Die WHU – Otto Beisheim School of Management plant einen neuen Groß-Campus in Düsseldorf. Ihren bisherigen Sitz in Vallendar bei Koblenz will die private Wirtschaftshochschule damit langfristig in die Landeshauptstadt verlegen. Mitgeteilt wurde das Vorhaben von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens am 7. Oktober 2026 – einen Tag vor heute, dem 8. Oktober.

Vorgesehen ist ein Neubau in zentraler Lage am Düsseldorfer Medienhafen. WHU und Stadt wollen exklusive Verhandlungen über ein Areal auf der Halbinsel Kesselstraße aufnehmen. Bis 2034 soll der neue Campus entstehen. Die bestehenden Standorte in Vallendar und Düsseldorf bleiben bis auf Weiteres erhalten; in Düsseldorf gibt es bereits eine kleinere Zweigstelle.

Ein Quartier für Wissenschaft und Unternehmen

Christoph Glaser, Vorstandsvorsitzender der Stiftung WHU, bezeichnete das geplante Gelände als künftiges Quartier für Wissenschaft und Unternehmen. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erklärte, die Entscheidung stärke Nordrhein-Westfalen als Standort für Spitzenforschung und unternehmerische Ideen. Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) sagte, die WHU habe sich bewusst für eine neue Heimat in Nordrhein-Westfalen entschieden.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) verglich die mögliche langfristige Bedeutung des Campus mit großen Stadtentwicklungsprojekten wie dem Rheinufertunnel und der Wehrhahnlinie. In der vergangenen Woche waren weitere Hochschulstandorte in NRW als exzellent ausgezeichnet worden. Der geplante Neubau wird von der Landesregierung als Ausbau des Hochschulstandorts Nordrhein-Westfalen bezeichnet.

Die WHU wurde 1984 auf Initiative der Industrie- und Handelskammer zu Koblenz als international ausgerichtete Hochschule zur Ausbildung künftiger Führungskräfte gegründet. 1988 zog sie aus Koblenz-Karthause in die Marienburg im Zentrum Vallendars um. Der Hauptsitz liegt bislang in Vallendar bei Koblenz, der weitere Standort in Düsseldorf. Träger ist die Stiftung Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung; staatlich anerkannt ist die Hochschule durch das Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz.

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Die Abkürzung WHU geht auf „Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung“ zurück. Diese Langform wird heute nicht mehr verwendet. Der Namenszusatz „Otto Beisheim“ kam 1993 zu Ehren des größten Förderers hinzu. Beisheim (1924–2013) war Unternehmer, Gründer und Mithauptaktionär der Marke Metro. Laut einer Mitteilung der Beisheim-Stiftung von 2006 gehörte er im Zweiten Weltkrieg als Fernmelde-Gefreiter einer Division der Waffen-SS an.

Studium, Auswahl und Kosten

Rund 2.100 Studierende hat die Hochschule derzeit; in den veröffentlichten Angaben zum Wintersemester 2024/25 werden 2.007 Studierende einschließlich Promotionsstudierender genannt. Im September 2024 beschäftigte die WHU 251 Mitarbeitende ohne wissenschaftliche Mitarbeitende. Hinzu kommen 44 Professoren und 15 Juniorprofessoren. Kanzlerin ist Rebecca Winkelmann, Rektor Christian Andres. Der Jahresetat lag im Geschäftsjahr 2021/22 bei 57,6 Millionen Euro. Die Website ist unter www.whu.edu erreichbar.

Die Studiengebühren betragen laut WHU-Website 9.300 Euro pro Semester. Angeboten werden im Bachelor ein Studiengang in Internationaler Betriebswirtschaftslehre/Management (BSc) und ein Bachelor in Wirtschaftspsychologie (BSc). Beide Programme umfassen 180 ECTS-Credits, dauern regulär sechs Semester und enthalten zwei Praktika, darunter Auslandspraktika, sowie ein Auslandssemester.

Im Master gibt es die Programme Management, Finance, Entrepreneurship, International Business und Business Analytics. Zur Wahl stehen ein 120-Credit-Track mit 21 Monaten Dauer und ein 90-Credit-Track mit 17 Monaten. Zusätzlich bietet die WHU einen berufsbegleitenden Master in Management als Master of Arts an.

Am Düsseldorfer Campus findet der Full-Time MBA in General Management statt; er dauert zwölf Monate. Berufstätige können den 18-monatigen Part-Time MBA in General Management besuchen, mit Unterricht samstags und sonntags. Der Global Online MBA in General Management ist auf 18 oder 36 Monate angelegt, einzelne Zertifizierungen sind alternativ möglich. Gemeinsam mit der Kellogg School of Management gibt es außerdem den Kellogg-WHU Executive MBA: zwei Jahre in Teilzeit, Voraussetzung sind mindestens acht Jahre Führungserfahrung.

