Auf dem WHU-Campus in Vallendar begann für Marc Vietor eine Geschichte, die weit über Hörgeräte hinausführt. Der heute 46-Jährige wurde an der privaten Wirtschaftshochschule bekannt und entwickelte dort gemeinsam mit einem Freund die Geschäftsidee für Audibene. Das Unternehmen ist inzwischen deutscher Marktführer für Hörgeräte.

Vallendar ist für Vietor trotzdem nicht einfach abgehakt. Er bleibt dem Campus verbunden und spricht als Sprecher für die rund 7000 Alumni der WHU. Viele ehemalige Studierende nutzen ihre beruflichen Netzwerke weiterhin – ein ziemlich lebendiges Geflecht, das über den Studienabschluss hinausreicht.

Ein Umzug, der Vallendar überrascht

Dass die WHU ihren Hauptstandort von Vallendar bei Koblenz nach Düsseldorf verlegen will, hält Vietor für die richtige Entscheidung. Die Nachricht überraschte allerdings die Lokalpolitiker in Vallendar. Die rund 7000 Alumni waren nach seinen Angaben über den geplanten Umzug informiert.

Zu den Motiven äußerte sich Vietor während eines Aufenthalts am Flughafen Johannesburg. Der Ort passt zufällig zum nächsten Kapitel seiner eigenen Arbeit: Audibene plant, auch in Südafrika im Hörgerätegeschäft zu expandieren. Zwischen Abflug und Geschäftsidee also ein Gespräch über den Standortwechsel der Hochschule, an der seine unternehmerische Laufbahn begonnen hat.

Bis 2034/35 sollen die Aktivitäten der WHU auf einem gemeinsamen Campus im Düsseldorfer Medienhafen gebündelt werden. Seit 2010 hat die Hochschule bereits einen Standort in Düsseldorf, der künftig zum Hauptsitz werden soll. Der Studienbetrieb in Vallendar bleibt laut Rektor Christian Andres bestehen, bis die dort begonnenen Studiengänge abgeschlossen sind.

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Neubau mit offenem Kostenrahmen

Die Stadt Düsseldorf will das Grundstück bereitstellen und erschließen. Der Grundstücksvertrag soll bis zum ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden. Wie hoch die Gesamtkosten des Neubauprojekts ausfallen, ist noch nicht bekannt.

Nach Angaben des Stiftungsvorstandsvorsitzenden Christoph Glaser ist vorgesehen, dass die Beisheim-Gruppe die Kosten übernimmt. Zusätzlich sollen weitere Partner gewonnen werden. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller begrüßten die Ansiedlung; sie erwarten Impulse für Forschung, Innovation, Start-ups und den Wirtschaftsstandort.

Die WHU zählt derzeit rund 2100 Studierende an den Standorten Vallendar und Düsseldorf. Bekannt ist sie auch für Gründungen wie Zalando, Flixbus und HelloFresh. Vor rund eineinhalb Jahren verlagerte die Hochschule bereits ein Masterprogramm nach Düsseldorf. Laut Rektor stieg dadurch die Zahl der Bewerbungen deutlich.

Studieren zwischen Netzwerk und Gebühren

Zum Angebot gehören Bachelor- und Masterprogramme in International Business Administration und Management. Den Namenszusatz „Otto Beisheim“ trägt die WHU seit 1993 – zu Ehren ihres Mitgründers und langjährigen Förderers.

9.300 Euro Studiengebühren pro Semester sind eine Hausnummer. Etwa die Hälfte der Studierenden nutzt nach Angaben der WHU Stipendien oder andere Finanzierungsangebote. Gleichzeitig bleibt das Alumni-Netzwerk ein wichtiger Teil der Hochschule: Marc Vietor verkörpert es ziemlich direkt, vom Hörgeräte-Start-up aus Vallendar bis zu Expansionsplänen in Südafrika.

Am Campus in Vallendar läuft der Studienbetrieb vorerst weiter. Der geplante Wechsel nach Düsseldorf zieht sich bis 2034/35, während in Johannesburg schon die nächste Geschäftsreise wartet.