Gefälschte Chrome-App über dem Original: Wie 331 Schad-Apps Googles Play Store austricksten
Uni Halle, 16.10.2026 – Wer im Google Play Store nach Chrome suchte, konnte offenbar auf eine Falle stoßen: Eine gefälschte Chrome-Version wurde laut einem Reddit-Screenshot als Anzeige oberhalb des echten Browsers präsentiert. Name, Symbol und Beschreibung wirkten wie beim Original, außerdem standen mehr als 100.000 Downloads zu Buche.
Nur: Als Entwickler war nicht Google LLC angegeben, sondern Hizbartech. Das Portal PiunikaWeb machte den Fund öffentlich, danach entfernte Google die App aus dem Play Store. Wie sie die Prüfung bestehen und sogar als Anzeige auftauchen konnte, erklärte Google bislang nicht.
Vom Spiel zur Chrome-Kopie
Im August war die Anwendung zunächst als Spiel namens „Ball Bounce“ veröffentlicht worden. Am 30. September wurde sie so verändert, dass sie Chrome ähnelte. Die unveränderte Paketkennung lautete weiterhin com.ballbounce.Hizbartech. Weil die Downloadzahl kumuliert angegeben wurde, bleibt offen, wie viele Installationen vor und wie viele nach der Umbenennung erfolgten.
Der Reddit-Screenshot zeigte die App als gesponsertes Suchergebnis über dem echten Chrome. PiunikaWeb konnte diese Anzeige bei eigenen Tests allerdings nicht reproduzieren. Ein kleines Detail, das die Sache nicht gerade übersichtlicher macht.
Untersuchungen von Reddit-Nutzern ergaben, dass die App keinen funktionierenden Browser enthielt. Stattdessen erschien eine Messenger-ähnliche Oberfläche mit KI-generierten Avataren und vorgefertigten Antworten. Ein Nutzer berichtete außerdem, die Anwendung habe nach dem Start in kurzen Abständen Werbung abgespielt. Vermutet wurde deshalb, dass sie Menschen, die nach Chrome suchten, in erster Linie Werbeeinnahmen bringen sollte.
Ob die App Schadsoftware enthielt oder Daten abgriff, ist nicht bestätigt. Google begründet seine verschärften Regeln für Android-Entwickler mit dem Schutz vor schädlichen Apps. Seit dem 30. September müssen Entwickler in Brasilien, Indonesien, Singapur und Thailand für Apps auf zertifizierten Android-Geräten verifiziert werden – auch dann, wenn diese außerhalb von Google Play verbreitet werden. Weltweit soll die verpflichtende Verifizierung 2027 gelten. Bei Apps im Play Store übernimmt Google die Registrierung nach eigenen Angaben bei 99 Prozent der Anwendungen automatisch.
Wenn eine Sicherheitswarnung aufpoppt
Der Fall passt in ein Umfeld, in dem echte Warnungen und gefälschte Nachrichten leicht durcheinandergeraten. Sicherheitsmeldungen von Google, Microsoft, Amazon oder Banken können tatsächlich Schutzmaßnahmen auslösen – oder Teil einer Phishing-Attacke sein. Cyberkriminelle setzen dabei auf den Schreckmoment und locken Nutzer auf manipulierte Login-Seiten.
Steht dort „Verdächtige Anmeldung blockiert“, wurde ein unbekannter Login-Versuch erkannt und gestoppt. Ob dabei das richtige Passwort verwendet wurde, bleibt unklar; eine Passwortprüfung und gegebenenfalls eine Änderung sind deshalb sinnvoll. Die Meldung „Ungewöhnliche Aktivität festgestellt“ kann auf verdächtige Muster hindeuten, etwa massenhaften E-Mail-Versand oder geänderte Kontoeinstellungen. Dann sollte das Konto geprüft und bei Bedarf das Passwort geändert werden.
Bei „Ihr Konto wurde vorsorglich gesperrt“ hat der Anbieter den Zugang möglicherweise vorübergehend als Notmaßnahme blockiert. Die Wiederherstellung sollte über die offizielle Website, das verknüpfte Postfach oder eine hinterlegte Telefonnummer laufen. Ist das E-Mail-Konto betroffen, gehört der Support des Anbieters auf die Liste – und das Postfach sollte zuerst gesichert werden, weil es häufig als Zugang zu weiteren Diensten dient.
Auslöser für Schutzmechanismen können viele fehlgeschlagene Login-Versuche aus einem anderen Land sein, automatisierte Credential-Stuffing-Versuche mit Zugangsdaten aus alten Leaks oder eine Anmeldung von einem neuen Gerät beziehungsweise einer ungewöhnlichen IP-Adresse. Eine blockierte Anmeldung beweist nicht automatisch, dass das Passwort bekannt ist. Sie kann schlicht zeigen, dass das Frühwarnsystem funktioniert.
