WHU plant neuen Hauptcampus im Düsseldorfer Hafen bis 2034
Die private Wirtschaftshochschule Otto Beisheim School of Management (WHU) plant einen neuen Campus im Düsseldorfer Hafen. Auf der Halbinsel Kesselstraße soll ein Großprojekt entstehen, das die Skyline der Stadt verändern würde. Bis 2034 soll der Hauptsitz der WHU vom bisherigen Standort nach Düsseldorf verlegt werden.
Vorgestellt wurde das Vorhaben am Mittwoch im Beisein des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU). Offen sind dabei mehrere Fragen: Was genau entsteht im Hafen? Was passiert mit dem bisherigen Standort? Welche Studiengänge bietet die Hochschule an – und wie teuer kann ein Studium werden? Im Raum stehen Gebühren von bis zu 55.000 Euro.
Studieren zwischen Rhein und MedienHafen
Der Düsseldorfer Campus liegt im Stadtzentrum. Die Stadt bringt dafür einiges mit: Spaziergänge am Rhein, eine historische Altstadt, den modernen MedienHafen, Museen, Parks, Cafés und die Königsallee. Düsseldorf ist außerdem ein bedeutender Wirtschaftsstandort Deutschlands und Sitz zahlreicher internationaler Unternehmen. Dank der internationalen Verkehrsanbindung ist die Stadt auch für Studierende, Forschende und Gäste aus dem Ausland gut erreichbar.
Am Campus lernen und arbeiten Master-in-Finance-, Full-Time-MBA- und Part-Time-MBA-Studierende. Dazu kommen Teilnehmende der Executive-Education-Programme sowie Forschende und Mitarbeitende. Der geplante Standort auf der Kesselstraße würde diese Präsenz deutlich ausweiten – und der Stadt am Rhein ein weiteres markantes Hochschulgebäude bescheren.
Die WHU hat derzeit Standorte in Vallendar und Düsseldorf. Ihr Hauptsitz liegt in Vallendar bei Koblenz, ein weiterer Campus befindet sich in Düsseldorf. Kanzlerin ist Rebecca Winkelmann, Rektor Christian Andres. Im Wintersemester 2024/25 studierten 2.007 Personen an der Hochschule, Promovierende eingeschlossen. Im September 2024 beschäftigte sie 251 Mitarbeitende ohne wissenschaftliche Mitarbeitende sowie 44 Professoren und 15 Juniorprofessoren. Der Jahresetat lag im Geschäftsjahr 2021/22 bei 57,6 Millionen Euro.
Vom Bachelor bis zum Doktor
Gegründet wurde die privat finanzierte Wirtschaftshochschule im Universitätsrang 1984 auf Initiative der Industrie- und Handelskammer zu Koblenz als „Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung“. Im selben Jahr erkannte das Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz die Hochschule staatlich an. 1988 zog die WHU von Koblenz-Karthause in die Marienburg im Zentrum Vallendars. Die Langform des Namens wird heute nicht mehr verwendet; „WHU“ leitet sich ursprünglich dennoch davon ab. Der Namenszusatz „Otto Beisheim“ kam 1993 zu Ehren des größten Förderers hinzu.
Im Bachelor gibt es zwei sechssemestrige Programme mit jeweils 180 ECTS-Punkten: Internationale Betriebswirtschaftslehre/Management sowie Wirtschaftspsychologie. In beide Studiengänge sind zwei Praktika, darunter Auslandspraktika, und ein Auslandssemester integriert.
Fünf Master-of-Science-Programme ergänzen das Angebot: Management, Finance, Entrepreneurship, International Business und Business Analytics. Sie werden als 120-Credit-Track mit 21 Monaten Dauer oder als 90-Credit-Track mit 17 Monaten Dauer angeboten. Zusätzlich gibt es einen berufsbegleitenden Master in Management als Master of Arts.
Der Full-Time MBA in General Management dauert zwölf Monate und findet am Düsseldorfer Campus statt. Der Part-Time MBA in General Management erstreckt sich über 18 Monate und richtet sich an Berufstätige; unterrichtet wird samstags und sonntags in Düsseldorf. Beim Global Online MBA sind 18 oder 36 Monate möglich, alternativ einzelne Zertifizierungen.
Gemeinsam mit der Kellogg School of Management bietet die WHU außerdem das zweijährige, berufsbegleitende Kellogg-WHU-Executive-MBA-Programm an. Voraussetzung sind mindestens acht Jahre Führungserfahrung. Das Promotionsstudium richtet sich vor allem an Diplom- und Masterabsolventen; in Einzelfällen können auch besonders geeignete Bachelorabsolventen zugelassen werden. Nach erfolgreicher Promotion verleiht die WHU den Titel „Dr. rer. pol.“. Promovierte können sich dort habilitieren.
