Am 28. September 2026 ist Wolfgang Dahler in Ulm ein Mann mit zwei politischen Landkarten im Kopf. Der Biberacher CDU-Bundestagsabgeordnete vertritt neuerdings auch Ulm in Berlin. Auslöser ist die Regierungsbildung in Stuttgart – und für Dahler heißt das: neue Wege, neue Termine, neue Fragen.

Munderkingen, Unterweiler, die Wilhelmsburg: Orte, die für ihn bislang neu waren. Gleichzeitig bekam Dahler Besuch aus seinem bisherigen Wahlkreis Biberach. Der naheliegende Prüfstein bleibt dabei offen: Weiß er überhaupt, wo in Ulm der Schuh drückt? Kennt er die aktuellen Probleme und Anliegen der Stadt – nicht nur aus Akten, sondern auch aus Gesprächen vor Ort?

Vom Kreisgymnasium in den Bundestag

Wolfgang Jochen Dahler wurde am 6. Mai 1975 in Biberach an der Riß geboren. Er ist Rechtsanwalt und CDU-Politiker. 1994 legte er am Kreisgymnasium Riedlingen das Abitur ab, anschließend leistete er Zivildienst bei der Körperbehindertenförderung Neckar-Alb in Mössingen.

Danach studierte Dahler Rechtswissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Das erste juristische Staatsexamen schloss er 2002 ab. Sein Referendariat absolvierte er am Landgericht Ravensburg; 2004 beendete er es mit dem zweiten juristischen Staatsexamen. Seit 2004 arbeitet Dahler als Rechtsanwalt in Biberach.

Am 29. November 2024 wurde er zum CDU-Kandidaten für den Bundestagswahlkreis Biberach nominiert. Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 gewann er dort mit 40,9 Prozent der Stimmen das Direktmandat und zog dadurch in den 21. Deutschen Bundestag ein. Seit 2025 ist er Mitglied des Parlaments für die CDU/CSU und wurde in Baden-Württemberg direkt im Wahlkreis 292 Biberach gewählt.

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Ein Mandat, mehrere Ausschüsse

Im Bundestag ist Dahler ordentliches Mitglied im Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Petitionsausschuss. Stellvertretend gehört er dem Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen an. Als Beruf ist in den Bundestags-Stammdaten Rechtsanwalt angegeben; bei der Berufsauswertung steht „Studium der Rechtswissenschaft“.

Die Zahlen aus dem Wahlkreis zeigen einen deutlichen Vorsprung der CDU/CSU: 40,9 Prozent der Erststimmen entfielen auf Dahler, die AfD kam auf 22,4 Prozent, die SPD auf 12,7 Prozent, die Grünen auf 10,3 Prozent und die FDP auf 3,9 Prozent.

In 95 ausgewerteten Plenarprotokollen der 21. Wahlperiode sind zwölf Wortbeiträge Dahlers mit insgesamt 5.980 Wörtern dokumentiert. Der Median seiner Redebeiträge liegt bei 536 Wörtern. Der erste erfasste Beitrag stammt vom 26. Juni 2025, der jüngste vom 24. September 2026.

In seinen Reden tauchen besonders häufig die Stichwörter „Kinder“ mit 28 Nennungen, „Familien“ mit 21, „Elterngeld“ mit 16 und „Demokratie“ mit 13 auf. Der jüngste Wortbeitrag fand am 24. September 2026 in Sitzung 21/96 statt. Er behandelte Migration & Asyl sowie Bildung & Forschung und umfasste 448 Wörter.

Die fünf jüngsten erfassten Plenarbeiträge: 448 Wörter am 24.09.2026, 568 am 11.06.2026, 871 am 10.06.2026, 622 am 24.04.2026 und 649 am 27.03.2026. Das ist, nüchtern betrachtet, einiges an Papier – oder Bildschirmfläche.

Wie präsent ist der Abgeordnete?

Bei 72 erfassten namentlichen Abstimmungen nahm Dahler an 71 teil. Seine Teilnahmequote beträgt 98,6 Prozent. Im angegebenen Vergleich lag er damit auf Rang 209 von 629 Abgeordneten mit ausgewiesener Quote; der Median aller Quoten betrug 94,4 Prozent.

Im Plenum wurden 18 Zwischenrufe von ihm erfasst, Ordnungsrufe gab es nicht. Von zwölf auf abgeordnetenwatch.de erfassten Bürgerfragen beantwortete Dahler zehn.

Der Erfahrungs-Index der Auswertung beträgt 7 von 18 Punkten. Als höchster Abschluss ist „Master/Diplom“ angegeben. Gemeldete Nebentätigkeiten und Funktionen sind die ehrenamtliche Mitgliedschaft in der Verbandsversammlung des Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke, die ehrenamtliche Mitgliedschaft im Kreistag des Landkreises Biberach, die Tätigkeit als freiberuflicher Rechtsanwalt sowie die Rechtsanwaltstätigkeit vor der Mitgliedschaft im Bundestag.

Diese Angaben zu Nebentätigkeiten umfassen veröffentlichungspflichtige Tätigkeiten und sind keine Einkommensaufstellung. Erreichbar ist Dahler über sein Bundestagsbüro, seine persönliche Homepage und sein Wahlkreisbüro in Biberach. Laut Erhebung betreibt er eigene Konten auf Instagram und Facebook; zusammen mit der Homepage sind damit drei eigene Kanäle belegt. Die Social-Media-Angabe sagt allerdings nur etwas über die Erreichbarkeit aus – nicht über Reichweite, Aktivität oder Wirkung.

Ulm ist kein Biberach mit Straßenbahn

Gerade deshalb bekommt der Wechsel der politischen Aufmerksamkeit nach Ulm Gewicht. Dahler kennt seinen bisherigen Wahlkreis, seine berufliche Basis liegt dort, und auch seine gemeldeten kommunalen Funktionen sind eng mit Biberach verbunden. Nun kommen Orte und Anliegen hinzu, die bislang nicht zu seinem Alltag gehörten: Munderkingen, Unterweiler und die Wilhelmsburg.

An der Uni Ulm wirkt die Frage ziemlich bodenständig: Hat ein Abgeordneter, der Ulm neuerdings in Berlin vertritt, den Takt der Stadt schon gefunden? Zwischen Regierungsbildung in Stuttgart, Ausschusssitzungen in Berlin und Terminen im Wahlkreis bleibt dafür nicht ewig Zeit. Der Schweiß auf dem Weg zur Wilhelmsburg ersetzt noch kein politisches Gespräch – aber ohne solche Wege wird es mit dem Wissen über den Schuhdruck wohl auch nichts.