Vor dem Anklicken von Links sollte die Warnungs-E-Mail geschlossen werden. Danach wird der Dienst manuell über die selbst eingegebene Webadresse oder die offizielle App geöffnet. Bei einem echten Problem erscheint die Warnung normalerweise auch im Konto-Dashboard. Wird sie dort bestätigt, sollten Wiederherstellung und Absicherung direkt über die offizielle Website oder App erfolgen.
Passwörter nicht kreuz und quer verwenden
Aktuelle Smartphones, Betriebssysteme und Laptops schließen durch Sicherheitsupdates und moderne Sicherheitschips bekannte Schwachstellen. Als Beispiele für aktuelle Smartphones werden Pixel 10 und Samsung Galaxy S25 FE genannt. Das allein reicht freilich nicht: Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ergänzt das Passwort um einen zweiten Sicherheitsnachweis. Backup-Codes dafür sollten sicher aufbewahrt werden, etwa ausgedruckt in einem Tresor.
Wiederverwendete Passwörter machen Angreifern das Leben leichter. Zugangsdaten aus einem Datenleck können sie bei weiteren Diensten wie Amazon, PayPal oder E-Mail-Anbietern ausprobieren. Passwort-Manager erstellen und speichern unterschiedliche Passwörter für verschiedene Konten. Bitwarden ist eine Open-Source-Lösung mit umfangreicher kostenloser Version, 1Password gilt als einfach zu bedienen und für die gemeinsame Nutzung in Familien geeignet, während KeePassXC den Passwort-Tresor lokal auf dem eigenen Rechner speichert.
Sicherheitswarnungen sind häufig ein Hinweis darauf, dass ein Anbieter einen Angriff erkannt und möglicherweise verhindert hat. Als zentrale Schutzmaßnahmen werden ein Passwort-Manager und aktivierte Zwei-Faktor-Authentifizierung genannt. Klingt unspektakulär, ist aber deutlich weniger mühsam als ein verlorenes Konto.
331 Apps, 60 Millionen Downloads
Wie breit das Problem gefälschter oder nachträglich veränderter Apps reicht, zeigen Untersuchungen von Bitdefender. Forscher entdeckten mindestens 331 bösartige Apps im Google Play Store, die in den vergangenen neun Monaten mehr als 60 Millionen Mal heruntergeladen wurden. Nach Angaben der Forscher umgingen die Anwendungen die Sicherheitsmaßnahmen von Android 13; die Kampagne sei weiterhin aktiv.
Erste Apps wurden im dritten Quartal 2024 festgestellt. Einige blieben längere Zeit unauffällig im Play Store und erhielten ihre bösartige Nutzlast erst später per Update. Nach außen sahen sie unter anderem wie QR-Scanner, Haushaltsplaner oder Gesundheitsanwendungen aus. Manche konnten ohne Nutzeraktion automatisch starten und im Hintergrund arbeiten, ohne ein Symbol der Launcher-Aktivität anzuzeigen.
Dann wurde es lästig bis gefährlich: Die Apps konnten ungefragt kontinuierlich Werbung oder Spam im Vollbildmodus einblenden. Einige zeigten Bedienelemente und versuchten, Nutzer zur Eingabe von Zugangsdaten und Kreditkarteninformationen zu bewegen.
Google Play ist wiederholt Ziel von Cyberkriminellen, die Schutzmaßnahmen umgehen und bösartige Apps einschleusen wollen. Google entfernt solche Apps üblicherweise nach ihrer Entdeckung; laut den Forschern passen die Angreifer ihre Strategien und Taktiken jedoch zunehmend an. Bitdefender zufolge sollten sich Anwender und Unternehmen deshalb nicht allein auf die standardmäßigen Schutzmechanismen von Android und Google Play verlassen.
Phishing- und Spear-Phishing-Kampagnen werden breiter eingesetzt und häufiger mit Malware-Kampagnen verbunden. Standardmäßige Anti-Phishing- und Social-Engineering-Schulungen könnten durch angepasste Angreiferstrategien an Wirksamkeit verlieren. Unternehmen sollten menschliche Risiken in der IT kontinuierlich überwachen, analysieren, bewerten und systematisch reduzieren. Personalisierte und automatisierte Phishing-Trainings lassen sich laut dem Artikel auf individuelle Schwachstellen einzelner Mitarbeiter zuschneiden.
Moderne Anti-Phishing-E-Mail-Lösungen kombinieren dem Artikel zufolge künstliche Intelligenz und Crowdsourcing, um auch neue Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Und wenn im Play Store plötzlich Chrome über Chrome steht, schaut man vielleicht zweimal hin. Hoffentlich.
