Im Bibelhaus ErlebnisMuseum in Frankfurt am Main können Besucher derzeit rund 2.000 Jahre zurückreisen – ohne staubige Zeitmaschine, dafür mit VR-Brille und Joystick. Die interaktive Ausstellung nimmt sie mit in die Zeit Jesu und lässt sie in virtuellen Räumen auf den Spuren des Apostels Paulus unterwegs sein.

„VR Reise mit Paulus – Münzen aus aller Welt vor 2000 Jahren“ ist vom 21. August bis 1. November 2026 zu sehen. Damit läuft die Schau nicht bloß bis Ende Oktober, sondern noch bis zum 1. November. Sieben VR-Brillen stehen zur Verfügung; wer eine ergattert, kann virtuelle Räume betreten und dort antike Münzen nicht nur anschauen, sondern gewissermaßen in die Hand nehmen.

Antike Münzen, digital ganz nah

Im Mittelpunkt stehen neun Silber- und Bronzemünzen aus Städten, die Paulus besuchte und in denen er Briefe schrieb. Die Stücke stammen unter anderem aus Ephesus, Korinth, Thessaloniki, Philippi und Tarsus – dem Geburtsort des Paulus.

Die meist fingernagelgroßen Münzen zeigen Porträts von Regenten und antike Bauwerke, darunter den Artemis-Tempel in Ephesus. In der virtuellen Präsentation lassen sie sich beliebig vergrößern. Mit den Joysticks können Besucher die Münzen aufnehmen, drehen und aus der Nähe betrachten; zusätzlich gibt es Erklärtexte und Hörstücke. Komischerweise wirkt selbst ein winziges Stück Metall plötzlich riesig, wenn es vor den Augen anwächst und jede Kerbe sichtbar wird.

Entwickelt wurde die VR-Präsentation vom Sonderforschungsbereich „Andere Ästhetik“ der Universität Tübingen. In der Ausstellung werden die Münzen interaktiv erkundbar – sie können digital berührt und genau untersucht werden. Im virtuellen Museum sind außerdem mehrere versteckte Easter Eggs eingebaut. Wer nur schnell durchläuft, dürfte also einiges verpassen.

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Paulus zwischen Geschicklichkeit und Punktestand

Die Reise bleibt nicht beim Anschauen. In Mini-Spielen schlüpfen die Besucher in die Rolle des Apostels Paulus. Am Ende jedes virtuellen Raums wartet eine kurze Aufgabe: Münzen in Säcke werfen, einen Teppich flicken oder sich vor dem Artemis-Tempel in Ephesus gegen einen Mob verteidigen.

Die Spiele enthalten Geschicklichkeitsaufgaben und ein Punktesystem. Wer die Münzen treffsicher verstaut, den Teppich ordentlich repariert oder sich gegen den Mob behauptet, sammelt Punkte. Die Aufgaben beziehen sich auf das Leben des Paulus – ein bisschen Museum, ein bisschen Spielhalle, nur eben mit antiken Städten und Briefen im Hintergrund.

Hinter dem spielerischen Zugang steckt auch eine inhaltliche Frage: Welche Rolle spielte Geld im Umfeld des Apostels? Museumsdirektor Veit Dinkelaker ordnet die Münzen dem Aufruf des Paulus zum solidarischen Teilen zu. In seinen Briefen rief Paulus dazu auf, für die notleidende Gemeinde in Jerusalem zu sammeln und solidarisch zu teilen.

Passend dazu verweist die Ausstellung auf das griechische Wort „Charis“. Es bedeutet sowohl „Gnade“ als auch „Gabe“. Zwischen Münzporträts, virtuellen Tempeln und kleinen Wettkämpfen geht es damit auch um die Bedeutung von Geld, Geben und Gemeinschaft in der Welt des Paulus.

Für Studierende und Wissenschaftsinteressierte aus Tübingen ist der Bezug zur Universität direkt sichtbar: Der Sonderforschungsbereich „Andere Ästhetik“ hat die VR-Präsentation entwickelt. Heute, am 4.10.2026, ist die Ausstellung noch geöffnet; im Bibelhaus in Frankfurt am Main kann die virtuelle Reise bis zum 1. November 2026 weitergehen.