Am 17. April 2026 wurde Privatdozent Pfarrer Dr. Marc Röbel mit dem Paul-Tillich-Preis 2025 ausgezeichnet. Diese Ehrung, die von der Deutschen Paul-Tillich-Gesellschaft für herausragende wissenschaftliche Arbeiten verliehen wird, fand im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft in der Evangelischen Akademie Hofgeismar statt. Der Preis wurde von Prof. Dr. Christian Danz, dem Vorsitzenden der Gesellschaft, überreicht. Röbel, der als Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld und als Privatdozent am Institut für Katholische Theologie der Universität Vechta tätig ist, wurde für seine Habilitationsschrift mit dem Titel „Partizipation. Zu einem existentialontologischen Schlüsseltheorem im philosophischen Denken Paul Tillichs“ ausgezeichnet.
In seiner Dankesrede betonte Röbel die Bedeutung der Anerkennung durch die Gesellschaft und würdigte seinen Mentor, Professor Dr. Dr. Werner Schüßler, für die fachliche Unterstützung. Er stellte außerdem die Verbindung zu Paul Tillich, einem bedeutenden evangelischen Philosophen und Theologen des 20. Jahrhunderts, her. Tillich, der 1933 in die USA emigrierte, ist bekannt für seine Werke wie „Liebe, Macht, Gerechtigkeit“ sowie „Der Mut zum Sein“, die beide zu Bestsellern wurden. Seine dreibändige „Systematische Theologie“ gilt als Standardwerk in der theologischen Ausbildung.
Das Erbe von Paul Tillich
Paul Tillich ist nicht nur für seine großen theologischen Werke bekannt, sondern auch für seine tiefgreifenden Beiträge zur Philosophie, insbesondere zur Existenzphilosophie. Er war der Meinung, dass die menschliche Existenz oft von Angst und Verzweiflung geprägt ist. Dies wird besonders deutlich in seinem zentralen Konzept, dem „Mut zu sein“. In seiner Philosophie wird die Suche nach Sinn und Zweck im Leben als Grundpfeiler der menschlichen Existenz verstanden. Ein weiterer Aspekt seines Denkens ist das „Fundament des Seins“, eine transzendente Realität, die jenseits menschlichen Verständnisses existiert und dem Leben Bedeutung verleiht. Laut Tillich müssen die Menschen diese Ambivalenzen und Paradoxien akzeptieren, um Sinn zu finden.
Röbel hebt hervor, dass Tillich als Theologe und eigenständig denkender Philosoph gilt, dessen Arbeit nicht nur von theologischen Studierenden geschätzt wird, sondern auch einen Einfluss auf zahlreiche philosophische Diskurse hat. Sein Ansatz zur „Partizipation“, der tief in der Philosophie Platons verwurzelt ist, wurde von Tillich neu interpretiert und hat im Kontext des 21. Jahrhunderts gesundheitliche und gesellschaftliche Relevanz. Röbel beschreibt diese Zeit als ein „Zeitalter der Partizipation“, in dem das Erkennen als Teilhabe an der Wirklichkeit von zentraler Bedeutung ist.
Die Relevanz heute
In Anbetracht der zeitgenössischen Herausforderungen betont Röbel die Notwendigkeit, dass die Theologie Antworten auf konkrete Fragen der Menschen bieten sollte. Tillichs Ansätze zur Partizipation und seine Definition von Glauben als grundlegendes Vertrauen in das Fundament des Seins bleiben für viele von Bedeutung. Sie zeigen Wege auf, wie individuelle Erfahrungen und Perspektiven die Schaffung von Sinn im eigenen Leben beeinflussen können.
Die bleibende Relevanz von Paul Tillich in der heutigen Diskurslandschaft zeigt, wie zeitlos seine Gedanken sind. Sein Lebenswerk ist ein anhaltender Anstoß zur Reflexion über das eigene Leben und zu Fragen, die uns alle betreffen: Wie finden wir in einer unsicheren Welt unseren Platz und Sinn?