerschaften Stipendien bereit, der Deutsche Akademische Austauschdienst ermöglichte 40 Studierenden die Teilnahme. Der Kurs war bereits frühzeitig ausgebucht.

Eigene Stipendien vergibt der Sommerkurs Tübingen nicht. Organisiert und geleitet wurde die Ausgabe 2024 von Donato Tangredi und Daniela Schmeiser aus dem Dezernat V – International Office, Abteilung für Deutsch als Fremdsprache und Interkulturelle Programme der Universität Tübingen.

Kontakt ist über +49 7071 29-74392, per E-Mail an Sommerkurs@daf.uni-tuebingen.de oder über www.uni-tuebingen/daf/sommerkurse möglich. Der aktuelle Artikel von Holger Weyhmüller über die internationalen Sommerkurse erschien am 24. Oktober 2026.