NRWision endet 2026: TU Dortmund sucht Zukunft für Bürgermedien-Plattform
Nach 17 Jahren ist für NRWision Schluss: Die am Institut für Journalistik der TU Dortmund angesiedelte Bürgermedien-Plattform stellt Ende 2026 den Betrieb ein. Grund ist die Entscheidung der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), die seit 2009 bestehende finanzielle Förderung ab 2027 nicht fortzuführen. Eine alternative Finanzierung hat das Team bislang nicht gefunden.
Für Bürgerinnen und Bürger aus Nordrhein-Westfalen war NRWision seit 2009 eine professionelle Plattform für eigene Themen und Beiträge. Damals gründeten die TU Dortmund und die LfM das Projekt unter dem Namen „TV-Lernsender.NRW“. Einsendende konnten Beiträge hochladen, bekamen redaktionelles und technisches Feedback und Unterstützung bei Fragen. NRWision prüfte die Inhalte medienrechtlich, ermöglichte die Nutzung GEMA-freier Musik und veröffentlichte die Beiträge im linearen Sender sowie in einer eigenen Mediathek.
Beiträge bis November, Sonderprogramm ab Dezember
Neue Beiträge können noch bis zum 18. November hochgeladen werden, damit sie 2026 veröffentlicht werden können. Ab dem 1. Dezember ist ein Sonderprogramm geplant – mit Beiträgen aus 17 Jahren und neu produziertem Material. Gesucht werden dafür auch Beiträge und kurze Mitteilungen, in denen Einsendende beschreiben, welche Bedeutung die Arbeit von NRWision für sie hatte.
Das Archiv soll über das Jahresende hinaus bestehen bleiben. Wie diese dauerhafte Verfügbarkeit finanziert werden kann, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Unklar bleibt außerdem, wie die bürgermediale Förderung in Nordrhein-Westfalen ab 2027 gestaltet wird.
Seit 2017 berücksichtigt NRWision neben TV- und Online-Videobeiträgen auch Audiobeiträge. Mehr als 1.500 Gruppen und Einzelpersonen haben sich bislang mit Audio- und Videobeiträgen beteiligt. 2025 verzeichnete die Mediathek mit rund 46.000 Beiträgen einen Rekord bei den Seitenaufrufen; auch 2026 ist das Interesse hoch.
Ein geschützter Raum für Medien
In 17 Jahren entstanden zahlreiche TV-Eigenproduktionen mit Studierenden und Bürgerinnen. Zu den jüngeren Formaten gehört „Lass uns reden“. Darin diskutieren Bürgerinnen vor Ort über Themen, die sie selbst betreffen. Zu Gast waren unter anderem die Journalistinnen Christine Westermann, Sabine Heinrich und Manfred Breuckmann sowie die Politiker Franz Müntefering, Nathanael Liminski und Hannelore Kraft.
Chefredakteurin Leonie Krzistetzko beschreibt NRWision als geschützten Raum, in dem Bürgerinnen Medien ausprobieren können – begleitet von einer professionellen Redaktion und frei von Hassrede. Für viele war das offenbar mehr als ein Upload-Fenster im Internet: ein Ort, an dem man mit einer Idee auftauchen konnte und nicht gleich allein dastand.
Projektleiter Prof. Michael Steinbrecher vom Institut für Journalistik der TU Dortmund dankte der LfM im Frühjahr für die langjährige Zusammenarbeit. Er kündigte außerdem Gespräche mit möglichen neuen Kooperationspartnern an. Das Medienprojekt sucht nach Möglichkeiten, seine Arbeit über 2026 hinaus fortzusetzen.
Bundesverband fordert verlässliche Förderung
Der Bundesverband Bürgermedien fordert am 10. Juli 2026 eine stabile und verlässliche Förderung für Bürgersender in Nordrhein-Westfalen. Die LfM beendet zum Jahresende 2026 die Förderung der Bürgermedien-Plattform NRWision. Der Verband wertet das als weiteren Abbau des gemeinnützigen Bürgerrundfunks und sieht dadurch Medienvielfalt und demokratische Teilhabe vor Ort beeinträchtigt.
Bürgersender bieten laut Bundesverband lokale und regionale Information sowie offene Beteiligungsmöglichkeiten am Sendegeschehen. Der Verband unterstützt deshalb einen Offenen Brief des NRW-Landesverbands Bürgermedien und richtet die Forderung nach einer verlässlichen Förderperspektive an die Medienanstalt und die Medienkommission NRW. An der TU Dortmund bleibt vorerst die Suche nach einer Lösung – und die Arbeit an den letzten Beiträgen für 2026.
