Ebola-Ausbruch in Ostafrika: Kenia meldet zweiten Todesfall im Schatten der Kongo-Epidemie
Am 24. Oktober 2026 richtet sich der Blick auch an der Uni Saarland nach Afrika: In Kenia ist eine 65-jährige Frau an Ebola gestorben. Sie gehörte zu den Angehörigen des ersten Ebola-Falls im Land, stand bereits unter Quarantäne und entwickelte Mitte Oktober Symptome. Die medizinische Behandlung begann umgehend.
Damit steigt die Zahl der Ebola-Todesfälle in Kenia auf zwei. Insgesamt sind dort neun Infektionen bekannt; sieben weitere Patienten werden derzeit in zwei Isoliereinrichtungen behandelt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gehören alle bestätigten Fälle zu einem Cluster bekannter Kontaktpersonen. Hinweise auf eine weitere Ausbreitung in der Bevölkerung gibt es laut Regierung bislang nicht.
Vom Kongo über Uganda nach Kenia
Kenia hatte am 6. Oktober den ersten Ebola-Fall gemeldet. Der Mann hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo infiziert, war über Uganda auf dem Landweg nach Kenia gereist und anschließend in das Land geflogen. Er starb in einem kenianischen Krankenhaus.
Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo wurde Mitte Mai im Osten des Landes bekannt. Nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörde wurden dort seitdem mehr als 9.700 Ebola-Patienten registriert, mehr als 4.700 Infizierte starben. Africa CDC bezeichnete den Ausbruch als den am schnellsten wachsenden Ebola-Ausbruch der Geschichte.
Die nun gemeldeten Fälle in Kenia stehen im Zusammenhang mit einem Ausbruch, der durch das Bundibugyo-Virus verursacht wird. Seit dem 15. Mai 2026 ist dieser Ausbruch im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo bekannt. Die WHO rief am 17. Mai 2026 eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite, eine PHEIC, aus. Nach WHO-Angaben handelt es sich um den größten Ebolafieber-Ausbruch in der Geschichte der DRK; mehrere Tausend Menschen erkrankten.
Zentrum und mutmaßlicher Ursprung liegen in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu, weitere Provinzen sind ebenfalls betroffen. Zu Beginn wurden Fälle im Nachbarland Uganda festgestellt. Im Juni 2026 wurde eine Infektion bei einer aus der DRK nach Frankreich eingereisten Person festgestellt. Im Oktober 2026 wurde in Kenia eine Infektionskette gemeldet, die auf eine über Uganda aus der DRK eingereiste Person zurückgeführt wurde. Ebenfalls im Oktober 2026 wurde ein Fall in Nigeria bekannt; die betroffene Person war über Uganda eingereist.
Ein Virus mit langer Geschichte
Das Bundibugyo-Virus ist seit 2007 bekannt. Bei den bisherigen Bundibugyo-Ausbrüchen 2007 und 2012 wurden 131 beziehungsweise 38 laborbestätigte Fälle registriert. Die festgestellte Letalität lag zwischen 30 und 40 Prozent und damit unter der des häufiger auftretenden Zaire-Stamms. Wie tödlich Ebola verläuft, hängt allerdings wesentlich von der Qualität der unterstützenden medizinischen Behandlung ab.
Für das Bundibugyo-Virus gibt es bislang keine zugelassenen Medikamente und keine zugelassenen Impfstoffe. Im Ausbruchsgebiet laufen Studien zu Behandlung und Postexpositionsprophylaxe mit vielversprechenden Substanzen; ein Impfstoffkandidat befindet sich in Phase 1.
Die Demokratische Republik Kongo ist seit dem ersten dokumentierten Ebola-Ausbruch 1976 wiederholt betroffen. Vor 2018 gab es dort acht dokumentierte Ausbrüche. Das Land gilt als Ebola-Endemiegebiet. Das natürliche Reservoir des Virus ist unbekannt, Flughunde gelten als mögliche Reservoirwirte. Erkrankungen wurden bei verschiedenen Primaten nachgewiesen.
Ebola ist eine Zoonose. Als mögliche Quelle für die Übertragung auf Menschen gilt der Verzehr infizierter Wildtiere, sogenanntes „Bushmeat“, darunter Affen und Flughunde.
Der westliche Kongo erlebte zwischen Mai und Juli 2018 in der Region um Wangata einen eigenen Ausbruch: 54 Menschen erkrankten, 33 starben. Er galt vermutlich als unabhängig von der späteren Epidemie im Osten.
Die Epidemie im Ostkongo
Der erste gesicherte Fall der Ostkongo-Epidemie wurde im Juli 2018 von der WHO in Nord-Kivu registriert. Wahrscheinliche Fälle waren bereits im April oder Mai 2018 in Mabalako aufgetreten. Erreger war das Zaire-Ebolavirus, ZEBOV. Am 12. August 2018 entfielen 41 von 52 registrierten Erkrankungsfällen auf Mabalako.
