In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, und diese Zahl könnte in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen. Diese Entwicklung stellt nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz gewinnt zunehmend an Bedeutung. Kunst- und Kulturangebote bieten hier ein vielversprechendes Mittel zur Unterstützung, indem sie Erinnerungen aktivieren, emotionale Ressourcen stärken und der sozialen Isolation entgegenwirken. Die Universität Witten/Herdecke hat in diesem Kontext spannende Projekte ins Leben gerufen, darunter auch digitale Formate, die eine neue Dimension in der Kunstvermittlung eröffnen.

Am Mittwoch, den 20. Mai 2026, um 20 Uhr, wird Prof. Dr. Thomas Ostermann, Leiter des Departements für Psychologie und Psychotherapie, einen Vortrag über die therapeutische Bedeutung der Künste für Menschen mit Demenz halten. Besondere Beachtung finden dabei Kunsttherapien und angepasste Museumsführungen, die darauf abzielen, die Lebensqualität der Betroffenen zu fördern. Interessierte finden die Veranstaltung im Haus Witten, Ruhrstraße 86. Der Eintrittspreis beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro für Studierende und andere Berechtigte. Diese Veranstaltung ist Teil der Bürgeruni, einem gemeinsamen Format der vhs Witten | Wetter | Herdecke und des WittenLab.

Kunst als interaktive Unterstützung

Kunst bietet zudem neue, innovative Ansätze zur Unterstützung von Menschen mit Demenz. Das Städel Museum hat in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main die digitale Anwendung ARTEMIS Digital entwickelt. Diese Initiative ermöglicht es Menschen mit Demenz und deren Angehörigen, zeit- und ortsunabhängig auf interaktive Kunstangebote zuzugreifen. Mit Hilfe von gamifizierten Modulen werden verschiedene Themenfelder aufbereitet, um die Beziehung zwischen Betroffenen und ihren Pflegepersonen zu stärken.

Die Anwendung, die ab dem 9. Dezember 2025 kostenfrei unter artemis.staedelmuseum.de verfügbar ist, richtet sich speziell an Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz. ARTEMIS ist das erste digitale, kunstbasierte Vermittlungsformat im deutschsprachigen Raum und unterstützt dabei, Erinnerungen zu wecken und emotionale Resonanzräume zu schaffen.

Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens

Ein begleitendes Forschungsprojekt zeigt bereits positive Effekte der Anwendung auf die neuropsychiatrische Symptomatik und das emotionale Wohlbefinden der Nutzer. Durch vier geführte „Kunstreisen“ und kreative Gestaltungsanleitungen sollen Selbstwirksamkeit und die Bindung zwischen Betroffenen und Begleitpersonen gestärkt werden. In einer Zeit, in der der Bedarf an Niederschwelligkeit und Inklusion stetig steigt, tragen solche Projekte entscheidend zur Teilhabe von Menschen mit Demenz in unserer Gesellschaft bei.

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Durch die Kombination aus medizinischer Expertise und digitaler Kunstvermittlung ermöglicht ARTEMIS eine maßgeschneiderte Unterstützung, die den Bedürfnissen der Zielgruppe gerecht wird. Dieses interdisziplinäre Projekt steht unter der Leitung von Dr. Chantal Eschenfelder und Prof. Dr. Johannes Pantel und wird von der Familie Schambach-Stiftung gefördert.

Die Zukunft der Kunstvermittlung für Menschen mit Demenz scheint innovativ und vielversprechend zu werden – ein gutes Händchen für einen Bereich, der in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen könnte. Mehr Informationen sind in den ausführlichen Berichten auf den Websites der Universität Witten/Herdecke, re:publica und des Städel Museums erhältlich: Universität Witten/Herdecke, re:publica, Städel Museum.