Heute Abend steht in Bačka Topola mehr als ein Fußballspiel auf dem Programm. Beim Nations-League-Rückspiel gegen Irland tritt die israelische Nationalmannschaft mit schwarzen Armbinden an. Darauf steht „7.10“ – als Erinnerung an die Opfer des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023. Die UEFA hatte den Antrag des israelischen Fußballverbands genehmigt.

Am 7. Oktober 2023 töteten Hamas-Kämpfer und Mitglieder anderer extremistischer Organisationen in Israel rund 1.200 Menschen und verschleppten mehr als 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen. Der Angriff löste den Gaza-Krieg aus. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seitdem mehr als 74.000 Palästinenser im Gazastreifen getötet. Seit Oktober 2025 gilt eine Waffenruhe, trotzdem kommt es weiterhin zu tödlichen Angriffen.

Schwarze Armbinden, gesenkte Köpfe

Politisch brisant ist die Partie, weil Irland den Palästinensern seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Oktober 2023 besonders deutlich Unterstützung zeigt. Schon beim Hinspiel im ungarischen Debrecen protestierten die irischen Spieler: Sie trugen schwarze Armbinden, senkten während der israelischen Hymne die Köpfe und verzichteten vor dem Spiel sowie bei der Seitenwahl auf das übliche Abklatschen mit den israelischen Spielern.

Das Hinspiel gewann Irland mit 3:0. Irische Fans reisten nicht mit, im Stadion in Debrecen saßen lediglich 319 Zuschauer. Die irischen Armbinden sollten an die im Konflikt Getöteten erinnern. Die UEFA prüfte möglicherweise, ob sie als zulässiges Trauerzeichen oder als verbotene politische Botschaft gelten. Israelische Behörden kritisierten das Verhalten.

Irlands Torschütze zum 3:0, Jack Moylan, nahm nach seinem Treffer die Armbinde ab und küsste sie. Ersatztorwart Gavin Bazunu boykottierte die Partie erneut beziehungsweise ließ sich aus persönlichen politischen Gründen nicht nominieren. Er erklärte, die Tötung unschuldiger Menschen sei falsch. Seine Haltung richte sich nicht gegen das israelische Volk oder die jüdische Gemeinschaft, sondern gegen die Gewalt in der Region.

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Einen vollständigen Spielboykott, wie ihn einige Stimmen in Irland gefordert hatten, lehnten Mannschaft und Verband ab. Irlands Fußballverband entschied sich gegen einen Boykott des Auswärtsspiels und hielt an der Austragung fest. Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson verwies auf die besonders große Unterstützung für Palästina in Irland. Bei der Kadernominierung sagte er: „Wir spielen nicht mit Völkermord, wir spielen gegen Völkermord.“ Verbandspräsident Paul Cooke und Hallgrimsson lobten die Spieler für ihre Haltung und ihre Unterstützung des Protests.

Ein Spiel auf neutralem Boden

Das Rückspiel beginnt um 20:45 Uhr erneut auf neutralem Platz im serbischen Bačka Topola. Beide Partien wurden auf neutralem Boden angesetzt. Seit der Auslosung gab es in Irland Proteste gegen die Spiele gegen Israel. Ein vollständiger Boykott blieb aus, die Spannung ist trotzdem mit Händen zu greifen.

Der politische Hintergrund reicht weit über den Rasen hinaus. Irland hat Palästina offiziell als Staat anerkannt und boykottiert den Eurovision Song Contest, weil Israel teilnehmen darf. Israels Regierung schloss 2024 wegen der aus ihrer Sicht „extrem israelfeindlichen Politik“ die Botschaft in Dublin. In Irland gibt es starke Unterstützung für Palästina und Kritik am israelischen Vorgehen.

Der israelische Fußballverband griff Hallgrimsson in sozialen Medien an und warf ihm Ignoranz, Heuchelei und Dummheit vor. Israels Außenminister Gideon Sa’ar verwies auf Irlands Neutralität im Zweiten Weltkrieg und auf ein Länderspiel gegen das Deutsche Reich 1939, bei dem das irische Team den Hitlergruß gezeigt hatte. Sa’ar warf Irland vor, heute auf der Seite palästinensischen Terrorismus’ und Dschihadismus zu stehen.

Auf den Rängen in Bačka Topola dürfte es diesmal wieder weniger nach normalem Nations-League-Abend aussehen als nach politischem Brennglas. Die israelischen Spieler tragen ihre „7.10“-Binden, die irischen ihre schwarzen Armbinden. Und irgendwo dazwischen rollt der Ball – um 20:45 Uhr, am 4.10.2026, während in Saarbrücken an der Uni Saarland vermutlich längst die ersten Diskussionen über dieses Spiel laufen.