Alle Studiengänge mit akademischem Abschluss sind staatlich anerkannt und von der FIBAA akkreditiert. Die WHU ist außerdem nach AACSB und EQUIS akkreditiert; die EQUIS-Akkreditierung besteht seit 1998. Zur Fakultät gehören verschiedene Lehrstühle und Zentren, darunter das Institut für Management Accounting und Control (IMC), das Kühne-Institut für Logistikmanagement, das Institut für Industrieökonomik und das Institut für Familienunternehmen und Mittelstand (ifbm).
Auswahl, Gebühren und internationale Vernetzung
Für eine Bewerbung werden unter anderem Abitur oder ein vergleichbarer Abschluss, sehr gute Englischkenntnisse und ein mindestens sechswöchiges kaufmännisches Praktikum vorausgesetzt. Die notenmäßig besten Bewerber werden zu einem deutsch- oder englischsprachigen Assessment-Center eingeladen. Weitere Bewerber können wegen besonderen außerschulischen Engagements berücksichtigt werden. Das Verfahren umfasst zwei jeweils 30-minütige Einzelinterviews und einen schriftlichen Test. Anschließend erhalten die besten Teilnehmenden einen Studienvertrag.
Die Kosten können bis zu 55.000 Euro betragen. Unterstützung ist allerdings möglich: Über einen umgekehrten Generationenvertrag von Brain Capital lässt sich das Studium zunächst ohne Studiengebühren finanzieren; danach werden zehn Jahre lang einkommensabhängige Beiträge gezahlt. Bis zu 15 Prozent der Bachelorstudierenden können außerdem einen Freiplatz erhalten. Maßgeblich ist dabei insbesondere die Einkommens- und Vermögenssituation, orientiert an den BAföG-Kriterien.
Mit rund 220 Partnerhochschulen ist die WHU international breit aufgestellt. Zu den genannten Partnern zählen unter anderem die Carnegie Mellon University, die Columbia University, die University of Hong Kong, Dartmouth College, die IE Business School, die ESCP Business School, die ESADE Business School, das Indian Institute of Management Ahmedabad, die Singapore Management University, die Nanyang Technological University, die New York University, die Northwestern University/Kellogg School of Management, die Erasmus-Universität Rotterdam, Sciences Po, die Shanghai Jiao Tong University, die Stockholm School of Economics, die Hong Kong University of Science and Technology, die University of North Carolina at Chapel Hill, die Bocconi-Universität, die University of Michigan, die University of New South Wales, die University of Southern California und die University of Texas at Austin.
Zu den Partnern der Double-Degree-Programme gehören unter anderem die EMLYON Business School, die Emory University, die Lancaster University, die Universität Peking, die Católica Lisbon School of Business & Economics, die University of San Diego, die University of Texas at Austin und York University.
Im QS-Fachranking 2023 für „Business & Management Studies“ erreichte die WHU weltweit Rang 128, im Bereich „Accounting & Finance“ den Rangbereich 100–150. Im QS Global MBA Ranking 2023 lag sie auf Rang 59 von 296 Programmen. Im Master-in-Management-Ranking 2023 wurde sie auf Rang 24 von 176 Programmen geführt, im Master-in-Finance-Ranking 2023 auf Rang 24 von 189 Programmen. In der DACH-Region lagen bei diesen Rankings jeweils einzelne Hochschulen aus Wien, St. Gallen, Mannheim oder Frankfurt vor der WHU.
Gründungen, Campusleben und offene Fragen
Eine TUM-Studie von 2025 ermittelte rund 350 Start-up-Gründungen je 1.000 WHU-Studierende. Im Zeitraum 2014–2024 wies die WHU laut derselben Studie die zweithöchste absolute Zahl an Start-up-Gründungen unter deutschen Hochschulen auf. Der „University Startup Index 2025“ von Redstone stufte sie als Europas effizienteste Universität bei Start-up-Gründungen im Verhältnis zum Hochschulbudget ein: 88 neue Start-up-Gründungen je 100 Millionen Euro Hochschulfinanzierung.
Berichte von Antler aus den Jahren 2022 und 2023 ordneten die WHU bei der Zahl der Gründerinnen und Gründer sogenannter Einhörner deutschlandweit auf Platz eins und europaweit hinter Oxford auf Platz zwei ein. Mit einem Anteil von 2,2 Prozent hat die WHU laut den Angaben zudem den höchsten Anteil an Deutschlandstipendiaten unter den Hochschulen in Rheinland-Pfalz. Bei der Vergabe zählen unter anderem schulische Leistungen, Auszeichnungen, praktische Erfahrungen, Berufsausbildung, Leistungen im WHU-Auswahlverfahren und zusätzliche Belastungen.
Studentisches Leben gibt es nicht nur in Seminarräumen. Zu den studentisch organisierten Kongressen gehören Campus for Finance, gegründet 2001, Campus for Supply Chain Management, gegründet 2004, Campus for Controlling und Campus for Strategy and Leadership, beide gegründet 2008, Campus for Marketing, gegründet
