Wer an der Universität Tübingen im Hochschulsport etwas ausprobieren möchte, sollte den Dienstag, 13. Oktober, um 17 Uhr im Blick behalten: Dann öffnet die Anmeldung für die neuen Kurse. Beliebte Angebote sind erfahrungsgemäß schnell voll. Mitmachen dürfen neben Studierenden auch Externe – sie zahlen allerdings höhere Gebühren.

Die Auswahl reicht weit über Fitnessstudio und Fußball hinaus. Zehn eher ungewöhnliche Sportangebote stehen zur Wahl: vom Fechten mit Holzstock über Luftartistik bis zum Tauchen mit nur einem Atemzug.

Kämpfen, werfen, rollen

Bei Canne de Combat wird nicht mit Degen oder Säbel gefochten, sondern mit einem etwa 90 Zentimeter langen Holzstock. Sechs verschiedene Schläge gehören zur Technik, die allerdings etwas längere Übung braucht. Trainiert wird freitags von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle Wilhelmstraße 124. Studierende zahlen 42 Euro, Externe 98 Euro.

Quadball lehnt sich an das Quidditch aus Harry Potter an – nur ohne Zauberei und fliegende Besen. Die Spielerinnen und Spieler tragen den Besen zwischen den Beinen und übernehmen Rollen als Chaser, Beater, Seeker oder Keeper. Bälle werden durch Torringe geworfen, außerdem soll die „Snitch“ gefangen werden. Deutschlandweit gibt es mehr als 50 Teams sowie nationale und internationale Wettbewerbe.

Bei Jugger treten Mannschaften mit jeweils fünf Personen gegeneinander an. Eine Person bringt den Ball, den „Jugg“, ins Tor, das „Mal“. Die übrigen Teammitglieder versuchen mit gepolsterten „Pompfen“, ihre Gegner zeitweise aus dem Spiel zu nehmen. Montag von 18 bis 20 Uhr geht es auf dem Hartplatz 8 los. Der Kurs kostet Studierende 30 Euro, Externe 70 Euro.

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Ninjutsu vermittelt Selbstverteidigungstechniken der japanischen Samurai und Ninjas. Dazu gehören der Umgang mit dem Samurai-Schwert und anderen Ninja-Waffen ebenso wie die geistige Philosophie der Ninja. Trainiert wird dienstags von 18 bis 20 Uhr und donnerstags von 17:30 bis 19:30 Uhr im Ki-Dojo am Lorettoplatz 2. Der monatliche Beitrag beträgt 40 Euro.

Zwischen Ruhe, Wasser und Stoffbahnen

Der Name Ba Bu Jin Gang Chang Shou Gong klingt erst einmal nach Zungenbrecher, dahinter steckt eine daoistische Übungspraxis mit festgelegten Körperbewegungen. Bewegung und Ruhe werden nach dem Yin-und-Yang-Prinzip verbunden, die Körperwahrnehmung soll dabei wachsen. Der Kurs findet samstags und sonntags jeweils von 10:15 bis 12:15 Uhr in der Turnhalle Wilhelmstraße 124 statt. Studierende zahlen 20 Euro, Externe 40 Euro.

Beim Vertikaltuch-Workshop geht es in zwei langen Stoffbahnen in die Luft, ähnlich wie bei Darbietungen im Zirkus. Die Übungen finden nur wenige Zentimeter über einer Weichbodenmatte statt; auch Anfängerinnen und Anfänger können teilnehmen. Termin ist samstags und sonntags jeweils von 12 bis 14:30 Uhr in der Turnhalle Wilhelmstraße 124. Der Kurs kostet 90 Euro für Studierende und 120 Euro für Externe.

Apnoe bedeutet Tauchen mit nur einem Atemzug. Voraussetzung ist offenbar, mindestens 40 Meter Streckentauchen zu schaffen. Das Training läuft freitags von 20 bis 21:30 Uhr in der Schwimmhalle Wilhelmstraße 124. Studierende zahlen 33 Euro, Externe 66 Euro.

Wer lieber im Kajak bleibt, kann beim Eskimotieren die Eskimorolle lernen – also das Aufrichten im Kajak nach dem Kentern. Der Kurs findet dienstags von 18:30 bis 20 Uhr in der Schwimmhalle Wilhelmstraße 124 statt. Die Teilnahme kostet 52,50 Euro für Studierende und 94,50 Euro für Externe.

Tanzschritte und brasilianischer Rhythmus

Scottish Dancing bringt schottische Set- und Paartänze zu traditioneller Musik nach Tübingen. Zu Semesterbeginn stehen einfache Tänze und Grundschritte auf dem Programm, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Getanzt wird dienstags um 20 Uhr im Seminargebäude des Ambrosianums, Brunsstraße 19. Preise werden im Artikel nicht genannt.

Bei Capoeira treffen Kampf- und Bewegungskunst, Tanz und Akrobatik aufeinander. Die afrobrasilianische Praxis entstand während der Kolonialzeit in Brasilien. Ausgeübt wird sie in einem Kreis, der „Roda“, meist unter Leitung eines Mestre und begleitet von Livemusik. Der Tübinger Kurs läuft montags von 19 bis 21 Uhr in der Hepperhalle. Studierende zahlen 60 Euro, Externe 108 Euro.

Dass Hochschulsport mehr ist als ein Freizeitprogramm, zeigt der Blick auf seine rechtliche Grundlage. Das Hochschulrahmengesetz weist die Förderung des Hochschulsports als Aufgabe der Hochschulen und Studierenden aus. Hochschulen sind verpflichtet, den Hochschulsport durch geeignete materielle und personelle Ausstattung zu fördern. Wie das organisatorisch aussieht, unterscheidet sich in Deutschland.

An der Universität Göttingen übernimmt die Zentrale Einrichtung für Sport und Gesundheit diese Aufgabe mit dem Angebot des UniSports. Es richtet sich hauptsächlich an Beschäftigte und Studierende der Universität. Der Hochschulsport ist außerdem in der Bundes- und Landesgesetzgebung verankert.

Nach dem Hochschulrahmengesetz sollen Hochschulen an der sozialen Förderung der Studierenden mitwirken, die besonderen Bedürfnisse von Studierenden mit Kindern berücksichtigen und dafür sorgen, dass Studierende mit Behinderungen im Studium nicht benachteiligt werden. Sie sollen behinderten Studierenden eine möglichst selbstständige Nutzung der Hochschulangebote ermöglichen und den Sport in ihrem Zuständigkeitsbereich fördern. Rechtsgrundlage ist § 2 Absatz 4 des Hochschulrahmengesetzes, Stand: 15. November 2019.

Für Hessen legt das Hessische Hochschulgesetz außerdem fest, dass Hochschulen der Vielfalt ihrer Mitglieder Rechnung tragen, ein diskriminierungsfreies Studium sowie eine diskriminierungsfreie berufliche und wissenschaftliche Tätigkeit ermöglichen und die sportlichen und kulturellen Interessen ihrer Mitglieder fördern. Auch die soziale Förderung der Studierenden soll in enger Kooperation mit den Studierendenwerken geschehen. Diese Regelungen stehen in § 3 Absatz 5 des Hessischen Hochschulgesetzes, Stand: 14. Dezember 2021.

In Tübingen bleibt für die Anmeldung am 13. Oktober um 17 Uhr also die Qual der Wahl: Holzstock, Besen, Kajak, Stofftuch oder vielleicht doch Capoeira. Und wenn der Lieblingskurs nach wenigen Minuten ausgebucht ist, gibt’s immerhin noch neun andere Möglichkeiten.