Das Promotionsstudium richtet sich an Diplom- und Masterabsolventen, in besonderen Fällen auch an besonders qualifizierte Bachelorabsolventen. Der Abschluss lautet Dr. rer. pol. Promovierte können sich an der WHU habilitieren. Alle Studienprogramme mit akademischem Abschluss sind staatlich anerkannt und durch FIBAA akkreditiert. Zusätzlich ist die Hochschule durch AACSB und EQUIS akkreditiert; die EQUIS-Akkreditierung besteht seit 1998.

Für Bewerber gehören Abitur oder ein vergleichbarer deutscher beziehungsweise internationaler Schulabschluss, sehr gute Englischkenntnisse und ein mindestens sechswöchiges kaufmännisches Praktikum zu den Grundvoraussetzungen – möglichst vor Studienbeginn. Die notenmäßig besten Bewerber werden zu einem deutsch- oder englischsprachigen Assessment-Center eingeladen. Ein weiteres Viertel kann wegen besonderen außerschulischen Engagements teilnehmen. Das Verfahren umfasst zwei jeweils 30-minütige Einzelinterviews und einen schriftlichen Test. Die besten Teilnehmenden erhalten einen Studienvertrag.

Start-ups, Stipendien und Campusleben

Die Fakultät umfasst zahlreiche Lehrstühle und Zentren. Zu den Instituten gehören das Institut für Management Accounting and Control (IMC), das Kühne-Institut für Logistikmanagement, das Institut für Industrieökonomik sowie das Institut für Familienunternehmen und Mittelstand (ifbm).

Eine TUM-Studie von 2025 ermittelte rund 350 Gründungen je 1.000 Studierende – die höchste Gründungsrate deutscher Hochschulen. Zwischen 2014 und 2024 wurde die WHU als deutsche Hochschule mit der zweithöchsten absoluten Zahl an Start-up-Gründungen eingestuft. Der „University Startup Index 2025“ von Redstone weist 88 neue Start-up-Gründungen je 100 Millionen Euro Hochschulfinanzierung aus. Berichte von Antler aus den Jahren 2022 und 2023 ordneten die WHU bei der Zahl der Gründerinnen und Gründer von „Einhörnern“ an erster Stelle unter deutschen Hochschulen und europaweit hinter Oxford an zweiter Stelle ein.

Bei den Deutschlandstipendien erreicht die WHU mit 2,2 Prozent den höchsten Anteil unter den Hochschulen in Rheinland-Pfalz. Berücksichtigt werden unter anderem schulische Leistungen, Auszeichnungen, praktische Erfahrungen, Berufsausbildung, Leistungen im WHU-Auswahlverfahren und finanzielle Belastungen. Über Brain Capital können Studierende einen umgekehrten Generationenvertrag nutzen: Während des Studiums fallen keine Studiengebühren an, nach dem Abschluss wird zehn Jahre lang ein einkommensabhängiger Ausbildungsbeitrag gezahlt. Bis zu 15 Prozent der Bachelorstudierenden können einen Freiplatz erhalten. Maßgeblich ist das BAföG; grundsätzlich braucht es einen BAföG-Anspruch oder nur eine geringfügige Überschreitung der Einkommensgrenze.

Rund um die Hochschule hat sich ein ziemlich dichtes Netz studentischer Projekte gebildet. Campus for Finance wurde 2001 gegründet, Campus for Supply Chain Management 2004, Campus for Controlling und Campus for Strategy and Leadership 2008, Campus for Marketing 2010, Campus for Sales 2012 und Campus for Family Business 2017. Dazu kommen Campus for Corporate Transformation, forumWHU – Wirtschaft in der Verantwortung (gegründet 2003), IdeaLab! – WHU Founders’ Conference (2000), SensAbility – The WHU Impact Summit (2010), BusinessMeetsTech – Tech at WHU (2019), 3 Day Startup – WHU Founders Bootcamp und die Start-Up Academy by WHU.

Weitere Initiativen sind unter anderem confluentes, SAIDIA Consulting, SmartUp!, WHU Finance Society, WHU Women in Business, WHU Family Business Club, WHU First Responder, WHU Studenten Helfen, TEDxWHU, WHU Debate Society, WHU Automotive Club, Hochschulmusikverein und Hochschulsportverein. Außerdem bestehen die Studentenverbindungen AV Confluentia und ADV Vivacitas.

Netzwerk, Kritik und offene Fragen

Die Alumni-Vereinigung In Praxi zählt rund 7.170 Mitglieder in etwa 84 Ländern (September 2024). Sie wurde von ehemaligen Studierenden gegründet und wird selbst verwaltet. Ihre Ziele sind die Unterstützung von Forschung, Wissenschaft und Studierenden sowie die Pflege von Alumni-Kontakten. 2012 erhielt In Praxi einen Alumni-Preis für die Integration ehemaliger Studierender in Hochschulaktivitäten.

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