WHU verlegt Hauptstandort bis 2034 von Vallendar in den Düsseldorfer Medienhafen
Die private Wirtschaftshochschule Otto Beisheim School of Management (WHU) will ihren Hauptstandort bis 2034 von Vallendar nach Düsseldorf verlegen. Heute, am 8.10.2026, ist das noch kein kompletter Schnitt: Die WHU betreibt derzeit Campusstandorte in Vallendar und Düsseldorf, beide sollen zunächst bestehen bleiben.
Geplant ist, die Aktivitäten bis 2034 an einem gemeinsamen neuen Campus im Düsseldorfer Medienhafen zu bündeln. Zu den Kosten machte die Hochschule keine Angaben. Für Vallendar ist die Nachricht trotzdem ein Einschnitt. Die WHU prägt den Ort seit ihrer Gründung dort im Jahr 1984 – und nun steht die Frage im Raum, was bleibt.
Enttäuschung in Vallendar
Bürgermeister Wolfgang Heitmann (SPD) reagierte enttäuscht. Besonders ärgert ihn, dass er erst aus der Presse von den Plänen erfahren habe. Nach seiner Einschätzung könnten die Folgen weit über den Hochschulbetrieb hinausreichen: auf den Wohnungsmarkt, den Einzelhandel und die Gastronomie, die örtliche Wirtschaft sowie auf die Nutzung zahlreicher Gebäude.
Auch Landrat Marko Boos (SPD) bezeichnete den Weggang als großen Verlust für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz. Der Kreis Mayen-Koblenz will mit der WHU über eine langfristige Perspektive für Vallendar sprechen. Boos fordert außerdem, dass sich das Land stärker einsetzt, um zumindest Teile der WHU in Vallendar zu halten.
Die Hochschule versichert unterdessen, dass Studierende, die ihr Studium in Vallendar begonnen haben, es dort auch abschließen können. Bereits früher seien einzelne Studienprogramme nach Düsseldorf verlegt worden, ohne den Studienalltag zu beeinträchtigen, teilt die WHU mit.
Ein Campus für Düsseldorf
Die WHU begründet den Schritt unter anderem mit Düsseldorfs Lage in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas. Der Düsseldorfer Standort ist seit seiner Eröffnung im Jahr 2010 kontinuierlich gewachsen. Ein neuer, offener Campus im Medienhafen soll den Austausch zwischen Studierenden, Fakultät, Mitarbeitenden und Alumni fördern – ebenso mit Wissenschaft, Unternehmen, Politik und Gesellschaft.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) begrüßte den geplanten Campus in Düsseldorf. Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) erwartet dadurch eine höhere Attraktivität der Stadt für internationale Studierende, Talente und Unternehmen. Zwischen Medienhafen, Bürohäusern und Wasser soll also ein Ort entstehen, an dem die Hochschule stärker mit ihrer Umgebung verbunden ist.
Die WHU betont dabei zugleich, wie viel sie Vallendar, der Region, ihren Menschen und Unternehmen sowie den Gründungsmitgliedern verdankt. Besonders nennt sie die IHK Koblenz. Diese hätten die Hochschule entscheidend geprägt.
Von Vallendar in die Welt
Gegründet wurde die Hochschule 1984 als Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar. 1993 erhielt sie den Zusatz „Otto Beisheim“. Heute bietet sie Bachelor- und Masterprogramme in International Business Administration und Management an; rund 2.100 Menschen studieren dort derzeit.
Aus der Hochschule gingen unter anderem die Start-ups Zalando, Flixbus und Hellofresh hervor. Das ist eine stattliche Liste für eine Hochschule, deren Geschichte so eng mit einer vergleichsweise kleinen Stadt verbunden ist. Genau darin liegt die Spannung des geplanten Umzugs: Düsseldorf soll neue Möglichkeiten eröffnen, während Vallendar einen Teil jener Präsenz zu verlieren droht, die den Ort seit 1984 mitgeprägt hat.
Bis 2034 bleibt Zeit für Übergänge, Gespräche und die Suche nach einer Perspektive für Vallendar. Wie viele Gebäude künftig wie genutzt werden, welche Folgen der Standortwechsel für Wohnungen, Geschäfte und Gastronomie hat und ob Teile der WHU dauerhaft am Ort bleiben, ist offen.
