Deutschland sieht sich seit 2020 mit einer anhaltenden Schwäche in allen Wachstumskategorien konfrontiert. Laut der WHU – Otto Beisheim School of Management zeigt die Volkswirtschaft nicht die notwendige Dynamik, um eine ausreichende Anzahl wachstumsstarker Unternehmen hervorzubringen. Prof. Dr. Dries Faems charakterisiert dies als strukturelles Problem und verweist auf die alarmierende Erkenntnis, dass Deutschland lediglich 10,5 % an „Scalern“ vorweisen kann, während andere europäische Länder deutlich besser abschneiden. So belegen Irland mit 23,1 % und Spanien mit 20,7 % die ersten Plätze in dieser Kategorie, gefolgt von Italien und Portugal, die jeweils 17,7 % erreichen. Frankreich, die einzige große Volkswirtschaft mit einem steigenden Anteil an „Scaler“-Unternehmen, liegt bei 14,0 %.

Besonders auffällig ist der Aufstieg von Griechenland (+2,8 Prozentpunkte) und Portugal (+1,5 Prozentpunkte) im Jahr 2024, was zeigt, dass diese Länder wichtige Fortschritte erzielen. Gleichwohl wird die Schwäche Deutschlands teilweise durch Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Unternehmensdaten in der Orbis-Datenbank erklärt. Die Abdeckung der beschäftigten Daten auf Unternehmensebene gilt als unzureichend im Vergleich zu anderen EU-Staaten. Die Konsistenz der erhobenen Daten über fünf Jahre deutet jedoch darauf hin, dass die Dateneffekte nicht allein für die Unterschiede in den Wachstumskennzahlen verantwortlich sind.

Demografische Herausforderungen und Rückgang des Produktionspotenzials

Parallel zu diesen Herausforderungen steht Deutschland vor einem Rückgang des Produktionspotenzials, der maßgeblich durch die demografische Alterung bedingt ist. Die Baby-Boomer gehen in den Ruhestand, was das verfügbare Arbeitsvolumen erheblich verringert. Besonders niedrig sind die Erwerbsquoten älterer Personen, und auch die Arbeitsstunden sind gesunken. Als Hauptursache wird eine sinkende Wachstumsrate des Produktionspotenzials genannt, die von 3,3 % in den 1970er Jahren auf nur noch 0,4 % in den 2020er Jahren gefallen ist. Prognosen deuten darauf hin, dass dieser Wert bis zur Mitte der 2030er Jahre ohne strukturelle Änderungen gleich bleiben wird.

Um dem entgegenzuwirken, müssen technologische Fortschritte und eine effiziente Ressourcennutzung angestrebt werden. Es werden zwei zentrale Handlungsfelder erwähnt: Die Abmilderung der demografischen Effekte und die Steigerung von Investitionen und Innovationen. Maßnahmen wie die Erhöhung der Lebensarbeitszeiten, eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen und die Integration von Migranten könnten positive Effekte haben. Zudem wird prognostiziert, dass die Nettozuwanderung das Produktionspotenzial bis 2030 um 1 % steigern könnte, bei vollständiger Integration sogar um 4,5 %.

Bevölkerungsentwicklung in Großstadtregionen

Ein weiterer Aspekt ist die demografische Entwicklung in Deutschland, die sich stark in den Großstadtregionen widerspiegelt. Im Jahr 2022 lebten etwa 60 Millionen Personen, was 71 % der Bevölkerung entspricht, in diesen Regionen. Die größten Städte sind Berlin/Potsdam mit 5,3 Millionen Einwohnern, während Salzgitter mit 156.000 Einwohnern die kleinste Großstadtregion darstellt. Zwischen 2012 und 2022 wuchs die Bevölkerung in Großstadtregionen um 3,3 Millionen (+5,8 %), während der Rest Deutschlands nur um 2,2 % zulegte.

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Trotz eines Bevölkerungswachstums in Zentren von 7,4 % gab es im Jahr 2020 einen Rückgang von 0,2 % in diesen Bereichen. Der demografische Wandel führt zu einem erhöhten Durchschnittsalter, das in Zentren bei 42,6 Jahren liegt, im Umland jedoch höher ist. Eins der entscheidenden Faktoren ist die Binnenwanderung, die seit 2014 negativ war, da mehr Menschen aus den Zentren abwandern als in diese ziehen. Dieses Wanderungsverhalten ändert sich jedoch mit den Altersgruppen, wobei junge Erwachsene in die Zentren anziehen, während Menschen zwischen 30 und 49 Jahren abwandern.

Die genannten Aspekte verdeutlichen die Herausforderungen, mit denen Deutschland in den kommenden Jahren konfrontiert ist. Politische Entscheidungsträger sind gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um das Wachstum zu fördern und den demografischen Wandel zu gestalten. Dabei wird eine umfassende Strategie notwendig sein, um die genannten Punkte erfolgreich zu adressieren.