Später verlagerte sich das Geschehen nach Beni, Butembo und Katwa. Beni erreichte im Oktober 2018 einen deutlichen Höchststand, Butembo und Katwa verzeichneten Spitzen im Januar und April 2019. Ab April 2019 traten erneut Fälle in Mabalako auf. Zwischen dem 1. Mai und 1. Juni 2019 wurden in Nord-Kivu und Ituri 484 Neuerkrankungen und 345 Todesfälle registriert. Im August 2019 war erstmals Süd-Kivu betroffen.
Für die Jahre 2018 bis 2020 weist die WHO mit Stand 21. Juni 2020 insgesamt 3.470 Erkrankungsfälle aus: 3.317 gesicherte und 153 wahrscheinliche. 2.287 Menschen starben, darunter 2.134 mit gesicherter und 153 mit wahrscheinlicher Infektion. 1.183 Menschen überlebten; die Letalität lag bei 65,9 Prozent. Die WHO schätzte, dass etwa 25 Prozent der Fälle unentdeckt blieben und deshalb nicht in der Statistik auftauchten.
Regional entfielen auf Nord-Kivu 2.927 Erkrankungen und 2.006 Todesfälle, auf Ituri 537 Erkrankungen und 492 Todesfälle sowie auf Süd-Kivu sechs Erkrankungen und zwei Todesfälle. In Ugandas Western Region wurden drei Erkrankungsfälle registriert. Sie wurden später statistisch der Demokratischen Republik Kongo zugerechnet und nicht doppelt gezählt.
Im September 2019 meldete das kongolesische Gesundheitsministerium 3.099 Fälle, darunter 2.988 gesicherte und 111 wahrscheinliche. Registriert wurden 2.074 Todesfälle, davon 1.963 gesicherte und 111 wahrscheinliche; 938 Menschen überlebten. Die Letalität lag bei knapp 69 Prozent. Nach der westafrikanischen Epidemie 2014–2016 war der Ausbruch damit der bis dahin weltweit zweitgrößte dokumentierte Ebola-Ausbruch.
Im August 2019 wurde erstmals Süd-Kivu betroffen. Im Mai 2020 kam es außerdem in Mbandaka im Nordwesten des Landes zu einem Ebola-Ausbruch: Vier Menschen starben, vier weitere wurden laut UNICEF in Krankenhäusern isoliert. Er wurde als vermutlich isolierter, elfter Ausbruch ohne Zusammenhang mit der seit 2018 laufenden Epidemie im Osten bewertet.
Im April 2020 wurde nach mehr als 50 Tagen ohne neue Fälle erneut ein 26-jähriger Mann positiv getestet. Zwei Tage später starb ein elf Monate altes Mädchen im selben Behandlungszentrum.
Kinder, Frauen und die Menschen an der Front
Bis zum 19. August 2019 waren 157 Erkrankte, etwa fünf Prozent der Fälle, Beschäftigte im Gesundheitswesen. Bis zum 19. Juli 2019 starben 41 erkrankte Beschäftigte, etwa 2,5 Prozent aller Todesfälle.
Der Konflikt und bewaffnete Angriffe im Ostkongo ließen eine höhere Dunkelziffer vermuten. Mehr als ein Drittel der Erkrankten war jünger als 18 Jahre. Bis zum 28. Mai 2019 waren 15 Prozent der gemeldeten Fälle jünger als fünf Jahre, sechs Prozent jünger als ein Jahr. Kinder unter fünf Jahren starben deutlich häufiger als ältere Personen; als möglicher Grund galt die verspätete Aufnahme in Behandlungs- und Isolationszentren.
Frauen waren überproportional häufig betroffen. Am 4. Januar 2019 waren 61 Prozent der Erkrankten weiblich und 39 Prozent männlich. Als Grund wurde vor allem die Pflege erkrankter Angehöriger durch Frauen genannt. Eine Zahl, die trocken aussieht, dahinter aber bedeutet: Hände halten, Körper waschen, Essen bringen, bleiben, wenn andere längst gehen.
Uganda hatte bereits vor 2019 zwischen 2000 und 2013 fünf Ebola-Ausbrüche erlebt. Am 11. Juni 2019 wurde im Distrikt Kasese der erste Ebola-Fall außerhalb des Kongo bestätigt. Betroffen war zunächst ein fünfjähriger Junge, der mit fünf Angehörigen aus dem Kongo eingereist war und zuvor seinen erkrankten Großvater besucht hatte. Der Junge starb am 12. Juni 2019.
Bei seiner Großmutter und seinem Bruder wurde ebenfalls Ebola festgestellt. Die Großmutter starb am folgenden Abend, der dreijährige Bruder am
